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Vortrag: Das Sterben der anderen – Wie wir die biologische Vielfalt noch retten können

von Dr. Tanja Busse, Journalistin, Mitglied der Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt und Kuratorin der Schweisfurth-Stiftung

am Donnerstag, den 12. Dezember 2019, 19:00 Uhr
im münchner zukunftssalon oekom e.V., Waltherstr. 29. Rgb., 2. Stock, 80337 München, U-Bahn Goetheplatz

Naturschützer schlagen Alarm: Sie haben beobachtet, dass die Zahl der Insekten in den letzten 27 Jahren um 75 Prozent abgenommen hat. Nicht nur die Bienen sind in Gefahr, sondern viele andere Insekten, die vor wenigen Jahren noch als weit verbreitet galten. Und mit den Insekten sterben die Vögel. 

In den letzten Jahrzehnten sind vor allem die Spezialisten verschwunden sind, also Arten, die besondere Lebensräume brauchen, Störche etwa oder Kiebitze. Inzwischen aber passiert etwas Neues, etwas sehr Unheimliches: Allerweltsarten wie Feldlerchen, Schwalben und Spatzen verschwinden und ebenso Insekten, die es früher massenhaft gab. Feldgrashüpfer zum Beispiel oder Laufkäfer. 

Tanja Busse: „Vor zwei Jahren habe ich mich aufgemacht, um Heuschrecken und Wildbienen zu suchen. Ich wollte verstehen, warum sie verschwinden, doch je mehr ich erfahren habe, desto mehr habe ich verstanden, dass wir selbst etwas zu nah am Abgrund stehen. Wir erleben gerade ein Massenaussterben wie zuletzt vor 66 Millionen Jahren, und die Wissenschaftler sind sich einig, dass der Klimawandel die Biodiversitätskrise noch verstärken wird. 

Das alles läuft auf finstere Zeiten hinaus. Und unsere politischen Systeme schaffen es nicht annähernd, so umfassend zu reagieren, wie es nötig wäre. Wir haben Schutzgebiete – aber sie schützen nicht. Wir haben Umweltziele – aber wir verfehlen sie permanent und nehmen das achselzuckend hin. Das Tragische ist dabei: Wir wissen, was zu tun wäre, um die biologische Vielfalt zu retten. Nur wir handeln nicht danach. 

Immer mehr Menschen verstehen, dass wir ein stabiles Klima und resiliente Ökosysteme zum Überleben brauchen. Und die Revolte hat begonnen, mit dem Volksbegehren in Bayern, mit den fridaysforfuture, mit der Extinction Rebellion, mit Greta Thunberg und Rezo. Ich glaube, es ist Zeit für ein großes Tribunal der Arten, vor dem gefährdete Tiere und Pflanzen ihr Überlebensrecht einfordern. Damit das stumme Sterben ein lautes wird und noch mehr Menschen rebellieren.“ 

Die Referentin:
Tanja Busse wurde 1970 geboren, studierte Journalistik und Philosophie in Dortmund, Bochum und Pisa. 2000 wurde sie mit einer Arbeit über die Massenmedien („Weltuntergang als Erlebnis“) zum Dr. phil. promoviert.

Tanja Busse schrieb wichtige Artikel über Landwirtschaft und Verbraucherschutz in der ZEIT, für die Süddeutsche und den Freitag. Ihr Buch „Die Einkaufsrevolution“ (Blessing, 2006) wurde ein Longseller. Auch „Die Ernährungsdiktatur“ (Blessing 2010) erlangte hohe Resonanz. 2015 erschien bei Blessing ihr viel diskutiertes Buch „Die Wegwerfkuh“.

Sie moderiert Konferenzen und Diskussionen vor allem zu Umwelt- und Agrarthemen, ist Mitglied der Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt und Kuratorin der Schweisfurth-Stiftung.2009 erhielt sie die Reiner Reineccius-Medaille für Querdenker und Pioniere der Stadt Steinheim, 2017 den Salus-Medienpreis und 2018 den Wertewandel-Preis des Deutschen Tierschutzbundes.  

Wir freuen uns sehr, die renommierte Journalistin Tanja Busse an diesem Abend bei uns zu haben, und laden Sie herzlich zu diesem Abend ein. 
Es moderiert Georg Schweisfurth, Vorstand der Umwelt-Akademie.

Veranstalter: Die Umwelt-Akademie e.V.

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Vortrag: „Artenverlust zerstört Ökosysteme“

von Dr. Sebastian Meyer vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der TU München

am Mittwoch, den 27. November 2019 um 19:00 Uhr
im münchner zukunftssalon oekom e.V., Waltherstr. 29. Rgb., 2. Stock, 80337 München, U-Bahn Goetheplatz

die Welt verliert zur Zeit Tier- und Pflanzenarten mit rasanter Geschwindigkeit. Gleichzeitig wächst die Einsicht, wie sehr wir auf intakte Ökosysteme angewiesen sind. Sie stellen für uns Menschen existenzielle Dienstleistungen bereit wie etwa die Bestäubung der Blüten durch Insekten, die Fruchtbarkeit der Böden und sauberes Grundwasser. Wie ist es um diese Leistungsfähigkeit bestellt, wenn weltweit immer mehr Arten aussterben? Funktioniert ein artenarmes Ökosystem schlechter als ein artenreiches?

Um diese Frage zu klären, wurde 2002 das sogenannten Jena Experiment begonnen, eines der umfangreichsten und am längsten laufenden Biodiversitätsexperimente weltweit. Als Forschungsobjekt wurde das Modell-Ökosystem Wiese gewählt. Auf rund 600 Versuchsparzellen wachsen künstlich zusammengesetzte Graslandschaften, von der Monokultur (nur eine Art) bis hin zur Wiese aus 60 verschiedenen Pflanzenarten. Da bis auf die Artenzahl alle anderen Faktoren konstant gehalten werden, lässt sich untersuchen, ob und wie die Artenvielfalt die ökologischen Prozesse beeinflusst, die den Ökosystemleistungen zugrunde liegen.

Untersucht wurden der Einfluss der Artenvielfalt auf Pflanzen, Tiere, Bodenorganismen und die Kreisläufe von Wasser, Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor. Das Hauptergebnis nach 80.000 Messungen ist, dass die Zahl der Pflanzenarten bei fast der Hälfte der untersuchten Prozesse eine wichtige Rolle spielt. Geht die Artenzahl zurück, sinkt die Leistungsfähigkeit des Ökosystems. Daher bedeutet das weltweite Massenaussterben nicht nur, dass ein Teil des evolutionären Erbes der Erde unwiederbringlich verloren geht, sondern dass es uns Menschen auch direkt beeinflusst.

Dr. Sebastian Meyer vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der TU München wird in seinem Vortrag das Jena Experiment vorstellen und die wichtigsten Ergebnisse erläutern. Zum Abschluss wird er einen kurzen Ausblick geben, welche Relevanz die Ökosystemforschung für den Naturschutz hat.

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