Schlagwort-Archive: Ernährungssouveränität

Saatgut-Festival 2019

Am Sonntag, den 24. Februar 2019 ab 10 Uhr im ÖBZ

Saatgut-Festival 2019
(c) ÖBZ

Das Vermehren von Saatgut durch Selektieren, Aufbewahren, Kreuzen und Weitergeben ist eine sehr alte, lebensnotwendige Kulturtechnik, die lange zum Alltag von breiten Bevölkerungsschichten gehörte. Durch die dezentrale Anpassung von Sorten an die jeweiligen klimatischen und Bodenbedingungen entstand eine große Vielfalt von Nutzpflanzen. Im Zuge der modernen kommerziellen Pflanzenzüchtung, die sich vorrangig auf die Ansprüche der industriellen Landwirtschaft ausrichtet, geht die Vielfalt alter und nachbaufähiger (samenfester) Gemüsesorten drastisch zurück. Hybridsorten eignen sich auch weniger als Insektennahrung. Deshalb verschwinden mit dem Siegeszug dieses nicht nachbaufähigen Saatguts auch die Lebensräume vieler bestäubender Insekten. Die Bewahrung der Agrobiodiversität bedeutet so auch, die Biodiversität zu erhalten. Doch das Kulturgut Saatgut ist mit der Industrialisierung der Landwirtschaft zur privatisierten Ware gemacht worden. Eine Handvoll multinational agierender Chemiekonzerne beherrscht den internationalen Saatgutmarkt. Projekte wie Saatgut-Börsen dienen dazu, die Souveränität über die Grundlage unserer Nahrung zu behaupten.

Tauschbörse

Die Tauschbörse des Ökologischen Bildungszentrums in Kooperation mit dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt lädt alle Gärtner*innen, die Saatgut vermehren und abgeben möchten, zum Austausch mit Gleichgesinnten ein. Auch Neueinsteiger*innen, die (noch) nichts zum Tauschen anbieten können, sind herzlich willkommen, da es erfahrungsgemäß von einigen Sorten reichlich Saatgut gibt.
Für eine erfolgreiche Aussaat ist keimfähiges Saatgut mit genauen Sortennamen bzw. Beschreibung nötig. Daher sollte das angebotene Saatgut mit folgenden Information versehen sein:
– Sortenname oder eine aussagekräftige Beschreibung
– Erntejahr
Tütchen für Saatgut können gern mitgebracht oder vor Ort nach Anleitung mit bereitgestelltem Papier selbst gefaltet werden.

Rahmenprogramm

Neben einer großen Saatgutbörse bietet das ÖBZ deshalb ein interessantes Rahmenprogramm, das mit Vorträgen von namhaften Expert*innen über die Bedeutung von Biodiversität, insektenfreundlichen Gärten und ökologischem Landbau informiert.
Außerdem erwartet Sie ein buntes Kinderprogramm und ein öko-kulinarisches Angebot.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des ÖBZ.

Erinnerung: „Umkämpftes Grün. Flächennutzung zwischen wachsender und essbarer Stadt“ am 17. Juli

Einladung zur Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am 17. Juli 2018 um 19 Uhr:

Urbane (Gemeinschafts-)Gärten haben das Potenzial, Stadtbewohner*innen aus vielen sozialen Milieus eine bessere Teilhabe am städtischen Leben und einen gerechten Zugang zu Natur und guter Ernährung zu bieten. Wie müssen Bodenpolitik und Flächennutzung als Voraussetzung dafür gestaltet werden? Am Beispiel von urbanen Gartenprojekten und Stadtpolitik in Österreich und Deutschland erörtern wir diese Fragen mit:

Andrea*s Exner, Ökologe, Politikwissenschaftler, Forschungsprojekt „Green Urban Commons“, Institut für Internationale Politik, Universität Wien und

Gudrun Walesch, anstiftung, München.

Moderation: Manuela Barth, Urbane Gärten München

Am: Dienstag, 17. Juli 2018 / 19:00 Uhr

Im: BayernForum / Herzog-Wilhelm-Str. 1 / 80331 München

Aus der Reihe „Mit urbanen Gärten Boden gut machen“, eine Kooperation von Urbane Gärten München und Friedrich-Ebert-Stiftung/Bayernforum.

Anmeldung unter: https://www.fes.de/veranstaltung/veranstaltung/detail/227510/

Bild: (c) Friedrich-Ebert-Stiftung/BayernForum

München hat einen Ernährungsrat

Die Entscheidung darüber, wie wir uns in Zukunft ernähren, wollen immer mehr Menschen mitgestalten, anstatt sie weiterhin den internationalen Handelskonzernen zu überlassen. Denn diese haben mit einer am Welthandel orientierten, ressourcenintensiven Landwirtschaft sowie industriellen Verarbeitung und globalen Vermarktung von Lebensmitteln hohe gesellschaftliche und ökologische Kosten verursacht. Dazu zählen u.a. der Klimawandel, die Flächenversiegelung, der Verlust an Biodiversität, soziale Ungleichheiten und gesundheitliche Schäden sowie Mangelernährung im globalen Süden. Aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahren in vielen europäischen Städten zivilgesellschaftliche Ernährungsräte nach nordamerikanischem Vorbild gegründet. Diese setzen sich für die Sicherung einer resilienten, transparenten und nachhaltigen Lebensmittelversorgung ein. Dazu erarbeiten sie kommunale Ernährungsstrategien, mit denen die drängenden Fragen nach gerechter Entlohnung für Produzierende, ressourcenschonender Produktion und Vermarktung sowie dem Zugang aller Stadtbewohner*innen zu gesunden, wohlschmeckenden Lebensmitteln gelöst werden sollen.

Die Voraussetzungen für die angestrebte Ernährungssouveränität sind zum einen die Stärkung regionaler Erzeuger*innen und Verarbeiter*innen durch faire, vielfältige Marktstrukturen, die Unterstützung solidarischer Erzeugergemeinschaften und die Bereitstellung von stadtnahen und innerstädtischen Flächen zur ökologischen Produktion von vorwiegend pflanzlichen Lebensmitteln. Zum anderen bedingt sie eine umfassende schulische und außerschulische Umwelt- und Ernährungsbildung zur Vermittlung von Herstellung, Verarbeitung und Wertschätzung von Lebensmitteln. Damit verbunden ist die flächendeckende Umstellung der Gemeinschaftsversorgung in öffentlichen Einrichtungen auf regionale, saisonale, ökologische und fleischreduzierte Kost.

Nach einjähriger Vorbereitungszeit gründete ein breites Bündnis aus Verbraucher*innen, landwirtschaftlichen Erzeuger*innen, urbanen Gärtner*innen, Lebensmittelretter*innen, Wissenschaftler*innen, Vertreter*innen der regionalen Lebensmittelwirtschaft und Gastronomie, von Verbänden, Vereinen, Firmen und Bildungseinrichtungen in München und Umgebung am Montag, den 18. Juni den Münchner Ernährungsrat e.V. (MünchnER).

Nächste Veranstaltung des MünchnER:

Im Rahmen des diesjährigen Klimaherbsts lädt der Münchner Ernährungsrat am 24. Oktober zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Wieviel Energie steckt in meinem Essen?“ ein. Nach einem Impulsreferat des Ökotrophologen Dr. Karl von Körber (Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Ernährung) wird der Münchner Ernährungsrat sich und seine Ziele vorstellen.

La Via Campesina zum Weltfrauentag 2018

Kleinbäuerinnen und Gärtnerinnen in aller Welt

Der Internationale Frauentag, der diese Woche stattgefunden hat, ist eine gute Gelegenheit, an die Lage der Klein- und Kleinstbäuerinnen auf der ganzen Welt zu erinnern. Rund 70 % aller Nahrungsmittel werden in den 500 Millionen kleinbäuerlichen Betrieben in städtischen und ländlichen Räumen auf einem Bruchteil der Fläche produziert, die von der industrialisierten Landwirtschaft in Anspruch genommen wird. Mehr als die Hälfte der Produzierenden sind Frauen, die vor allem im globalen Süden aufgrund von Bürgerkriegen, AIDS oder Abwanderung meist sehr mühevoll ihre Familien ernähren müssen. Dabei sind sie von instabilen Preisen, Landraub und Vertreibung, Saatgut- und Pestizidpolitik der großen Konzerne sowie den Folgen des Klimawandels betroffen. Der Weltagrarbericht konstatiert deshalb, dass „die Achtung fundamentaler Rechte von Frauen, v.a. auf dem Lande in Asien und Afrika, die mit Abstand effektivste Maßnahme zur nachhaltigen Überwindung von Hunger und Armut“ sind.

 

In diesem Sinne ruft auch die internationale Bewegung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern „La Via Campesina“ zur Solidarität mit den Kleinbäuerinnen auf, die weltweit „für Land, für Ernährungssouveränität, Wasser, Saatgut und Agrarökologie“ kämpfen.

Die ganze Solidaritätserklärung zum Weltfrauentag finden Sie hier und in deutscher Übersetzung hier.