
Am 18. Juni hatte das Planungstreffen für das BioDivHubs-Projekt „Pflanzung einer Wildobsthecke im Modellquartier Ackermannbogen“ stattgefunden. Eine geeignete öffentliche Fläche nahe beim StadtAcker wurde Anfang des Jahres vom Baureferat, Abteilung Gartenbau freigegeben und es wurde in Kooperation mit Green City e.V. ein Patenschafts-Vertrag abgeschlossen. Zum ersten Planungstreffen erschienen viele interessierte Teilnehmer*innen aus der Nachbarschaft und unterstützten uns tatkräftig. Die autochthonen Wildgehölze wurden bei der Baumschule von Dr. Ernst Habersbrunner ausgesucht und kamen schließlich in der 2. Oktoberwoche bei uns an, so dass wir am 10. Oktober mit der Pflanzaktion beginnen konnten.
Einsatz für die StadtNatur bei strömenden Regen
Obwohl das Wetter denkbar ungünstig war an diesem Samstagvormittag, kamen viele Helfer*innen zusammen und wurden von Alicia Bilang, Natur- und Umweltpädagogin vom StadtNatur-Team mit allerlei Köstlichkeiten aus Wildobst und einem interessanten Quizz über einheimische Gehölze belohnt. Ein einigermaßen wasserdichter Pavillon schützte die Teilnehmenden, während Konrad Bucher vom BioDivHubs-Projekt die Vorgehensweise bei der Pflanzung erklärte.



Die Pflanzlöcher sollen mit Spitzhacken und Spaten möglichst tief und breit in den ziemlich harten sandig-kiesigen Boden gehauen und mit humoser Erde aufgefüllt werden, so dass die Pflänzchen zum Anwurzeln von diesem Nährstoffvorrat in einem nicht allzu harten und verdichteten Erdreich profitieren können. Die Pflanzlöcher müssen dabei etwas tiefer als die Umgebung liegen, damit das Wasser zum Wurzelbereich hinfließen kann. Angesichts der trockener werdenden Sommer eine notwendige und einfache Art der Regenwasserlenkung. Zum Schluss noch alles ein wenig festdrücken und dann sehr reichlich angießen.



Auswahl und Platzierung der Pflanzen
Bei der Planung hatten wir uns entschlossen, überwiegend autochthone Wildpflanzen zu verwenden, die natürlich in der Region München vorkommen und sich seit langer Zeit an die spezifischen Umweltbedingungen hier angepasst haben. Die Blüten bieten den Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum und die Vögel brauchen die Beeren als Nahrung im Sommer und Herbst und das Dickicht als Schutzraum und Nistmöglichkeit.
Dementsprechend plante Konrad Bucher Bereiche mit dichten und unzugänglichen Bewuchs, aber auch einen begehbaren Raum in der Mitte, damit einerseits Wildtiere und Insekten ungestörte Verstecke finden, aber auch Menschen einen schönen und bereichernden Aufenthaltsort durch die Pflanzung gewinnen.
Die verschiedenen Gehölzgruppen können, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, durch Unterpflanzungen und Totholzstrukturen bereichert werden. Es ist außerdem geplant, mit Erklärtafeln die Besucher*innen auf das neue kleine Biotop und seine Funktionen aufmerksam zu machen.
Die im Bild rechts gelegenen Bereiche sind ideale vollsonnige Standorte für den wärmeliebenden Sanddorn (Hippophae rhamnoides), der von verschiedenen Wildrosenarten und niedrigeren Gruppen von Felsen-Kreuzdorn (Rhamnus saxatilis) und Kissenginster(Cytisus decumbens) flankiert wird.


Die größeren Gehölzgruppen in der Mitte der Anlage bestehen aus Eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogyna), Schlehdorn (Prunus spinosa), Berberitze (Berberis vulgaris) und Wildrosenarten. Mittendrin auch zwei schon größere Kornellkirschen (Cornus mas) – ein Geschenk der Stadt zu unserem Projekt.
Wichtig ist uns bei der Artenauswahl, dass das BioDivHubs-Projekt immer wieder auf die große Vielfalt der heimischen Flora und Fauna hinweist – und neben den „Allerweltsarten“ auch die Unbekannteren und Seltenen zeigt, die weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden sind. Wir sind sehr gespannt, wie die biodiverse Pflanzung, insbesondere die nicht häufig im Stadtbild zu sehenden Wildrosenarten wie Rosa arvensis, Rosa gallica, Rosa majalis, Rosa rubiginosa und Rosa tomentosa, sowie Sanddorn und Kissenginster sich an diesem Standort entwickeln werden und freuen uns sehr, im Quartier bei der Entwicklung eines kleinen und ganz besonderen Biotop dabei sein zu können. Wir danken allen engagierten Unterstützer*innen herzlich – ohne euer Engagement wären die Rewilding-Projekte nicht möglich!
Text und Bilder: Ruth Mahla



