Die Planungsgruppe – im Hintergrund die Fläche (mit Vogelkirsche)
Am 18. Juni fand das erste Planungstreffen für das BioDivHubs-Projekt „Pflanzung einer Wildobsthecke im Modellquartier Ackermannbogen“ statt. Vor Kurzen wurde eine geeignete öffentliche Fläche nahe beim StadtAcker am Ackermannbogen vom Baureferat, Abteilung Gartenbau dafür freigegeben. In Kooperation mit Green City e.V. kann dort ein Patenschafts-Vertrag abgeschlossen werden. Solange die Fläche vom Projekt und den Teilnehmenden gepflegt wird, können wir dort nun im Herbst Wildobst, Wildrosen und andere Wildgehölze entweder als Hecke oder als lockere Gruppen pflanzen.10 interessierte Teilnehmer*innen aus der Nachbarschaft wollen bei dem Vorhaben mitmachen und von Anfang an dabei sein. Weitere Beteiligte für die Umsetzung sind jederzeit herzlich willkommen!
Entscheidung für Variante 3: lockere Gehölzgruppen
Variante 3
Tatsächlich wurde aus der ursprünglich angedachten Hecke sehr schnell eine Planung für lockere und begehbare Gehölzgruppen in verschiedenen Höhenstaffelungen. Das dreieckige Grundstück eignet sich für eine solche Gestaltung einfach besser. Konrad Bucher, StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Verbundpartner vom MUZ, zeigte uns drei verschiedene Planungsvarianten, wobei sich alle sofort einstimmig für die Variante 3 entschieden. Im nächsten Schritt wird der Entwurf mit dem Baureferat Gartenbau abgestimmt.
Auswahl der Pflanzen
Mit Bildern und Beschreibungen der vorgesehen Pflanzen macht uns Konrad Bucher richtig Lust auf die wilden Schönheiten, und wir verabredeten uns zu einem Ausflug zur Baumschule von Ernst Habersbrunner – der Experte für Wildpflanzen und auch Wildgehölze im Münchner Raum.
Wir möchten nur sog. autochthone Wildpflanzen verwenden, die natürlich in der Region München vorkommen und sich seit langer Zeit an die spezifischen Umweltbedingungen hier angepasst haben. Denn die Pflanzung soll nicht nur die menschliche Nachbarschaft erfreuen, sondern vor allem auch für die heimische Tierwelt wichtige ökologische Funktionen erfüllen: Die Blüten bieten den Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum und die Vögel brauchen die Beeren als Nahrung im Sommer und Herbst und das Dickicht als Schutzraum und Nistmöglichkeit.
Dickicht aus Berberis und Rosa arvensisRosa rubiginosa
Bilder: Konrad Bucher
Die meisten Wildfruchgehölze kennt und sieht man oft – Weißdorn, Schlehe, Berberitze und Wildrosen kommen sowohl im Olympiapark als auch im Englischen Garten vor, wobei in Parks und Gärten meistens die aus Asien stammende Berberis thunbergii gepflanzt wird, nicht die heimische Berberis vulgaris. Und von den Wildrosen ist üblicherweise nur die Rosa canina (Hundsrose) bekannt, obwohl bei uns auch viele andere Arten wild vorkommen. Sanddorn und Wacholder sind ebenfalls heimisch, aber weniger häufig zu sehen und an besondere Standortbedingungen gebunden.
Die dreieckige Fläche ist zum größten Teil ein vollsonnig – trocken-heißer Standort – der Boden ein kiesig, sandiger Lehm auf Schotter, wenig humos und eher mager – gute Bedingungen für alle genannnten Arten. Nur im vorderen Zwickel der Fläche ist es zu schattig für sonnenhungrige Arten wie Sanddorn und Wachholder. Hier kann man schattenliebende Wildstauden für den Gehölzrand als Unterpflanzung einfügen. Auch einige Wildrosenarten können halbschattige Bereiche mit ihren Ausläufern füllen, zum Beispiel Zimtrose (Rosa majalis) und Essigrose (Rosa gallica). Die Feldrose (Rosa arvensis) wächst mit ihren langen Ranken in andere Gehölze hinein und bildet ein dichtes und „kleinteiliges Gewirr“. Die schöne Weinrosa (Rosa rubiginosa) hingegen bildet keine Ausläufer, duftet besonders gut und kann als Solitärpflanze neben dem Weißdorn oder einer Berberitze stehen.
Wichtig ist bei der Artenauswahl, dass das BioDivHubs-Projekt immer wieder auf die große Vielfalt der heimischen Flora und Fauna hinweist – und neben den „Allerweltsarten“ auch die Unbekannteren und Seltenen zeigt, die weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden sind.
Die Essigrose (Rosa gallica)….blüht nur ein paar Tage im Mai – aber wunderschön und intensiv duftend – übrigens auch im Topf auf dem Balkon
Bilder: Ruth Mahla
Der Maßnahmenkatalog des BioDivHubs-Projekts „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ beinhaltet auch eine detaillierte Pflanzanleitung für Vielfaltshecken: Kostenloser Download hier
Die Ausstellung „Convivium – Nahrungssysteme am Limit“ zeigt die global vernetzte Lebensmittelproduktion und die damit verbunden Folgen von Klimawandel über Ressourcenverbrauch bis zu Biodiversitätsverlust.
Der Demonstrationsgarten veranschaulicht das Thema Biodiversität im urbanen Kontext. Die Arten und Sortenvielfalt bildet die Grundlage für die Nahrungsmittelversorgung der Menschheit. Sie sorgt für stabile Ökosysteme, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und liefert die kulinarische Vielfalt auf unseren Tellern.
In Zusammenarbeit mit der Pinakothek der Modernen wurde der BioDivHubs Demonstrationsgarten bei der Sommerküche aufgestellt. Eines der fünf Hochbeete wurde am 27. Mai mit essbaren (Wild-)Kräutern bepflanzt, welche die Sommerküche für Kochevents nutzen kann. Die Blüten vieler Kräuter sind zudem bei Insekten beliebt, wie z. B. der heimische Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) oder Breitblättrige Thymian (Thymus pulegioides) und Echter Dost (Origanum vulgare).
Am 12.09.26 werden wir aus den frisch geernteten Kräutern und saisonalem & regionalem Gemüse eine Suppe kochen. Treffpunkt um 11:00 Uhr bei der Sommerküche. Der Eintritt für den Besuch der Ausstellung Convivium ist kostenfrei (für alle, die sich zum Workshop anmelden, max. 20 TeilnehmerInnen). Wir werden uns die Ausstellung und den Demonstrationsgarten ansehen und im Anschluss gemeinsam kochen. Dabei in lockerer Atmosphäre über regenerative Landwirtschaft, urbane Selbstversorgung und Biodiversität ins Gespräch kommen.
Der globale und industrielle Charakter unserer Agrarwirtschaft wird in der Ausstellung „Nahrungssysteme am Limit“ gezeigt. Trotzdem können sich die unbeteiligten, sog. „Verbraucher*innen“ auch als „Citizens of the Planet“ begreifen und die Weichen für eine gerechtere, gesunde und umweltschonende Ernährung selbst in die Hand nehmen: an unseren Esstischen, in unseren Esskulturen entscheiden wir auch über Nahrungsgerechtigkeit und die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen mit. Die Sommerküche CONVIVIUM soll Diskussionen über Auswege aus den multiplen Krisen anregen und selbstbestimmte, industrieunabhängige Strategien aufzeigen, z.B die Möglichkeiten nachhaltiger lokaler und regionaler Lebensmittelproduktion – auch im urbanen Raum. Vor der Pinakothek der Moderne erweitern die Installationen der Sommerküche das Museum in den öffentlichen Außenbereich und bieten Raum für die Beteiligung lokaler Organisationen und Initiativen, die sich diesen Themen verschrieben haben und vielfältige Beteiligungs-Angebote für Menschen in München und Region vorstellen. Die Sommerküche bringt mit verschiedenen Formaten, wie Workshops und Schnippelküchen, Vorträgen und Diskussionen Fragestellungen zu Saatgut, Boden, Wasser und Verantwortung in die Mitte der Gesellschaft – auf diesen prominenten Platz im Kunstareal zwischen Pinakothek, Museum Brandhorst und Pavillon 333.
06.05.2026 HOMO – HUMUS – HUMANITAS
Mittwoch 18:00-20:00 Uhr Ruth Mahla l Urbane Gärten München Die verborgene Welt des Bodens mit allen Sinnen erfahren, die globale Bedeutung von lebendigen Humus als unverzichtbare Lebensgrundlage kennenlernen und als Chance zur Bewältigung der weltweiten Ernährungs- Klima- und Biodiversitätskrise begreifen. Anmeldung: info@urbane-gaerten-muenchen.de
07.05.2026 HOW TO: GEMEINSCHAFTSGARTEN
Donnerstag 18:00-20:00 Uhr Gudrun Walesch und Dr. Robert Jende l anstiftung Wie baut man einen Gemeinschaftsgarten auf? In immer mehr Nachbarschaften entstehen Gemeinschaftsgärten. Doch wie baut man eigentlich einen partizipativen Garten auf? Der Weg zu einem Gemeinschaftsgarten kann ganz unterschiedlich sein, doch gibt es gut aufbereitetes Erfahrungswissen, das an der einen und anderen Stelle gut weiterhelfen kann. Die anstiftung hat daraus einen modular nutzbaren Online-Selbstlernkurs erstellt. Wir stellen den Kurs interaktiv vor und beantworten Fragen. Zielgruppe: alle, die sich für den Aufbau eines Gemeinschaftsgartens interessieren. Anmeldung: gudrun.walesch@anstiftung.de
13.05.2026 KOCHABEND MIT DEM KARTOFFELKOMBINAT
Mittwoch 18:00-20:00 Uhr Daniel Überall und Lilian van Essen Wie schmeckt alternatives Wirtschaften ohne Ausbeutung oder Raubbau? Beim gemeinsamen Kochabend mit saisonalen, fairen und vor allem leckeren Zutaten aus dem Kartoffelkombinat finden wir es heraus. Anmeldung: lilli@kartoffelkombinat.de
16.05.2026 STADTPFLANZEN AUSSAAT
Samstag 11:00-13:00 Uhr Anja Frohwitter l Stadtpflanzen Rosenheim Gemeinsam samenfestes Saatgut aussäen und Stecklinge anpflanzen, urbane Vielfalt vermehren und die Stadt ein Stück essbarer machen. Anmeldung: anmeldung@architekturmuseum.de
27.05.2026 PARTIZIPATIVE BEETGESTALTUNG
Mittwoch 18:00-20:00 Uhr David Schoo l BioDivHubs Zusammen Biodiversität pflanzen – essbare (Wild-)Kräuter und Blüten für Mensch und Insekten. Entdecken, wie sich Biodiversität in der Stadt mit einfachen Mitteln fördern lässt. Anmeldung: david.schoo@tum.de
13.06.2026 HÜLSENFRÜCHTE HOORAY!
Samstag 11:00-13:00 Uhr Münchner Ernährungsrat Bei dieser Veranstaltung lädt der Münchner Ernährungsrat e.V. dazu ein, die Welt der Hülsenfrüchte neu zu entdecken – mit allem, was die kleinen Schusser so draufhaben. Es gibt Kostproben zum Probieren, ein Quiz für Neugierige und viele überraschende Einblicke in Anbau, Küche und Alltagstauglichkeit. Anmeldung: a.ring@muenchner-ernaehrungsrat@de
17.06.2026 Der Garten als Habitat für eine essbare Stadt
Mittwoch 18:00-20:00 Uhr Ruth Mahla und Dr. Robert Jende l Urbane Gärten und anstiftung Als Habitat bietet der Garten vielfältigen Lebensformen Platz, hier trifft Gemeinschaft auf Biodiversität. Das ist sowohl für ein gutes Zusammenleben der Menschen in Städten von Vorteil, als auch für das Überleben nicht-menschlicher Organismen, die die Grundlage für das menschliche Leben bilden. Im Gespräch leuchten wir die Potentiale städtischer Gemeinschaftsgärten als Zentren für eine essbare Stadt aus.
Fällt leider aus
20.06.2026 TIERSCHUTZEINTOPF
Samstag 11:00-13:00 Uhr PROVIEH Zusammen mit deinen Tischnachbar:innen die Zusammenhänge kennenlernen zwischen einer Mahlzeit mit Zutaten aus der Haltungsstufe 1-2 und den konkreten Folgen bei den Tieren, die die Zutaten für dieses Essen liefern. Gemeinschaftliches Learning, klare Botschaft! Anmeldung: aktiv@provieh.de
27.06.2026 SCHNIBBELPARTY
Samstag 11:00-15:00 Uhr rehab republic Gemeinsam vor der Tonne gerettete Lebensmittel schnibbeln und kochen und dabei entdecken, wie einfach und lecker aus geretteten Zutaten Neues entstehen kann. Anmeldung: schnibbelparty@rehab-republic.de
28.06.2026 KINDERTAG
Sonntag 11:00-13:00 Uhr PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne Ein Tag voller Farben, Bewegung und Entdeckungen bei freiem Eintritt: Zwischen Sommerküche, Musik und kreativen Aktionen entstehen kleine Kunstwerke und große Momente zum Mitmachen. Draußen wie drinnen wird ausprobiert, gestaltet und gespielt – ein lebendiges Abenteuer für die ganze Familie. Ohne Anmeldung
15.07.2026 KOCHWORKSHOP
Mittwoch 18:00-20:00 Uhr Landfrauen des Bayerischen Bauernverbands Gemeinsames Kochen mit regionalen Lebensmitteln aus dem Münchner Umland. Anmeldung: Alexandra.Gregor@BayerischerBauernVerband.de
10.07.2026 NEW-FOOD-FESTIVAL
Donnerstag 18:00-20:00 Uhr TUM Venture Lab Ohne Anmeldung
18.07.2026 WELTACKERSPIEL
Samstag 11:00-13:00 Uhr Ruth Mahla l Urbane Gärten München Mit dem Weltackerspiel anschaulich entdecken, wie viel Ackerfläche unsere Ernährung beansprucht und verstehen, was das mit globaler Gerechtigkeit zu tun hat.
Das Format ist auch für Jugendliche geeignet. Anmeldung: info@urbane-gaerten-muenchen.de
25.07.2026 KOCHWORKSHOP
Samstag 11:00-13:00 Uhr Landfrauen des Bayerischen Bauernverbands Gemeinsames Kochen mit regionalen Lebensmitteln aus dem Münchner Umland . Anmeldung: Alexandra.Gregor@BayerischerBauernVerband.de
29.07.2026 UNTERWEGS IN DIE STADT DER ZUKUNFT
Mittwoch 18:00-20:00 Uhr Dr. Christa Müller l anstiftung Mit Dr. Christa Müller die besondere Rolle urbaner Gärten erkunden, ihr Potenzial für den gesellschaftlichen Wandel erfahren und die Stadt der Zukunft entdecken. Anmeldung: christa.mueller@anstiftung.de
02.09.2026 SAMEN FÜR DIE ZUKUNFT
Mittwoch 18:00-20:00 Uhr Dr. Hannelore Schnell und Urban Ewald l Ackermannbogen e.V. und Kulturpflanzenentwicklung Obergarshof e.V. Ohne Saatgut keine Nahrung, kein Leben. Saatgut ist inzwischen aber auch ein Wirtschaftsgut, mit dem multinationale Agrochemiekonzerne Profit machen. Wie soll es in Zukunft weitergehen? Noch mehr Machtkonzentration auf dem Saatgutmarkt? Noch mehr Hybridsorten, Gentechnik und Patente, mit denen kontrolliert wird, was auf unseren Tellern landet? Zukunft geht auch anders: Mit einer Ökologischen Pflanzenzüchtung, die unsere Lebensgrundlagen schützt und die Resilienz gegenüber den Folgen der Klimakrise fördert. Mit der Saatgut wieder ein Kulturgut wird, das die Ernährungssouveränität sichert. Anmeldung: info@kulturpflanzenentwicklung-obergrashof.de, hannelore.schnell@ackermannbogen-ev.de
05.09.2026 STADTPFLANZEN ERNTE
Samstag 11:00-13:00 Uhr Anja Frohwitter l Stadtpflanzen Rosenheim Die gemeinsame Ernte feiern und samenfestes Saatgut tauschen. Das Format richtet sich an alle, die Gemeinschaft, Genuss und nachhaltiges Wissen verbinden wollen. Ganz in unserem Sinne werden wir zusammenwachsen! Anmeldung: anmeldung@architekturmuseum.de
12.09.2026 SUPPENKÜCHE
Samstag, 11:00-13:00 Uhr David Schoo l BioDivHubs Es wird zusammen geschnibbelt und eine Suppe gekocht, mit saisonalem und regionalem Gemüse – natürlich biologisch und noch dazu vegan! Dabei in lockerer Atmosphäre über regenerative Landwirtschaft, urbane Selbstversorgung und Biodiversität ins Gespräch kommen. Anmeldung: david.schoo@tum.de
Sommerküche entwickelt von Tillmann Gebauer, Alice Janakiev und Sebastian Zitzmann.
Eine Liste der Veranstaltungen der Sommerküche finden Sie auf der Homepage des Veranstalters:
Am 9. April ab 18 Uhr im StadtAcker am Ackermannbogen
Im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ üben sich nun schon in der 3. Saison ca. 60 Balkongärtner*innen am Ackermannbogen in der Pflege und der Vermehrung von heimischen Wildpflanzen.
Wir alle haben uns in die „schönen Wilden“ verliebt und wollen nicht mehr auf diese Freude verzichten, auf dem Balkon, im Garten oder Wohnumfeld die zarte Pracht der einheimischen Wildpflanzen und die Insektenvielfalt, die sie anziehen, zu genießen und mit der Zeit immer besser kennen zu lernen.
Sand-Thymian BergminzeKartäusernelkeDuft-Scabiose
Wildpflanzen und Insektenbesuch am Balkon: Fotos Ruth Mahla
Nur – meist gibt es die Lieblingspflanzen gar nicht mehr zu kaufen oder nicht genau diese eine Varietät, die am Besten am jeweiligen Standort gedeiht. Der gegenwärtige Wildpflanzen-Boom übersteigt oft die Kapazitäten der wenigen spezialisierten Gärtnereien – vielerorts sind beliebte Arten schon ausverkauft und wegen der Energiekrise sind die Preise auch gestiegen.
Das Vermehren von Pflanzen, die sich an ganz besondere Standorte, wie z.B. einen Balkon angepasst haben, hat viele Vorteile: Wir erhalten eine gewisse Auslese, die zum Beispiel mit engen Töpfen, Trockenheit und Hitzestress gut zurecht kommt.
Deswegen sind die Verbundpartner vom BioDivHubs-Projekt – Konrad Bucher vom MUZ und Stadtackerkoordinator – Monika Egerer, Inhaberin des Lehrstuhls Produktive Urbane Ökosysteme an der TUM und ihr Mitarbeiter David Schoo – in die Samengärtnerei eingestiegen, um das benötigte Saatgut und die gewünschten Jungpflanzen selbst zu produzieren. In einem Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Mingas Permadis von David Schoo dürfen die Pflänzchen heranwachsen, bis sie auf den Projektflächen benötigt werden.
Damit möglichst viele Gärtner*innen lernen, wie man die wertvollen Wildpflanzen selbst vermehrt, fand am StadtAcker am Ackermannbogen dieser Workshop statt.
Fotos: Konrad Bucher
In die Aussaatschalen säen
Fotos: Ruth Mahla
Bevor wir die nährstoffarme Bio-Anzuchterde in die Schalen geben, werden diese gut gesäubert und desinfiziert. Die Erde wird sehr eben und gleichmäßig verteilt und dann angedrückt und in einzelne Abteilungen unterteilt.
Die Etiketten oder ein Klebeband mit den Infos zum Saatgut werden sorgfältig angebracht, damit es keine Verwechslungen gibt.
Erst dann kann – nicht zu dicht, denn das Saatgut ist wertvoll – gesät werden. Bei sehr feinen Saatkörnern ist das gar nicht so leicht: David zeigt uns, wie man eine kleine Menge Körnchen aus der Tüte in die Hand nimmt und locker zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand auf das vorbereitete Saatbett rieseln lässt.
Die Saat wird leicht angedrückt, damit sie Samenkörner Bodenkontakt bekommen und entweder mit feinen Blähton oder Lavagranulat abgestreut und angegossen. Wenn Lichtkeimer dabei sind, nicht mit Erde bedecken. Das Lavagranulat ist lichtdurchlässig, weshalb es auch für das Abdecken von Lichtkeimern verwendet werden kann. Es schützt den Boden außerdem vor Austrocknung und verhindert, dass die Samen oder Keimlinge bei Starkregen weggespült werden. Durch das Lavagranulat wird auch die Vermehrung der lästigen Trauermücken eingedämmt. Wichtig ist, das Gießen nicht zu vergessen, wenn die ersten Keimlinge sichtbar werden. In diesen Stadium dürfen die Pflänzchen keinen Trockenstress abbekommen. Am Besten gießt man von unten, indem man den Untersetzer mit Wasser befüllt, oder man befeuchtet sanft von oben mit einer Sprühflasche.
Noch ein Tipp: Sehr dickes Saatgut keimt besser, wenn man es ein wenig anschmiergelt.
Pikieren
Das Pikieren ist ein Geduldsspiel, das mit einem Pikierstab am Akkuratesten gelingt. Hat man aber Tausende Sämlinge zu pikieren, wie David in seiner Gärtnerei, kann man auch schneller vorgehen und mit den Fingern Pflanzlöcher vorformen und die Pflänzchen schnell hineindrücken. Die langen Würzelchen darf man einkürzen, damit sie in die Multitopfpaletten passen. Wichtig ist, dass die Wurzeln senkrecht in die Erde gedrückt werden und guten Bodenanschluss haben. Das Substrat sollte in diesem Entwicklungsstadium etwas nährstoffreicher sein: Gute Biogartenerde – natürlich ohne Torf – gibt es im Frühjahr in den Biomärkten zu kaufen. Zum Schluss wird noch gut gewässert. Eine Mischung aus Gartenerde, Kompost und verbrauchter Erde oder Sand geht aber auch – nur sollte die Eigenmischung zur Unkraut- und Keimreduzierung im Backofen etwa eine Stunde auf über 70 Grad Celsius erhitzt werden.
Wurzelentwicklung ist wichtiger als schnelle Blattenentwicklung
Wichtig ist, dass die Pflanzen ihre Kraft erst einmal in die Wurzelentwicklung geben. Das tun sie nur, wenn sie nicht allzu nährstoffreich aufwachsen. Man darf die wilden Jungpflanzen also keineswegs noch zusätzlich düngen. Bei einer ausgewogenen und nicht zu üppigen Nährstoffversorgung kann es sein, dass die oberirdische Pflanze noch recht unscheinbar wirkt. Wenn aber der Wurzelballen gut entwickelt ist, dann wird sie sich im Beet gut versorgen können und sich umso schneller entwickeln. Einen solchen Wurzelballen kann man vor dem Auspflanzen ins Beet leicht andrücken und anritzen, damit die verfilzten Würzelchen aufgelockert und zum Weiterwachsen angeregt werden.
Auch gut zu wissen:
Saatgut sammeln
Ein guter Zeitpunkt zum Ernten und Sammeln von Samen ist ein trockener sonniger Vormittag, nicht zu früh, so dass kein Tau mehr die Pflanzen benetzt.
Um sicherzugehen, dass man das ideale Reifestadium erwischt, kann man dieselbe Pflanze zu verschiedenen Zeitpunkten beernten. Man sollte immer nur soviel nehmen, wie man wirklich braucht und unreifen Samen die Möglichkeit zum Nachreifen lassen.
Samen mit Fruchtfleisch sollte man vorsichtig freilegen und die Reste entfernen.
Da beim Projekt viel Wert auf autochthones Saatgut gelegt wird, ist neben dem Sortennamen und dem Sammelzeitpunkt auch der genaue Standortvermerk wichtig.
Unbedingt muss man die Regeln fürs Wildsammeln beachten: In Deutschland sind grundsätzlich alle wild lebenden Pflanzen geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetz steht dazu: Wildpflanzen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund ihrem Standort entnommen werden. Weiterhin steht dort aber auch: „Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“
Durch eine Abfrage in der WISIA-Artenschutzdatenbank des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kann man die besonders und streng geschützte Arten, die nicht gesammelt werden dürfen, herausfinden.
Saatgut lagern
Saatgut soll man kühl und trocken lagern, am besten zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Beim Säubern und Öffnen von Schoten auch auf Tierchen achten und diese rauskrabbeln lassen. Die beste Verpackung sind Papiertütchen – das Milieu muss trocken sein. Plastik eignet sich nicht.
Ganz wichtig: Saatguttütchen sehr gut beschriften! Nein – man merkt sich meistens doch nicht welcher Same zu welcher Pflanze an welchen Standort gehört. Auch das Sammeljahr nicht vergessen – Saatgut verliert mit den Jahren an Keimfähigkeit.
Zu unserer Freude haben alle Pflanzen, die die Nachbarschaft am Ackermannbogen letztes Jahr im großen, halbschattigen Dreiecksbeet vor dem Rigoletto am Ackermannbogen gepflanzt hat, überlebt und die Frühlingsgeophyten blühten auch schon in dieser ersten Saison wunderschön. Trotzdem sieht das Beet in den Augen vieler, die buntere und üppigere Beete gewohnt sind etwas karg aus. Klar – unsere aus Projektmitteln gekauften Pflanzen im ersten Jahr sind noch sehr klein und die Schönheit der Wildpflanzen ist oft auch durch ihre Zartheit nicht so offensichtlich, wie die großen Blüten der gezüchteten Prachtgewächse. Deswegen hat Konrad Bucher vom BioDivHubs-Projekt mit seinem engagierten Team am Ackermannbogen beschlossen, einige Stauden nachzupflanzen, damit sie schneller zu dichten Polstern zusammenwachsen können.
Die Skizze zeigt die Anlage des sog. Dreiecksbeetes unter 3 Bäumen mit einer Vielzahl von Arten, die typisch sind für halbschattige heimische Waldssäume mit kleinen Sonneninseln. Hohe und üppige Leitstauden wie der Waldgeißbart und der klebrige Salbei werden eingerahmt von niedrigeren Arten, so dass sich eine abwechslungsreiche Struktur ergibt.
Das BioDivHubs-Projekt hat nicht nur das Ziel, die biologische Vielfalt in vier ausgewählten Münchner Quartieren zu fördern, sondern vor allem auch die Menschen für alle Aspekte der Biodiversität in ihrem städtischen Lebensumfeld zu sensibilisieren und zu begeistern. Und so hat sich am Ackermannbogen ein Kreis von Freiwilligen gebildet, die unter der fachlichen Leitung von StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Mitarbeiter Konrad Bucher nicht nur ihre eigenen Balkone, Terassen und Gärten ökologisch aufwerten, sondern auch Pflanzungen auf öffentlichen Flächen im Viertel durchführen und dabei selbst zu Expert*innen für heimische Wildpflanzen werden.
Innerhalb einer Stunde waren die Wildpflanzen gesetzt – nun musste die Fläche noch ausreichend gewässert werden, damit Brauner Storchschnabel, Graslilien, Odermennig & Co auch gut anwachsen. Ist der Boden einmal durch den dichten Bewuchs vollständig beschattet und sind die Pflanzen älter und robuster, muss dieses Beet nur bei anhaltender Hitze und Trockenheit im Sommer gegossen werden.
Das ausgiebige Wässern des Beetes hat über eine Stunde gedauert
Für einen dauerhaften Erfolg solcher Pflanzungen ist es wichtig, dass sich die Nachbarschaft weiter darum kümmert – jätet, nachpflanzt und bei Bedarf gießt, denn wir bekommen nur die Erlaubnis öffentliche Flächen zu gestalten, wenn der Stadtverwaltung nicht zusätzliche Arbeit daraus erwächst.