Kategoriearchiv: Bildung für nachhaltige Entwicklung

Hacken und Mulchen – Ein Beitrag zur Sommerpause

Die Hitze und die Trockenheit hat uns wieder fest im Griff – in den Urbanen Gärten zeigen sich Schäden an Beeren, Kräutern und Gemüse und immer wieder werde ich gefragt, wie man es schafft, den Boden tatsächlich immer bedeckt und feucht zu halten. Deswegen möchte ich an dieser Stelle über meine persönlichen Erfahrungen und Techniken berichten, die es mir ermöglichen immer mal wieder ein paar Tage Urlaub zu machen, ohne mir Sorgen über Garten und Balkon machen zu müssen. Natürlich empfiehlt es sich auch, mit Ollas, Flaschen oder Tüten oder sogar mit einer ausgetüftelten Tröpfchenbewässerung, einen Wasservorrat für die Pflanzen im Beet oder Kübel zu schaffen, aber das soll hier nicht das Thema sein. Mit der richtigen Bodenpflege allein ist auch schon sehr viel gewonnen.

Für mich war vor vielen Jahren ein Umdenken in Sachen „Unkraut“ wichtig. Wie viele Naturgärtner*innen verwende ich diesen Begriff nicht mehr, denn jede Pflanze hat einen eigenen Wert im Ökosystem und eine Schönheit für sich und liefert Nährstoffe und wertvolle Biomasse – man darf nur nicht zulassen, dass die Gemüsekulturen überwuchert werden.

Meine bevorzugte Vorgehensweise ist das Hacken: Die oberirdischen Pflanzenteile bleiben als Mulch auf dem Beet liegen, die Wurzeln verbleiben im Boden, wo sie entweder zersetzt und zu Humus werden oder überleben und neue Vegetation hervorbringen. Durch das Hacken wird auch der Boden gut gepflegt – die Kapillaren werden unterbrochen, das Bodenwasser verdunstet nicht durch den Vorgang der Bodenatmung (Evaporation), sondern bleibt im Boden eingeschlossen und hält ihn feucht. Den Pflanzen bleibt mehr Wasser zum Verdunsten übrig (Tanspiration).

Vorteile des regelmäßigen oberflächlichen Hackens und Harkens:

Hacke mit langen Stil, um rückenschonend zu arbeiten
  • Verbesserte Bodenstruktur und verbesserter Wasserhaushalt: Durch das Hacken werden die ersten ca. 5 cm der Erde aufgelockert und so die Bildung einer harten Oberflächenschicht oder Kruste vermieden. Dadurch und durch den Kapillareffekt wird die Wasseraufnahme und -speicherung gefördert. Ein gehacktes Beet kann im Vergleich zu einem ungehackten Beet die dreifache Menge an Wasser aufnehmen und speichern.
  • Förderung der Bodenlebewesen: Die Auflockerung der oberen Bodenschicht erhöht die Sauerstoffzufuhr im Boden. Mehr Sauerstoff bedeutet eine gesteigerte Aktivität der gewünschten aeroben Mikroorganismen im Boden, die durch die Verstoffwechslung des organischen Materials Nährstoffe für die Pflanzen bereitstellen. Die liegenbleibenden Pflanzenreste sind bestes Futter für die großen und kleinen Bodentiere
  • Unkrautkontrolle: Durch das Hacken wird unerwünschtes Beikraut entfernt, bevor es die Möglichkeit hat, zu blühen und Samen zu bilden und zugleich wird wertvoller Mulch erzeugt.
  • Prävention vor Bodenverdichtung: Kontinuierliches Hacken hält den Boden locker und beugt einer Verdichtung vor, auch weil – anders als beim Jäten – viele Wurzeln im Boden verbleiben.

Hacken, Mulchen und dichter Bewuchs

Natürlich vertragen manche empfindliche Kulturen keine dicke Mulchschicht, deswegen soll der Mulch immer mit genug Abstand um die Feingemüsekulturen platziert werden. Hacken darf man auch nur vorsichtig um die Kulturen und Saatreihen herum. Es ist etwas Fingerspitzengefühl nötig – vor allem auf kleinen Flächen. Aber man spart ungeheuer viel Zeit, weil man (außer frische Ansaaten und junge Sämlinge) nicht mehr täglich gießen muss. Mit der Kombination: gehackte Bodenoberfläche und dicke Mulchschicht obendrauf reicht kräftiges Gießen ca. alle 2 – 3 Tage.

Wenn der Mulch, den man im Beet selbst erzeugt, nicht für eine dicke Schicht reicht, kann man ihn mit Grasschnitt, Staudenschnitt, Heu oder auch Gemüseschalen oder alten Blättern vermischen. Auch Zweige sind sinnvoll, weil sie verhindern, dass der Mulch kompaktiert – er soll, wie Kompost immer gut durchlüftet und locker bleiben. Vorteilhaft ist es, den Mulch erst im angetrockneten Zustand auf dem Beet zu verteilen,um die Schnecken abzuhalten.

Die beste Vorgehensweise ist nach meinen Erfahrungen, eine Kombination aus gut gepflegter Mulchschicht und natürlicher Beschattung durch sehr dichten und höhengestaffelten Bewuchs im Beet. Klimaresiliente bodenaufbauende Biomischkulturen denken dabei auch die Fruchtfolgen über die Jahre und den Fruchtwechsel innerhalb der Saison mit. Schaut euch bitte dazu auch den Beitrag über die Vierfelder-Rotations-Mischkultur an . Das Webinar findet ihr auch auf youtube, Download der Präsentationsunterlagen mit Linkliste hier

Diese „Schattengare“, die durch gut ineinandergreifende dichte Kulturfolgen ensteht, wirkt nicht nur am besten gegen Bodenaustrocknung, sondern auch am effektivsten für den Humusaufbau und die kontinuierliche Pflanzenernährung.

Ein lebendiger, garer Boden – das ganze Jahr über

Bodengare ist der für Kulturpflanzen günstigste Zustand des Bodens, bei dem alle physikalischen, chemischen und biologischen Vorgänge optimal ablaufen. Kennzeichen eines garen Bodens sind die lockere Krümelstruktur und dunkle Färbung infolge des hohen Humusgehaltes. Greift man auch in diesen trocken-heißen Tagen unter eine dichte Pflanzendecke oder eine dicke Mulchschicht, so findet man den Boden in genau diesen wünschenswerten Zustand vor, während offen liegende Bodenflächen staubtrocken oder hart werden, je nach Bodenart Trockenrisse bilden und ihre lebendige Krümelstruktur verlieren. Auch Versalzung kann man durch Hacken und permanente Bodenbedeckung vollständig verhindern.

Damit eure Böden nicht so wie auf diesen Bildern aussehen: Nicht nur gießen, sondern ganzheitlich ressourcenschonend und biologisch gärtnern – mit biologischen Mischkulturen und guter Bodenpflege.


Das Gieß- und Gartenpflegethema ist nebenbei auch einer der vielen guten Gründe, der für das wunderbare urbane Gemeinschaftsgärtnern spricht: Es finden sich immer Gärtner*innen, die die Beetpflege übernehmen und man kann auch mal längere Reisen unbeschwert genießen, wenn man Teil einer engagierten Gartengemeinschaft ist… Und damit verabschiedet sich das Team der Urbanen Gärten München entspannt in die Sommerpause im August. Wir wünschen allen urbanen Gärtner*innen einen erholsamen Sommer und freuen uns, Euch spätestens beim Netzwerktreffen am 23. Oktober wieder zu sehen!


Text und Bilder: Ruth Mahla,

Der blaue Lein


Termin: Freitag, 26. Juni 2026; 15:00 bis 18:00 Uhr

Ort: Generationengarten am Petuelpark

Veranstalter: Urbane Gartenakademien München und Verein Stadtteilarbeit e.V.

Referentin: Christine Nimmerfall, Gartenexpertin und Kräuterpädagogin

Anmeldung bitte bei Lukas Gschnitzner: I.gschnitzer@verein-stadtteilarbeit.de

Gerade blüht der blaue Lein wieder wunderschön blau und zart am Morgen. Leider gehören der Stauden-Lein (Linum perenne), wie auch der Goldlein (Linum flavum) zu den selten gewordenen Sommerpflanzen. Man sieht sie kaum noch in der Natur und beide Arten sind nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. Dabei ist Lein eine der ältesten Kulturpflanzen, u.a. werden aus den Stängeln grobe Fasern zur Herstellung von Leinenstoff gewonnen. Der eng verwandte blaue Saatlein (Linum usitatissimum) – auch Flachs genannt – ist mit seiner kurzen Pfahlwurzel auch eine unkomplizierte Gründüngung und fühlt sich an einem sonnigen Standort im durchlässigen bis lehmigen, nährstoffreichen Gartenboden wohl. Die Blüten sehen im Beet bezaubernd aus und die köstlichen Samen lassen sich vielseitig in der Küche verwenden. 

Bei unseren Vorfahren war das Wissen wie Lein angebaut und verarbeitet wurde noch bestens bekannt. Lein war eine wichtige Pflanze sowohl für die Ernährung als auch für die Herstellung von Textilien.
Wir wollen diese vielseitige Pflanze wieder kennen lernen und genau erforschen. Welche kulinarischen Verwendungen gibt es mit Leinsamen, was für heilkundliche Anwendungen sind in der heutigen Zeit immer noch hilfreich?
Die Teilnehmer*innen erhalten kleine Kostproben und dazu ein Rezeptblatt.


Diese Veranstaltung ist ein Beitrag zu folgenden Nachhaltigkeitszielen:


Die BNE-Workshops der Urbanen Gartenakademien München sind Teil der BNE-VISION 2030, ein Projekt der Landeshauptstadt München, das Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Landeshauptstadt München strukturell verankern soll.


Fotos: Ruth Mahla


SOMMERKÜCHE – CONVIVIUM

Der globale und industrielle Charakter unserer Agrarwirtschaft wird in der Ausstellung „Nahrungssysteme am Limit“ gezeigt. Trotzdem können sich die unbeteiligten, sog. „Verbraucher*innen“ auch als „Citizens of the Planet“ begreifen und die Weichen für eine gerechtere, gesunde und umweltschonende Ernährung selbst in die Hand nehmen: an unseren Esstischen, in unseren Esskulturen entscheiden wir auch über Nahrungsgerechtigkeit und die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen mit. Die Sommerküche CONVIVIUM soll Diskussionen über Auswege aus den multiplen Krisen anregen und selbstbestimmte, industrieunabhängige Strategien aufzeigen, z.B die Möglichkeiten nachhaltiger lokaler und regionaler Lebensmittelproduktion – auch im urbanen Raum. Vor der Pinakothek der Moderne erweitern die Installationen der Sommerküche das Museum in den öffentlichen Außenbereich und bieten Raum für die Beteiligung lokaler Organisationen und Initiativen, die sich diesen Themen verschrieben haben und vielfältige Beteiligungs-Angebote für Menschen in München und Region vorstellen. Die Sommerküche bringt mit verschiedenen Formaten, wie Workshops und Schnippelküchen, Vorträgen und Diskussionen Fragestellungen zu Saatgut, Boden, Wasser und Verantwortung in die Mitte der Gesellschaft – auf diesen prominenten Platz im Kunstareal zwischen Pinakothek, Museum Brandhorst und Pavillon 333.

06.05.2026 HOMO – HUMUS – HUMANITAS

Mittwoch 18:00-20:00 Uhr
Ruth Mahla l Urbane Gärten München
Die verborgene Welt des Bodens mit allen Sinnen erfahren, die globale Bedeutung von lebendigen Humus als unverzichtbare Lebensgrundlage kennenlernen und als Chance zur Bewältigung der weltweiten Ernährungs- Klima- und Biodiversitätskrise begreifen.
Anmeldung: info@urbane-gaerten-muenchen.de


07.05.2026 HOW TO: GEMEINSCHAFTSGARTEN

Donnerstag 18:00-20:00 Uhr
Gudrun Walesch und Dr. Robert Jende l anstiftung
Wie baut man einen Gemeinschaftsgarten auf?
In immer mehr Nachbarschaften entstehen Gemeinschaftsgärten. Doch wie baut man eigentlich einen partizipativen Garten auf?
Der Weg zu einem Gemeinschaftsgarten kann ganz unterschiedlich sein, doch gibt es gut aufbereitetes Erfahrungswissen, das an der einen und anderen Stelle gut weiterhelfen kann. Die anstiftung hat daraus einen modular nutzbaren Online-Selbstlernkurs erstellt. Wir stellen den Kurs interaktiv vor und beantworten Fragen.
Zielgruppe: alle, die sich für den Aufbau eines Gemeinschaftsgartens interessieren.
Anmeldung: gudrun.walesch@anstiftung.de


13.05.2026 KOCHABEND MIT DEM KARTOFFELKOMBINAT

Mittwoch 18:00-20:00 Uhr
Daniel Überall und Lilian van Essen
Wie schmeckt alternatives Wirtschaften ohne Ausbeutung oder Raubbau?
Beim gemeinsamen Kochabend mit saisonalen, fairen und vor allem leckeren Zutaten aus dem Kartoffelkombinat finden wir es heraus.
Anmeldung: lilli@kartoffelkombinat.de


16.05.2026 STADTPFLANZEN AUSSAAT

Samstag 11:00-13:00 Uhr
Anja Frohwitter l Stadtpflanzen Rosenheim
Gemeinsam samenfestes Saatgut aussäen und Stecklinge anpflanzen, urbane Vielfalt
vermehren und die Stadt ein Stück essbarer machen.
Anmeldung: anmeldung@architekturmuseum.de


Logo BioDivHubs

27.05.2026 PARTIZIPATIVE BEETGESTALTUNG

Mittwoch 18:00-20:00 Uhr
David Schoo l BioDivHubs
Zusammen Biodiversität pflanzen – essbare (Wild-)Kräuter und Blüten für Mensch und Insekten. Entdecken, wie sich Biodiversität in der Stadt mit einfachen Mitteln fördern lässt.
Anmeldung: david.schoo@tum.de


13.06.2026 HÜLSENFRÜCHTE HOORAY!

Samstag 11:00-13:00 Uhr
Münchner Ernährungsrat
Bei dieser Veranstaltung lädt der Münchner Ernährungsrat e.V. dazu ein, die Welt der Hülsenfrüchte neu zu entdecken – mit allem, was die kleinen Schusser so draufhaben. Es gibt Kostproben zum Probieren, ein Quiz für Neugierige und viele überraschende Einblicke in Anbau, Küche und Alltagstauglichkeit.
Anmeldung: a.ring@muenchner-ernaehrungsrat@de


17.06.2026 Der Garten als Habitat für eine essbare Stadt

Mittwoch 18:00-20:00 Uhr
Ruth Mahla und Dr. Robert Jende l Urbane Gärten und anstiftung
Als Habitat bietet der Garten vielfältigen Lebensformen Platz, hier trifft Gemeinschaft auf Biodiversität. Das ist sowohl für ein gutes Zusammenleben der Menschen in Städten von Vorteil, als auch für das Überleben nicht-menschlicher Organismen, die die Grundlage für das menschliche Leben bilden. Im Gespräch leuchten wir die Potentiale städtischer Gemeinschaftsgärten als Zentren für eine essbare Stadt aus.

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20.06.2026 TIERSCHUTZEINTOPF

Samstag 11:00-13:00 Uhr
PROVIEH
Zusammen mit deinen Tischnachbar:innen die Zusammenhänge kennenlernen zwischen einer Mahlzeit mit Zutaten aus der Haltungsstufe 1-2 und den konkreten Folgen bei den Tieren, die die Zutaten für dieses Essen liefern. Gemeinschaftliches Learning, klare Botschaft!
Anmeldung: aktiv@provieh.de


27.06.2026 SCHNIBBELPARTY

Samstag 11:00-15:00 Uhr
rehab republic
Gemeinsam vor der Tonne gerettete Lebensmittel schnibbeln und kochen und dabei entdecken, wie einfach und lecker aus geretteten Zutaten Neues entstehen kann.
Anmeldung: schnibbelparty@rehab-republic.de


28.06.2026 KINDERTAG

Sonntag 11:00-13:00 Uhr
PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne
Ein Tag voller Farben, Bewegung und Entdeckungen bei freiem Eintritt: Zwischen Sommerküche, Musik und kreativen Aktionen entstehen kleine Kunstwerke und große Momente zum Mitmachen. Draußen wie drinnen wird ausprobiert, gestaltet und gespielt – ein lebendiges Abenteuer für die ganze Familie.
Ohne Anmeldung


15.07.2026 KOCHWORKSHOP

Mittwoch 18:00-20:00 Uhr
Landfrauen des Bayerischen Bauernverbands
Gemeinsames Kochen mit regionalen Lebensmitteln aus dem Münchner Umland.
Anmeldung: Alexandra.Gregor@BayerischerBauernVerband.de


10.07.2026 NEW-FOOD-FESTIVAL

Donnerstag 18:00-20:00 Uhr
TUM Venture Lab
Ohne Anmeldung


18.07.2026 WELTACKERSPIEL

Samstag 11:00-13:00 Uhr
Ruth Mahla l Urbane Gärten München
Mit dem Weltackerspiel anschaulich entdecken, wie viel Ackerfläche unsere Ernährung
beansprucht und verstehen, was das mit globaler Gerechtigkeit zu tun hat.

Das Format ist auch für Jugendliche geeignet.
Anmeldung: info@urbane-gaerten-muenchen.de

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25.07.2026 KOCHWORKSHOP

Samstag 11:00-13:00 Uhr
Landfrauen des Bayerischen Bauernverbands
Gemeinsames Kochen mit regionalen Lebensmitteln aus dem Münchner Umland .
Anmeldung: Alexandra.Gregor@BayerischerBauernVerband.de


29.07.2026 UNTERWEGS IN DIE STADT DER ZUKUNFT

Mittwoch 18:00-20:00 Uhr
Dr. Christa Müller l anstiftung
Mit Dr. Christa Müller die besondere Rolle urbaner Gärten erkunden, ihr Potenzial
für den gesellschaftlichen Wandel erfahren und die Stadt der Zukunft entdecken.
Anmeldung: christa.mueller@anstiftung.de


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02.09.2026 SAMEN FÜR DIE ZUKUNFT

Mittwoch 18:00-20:00 Uhr
Dr. Hannelore Schnell und Urban Ewald l Ackermannbogen e.V. und Kulturpflanzenentwicklung Obergarshof e.V.
Ohne Saatgut keine Nahrung, kein Leben. Saatgut ist inzwischen aber auch ein Wirtschaftsgut, mit dem multinationale Agrochemiekonzerne Profit machen. Wie soll es in Zukunft weitergehen? Noch mehr Machtkonzentration auf dem Saatgutmarkt? Noch mehr Hybridsorten, Gentechnik und Patente, mit denen kontrolliert wird, was auf unseren Tellern landet? Zukunft geht auch anders: Mit einer Ökologischen Pflanzenzüchtung, die unsere Lebensgrundlagen schützt und die Resilienz gegenüber den Folgen der Klimakrise fördert. Mit der Saatgut wieder ein Kulturgut wird, das die Ernährungssouveränität sichert.
Anmeldung: info@kulturpflanzenentwicklung-obergrashof.de, hannelore.schnell@ackermannbogen-ev.de


05.09.2026 STADTPFLANZEN ERNTE

Samstag 11:00-13:00 Uhr
Anja Frohwitter l Stadtpflanzen Rosenheim
Die gemeinsame Ernte feiern und samenfestes Saatgut tauschen. Das Format richtet sich an alle, die Gemeinschaft, Genuss und nachhaltiges Wissen verbinden wollen.
Ganz in unserem Sinne werden wir zusammenwachsen!
Anmeldung: anmeldung@architekturmuseum.de


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12.09.2026 SUPPENKÜCHE

Samstag, 11:00-13:00 Uhr
David Schoo l BioDivHubs
Es wird zusammen geschnibbelt und eine Suppe gekocht, mit saisonalem und regionalem Gemüse – natürlich biologisch und noch dazu vegan! Dabei in lockerer Atmosphäre über regenerative Landwirtschaft, urbane Selbstversorgung und Biodiversität ins Gespräch kommen.
Anmeldung: david.schoo@tum.de


Sommerküche entwickelt von Tillmann Gebauer, Alice Janakiev und Sebastian Zitzmann.

Eine Liste der Veranstaltungen der Sommerküche finden Sie auf der Homepage des Veranstalters:


Einleitungstext und Foto: Ruth Mahla; Veranstaltungsankündigungen: Veranstalter;

Zwischen Asphalt und Acker – Urban Garden Walk München als transdisziplinäre Lernwerkstatt

Bericht von Thorsten Philipp und Robert Jende

Am 14. Juli 2025 machen sich zwölf Neugierige aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Gärten auf, die Stadtteile Milbertshofen und Schwabing West als Freiluftseminarraum zu erkunden. Der Urban Garden Walk, organisiert und durchgeführt von Ruth Mahla, die das Netzwerk Urbane Gärten München koordiniert, ist Teil der Reihe „Die Stadt als Labor“, die TU Berlin und anstiftung für die AG Transdisziplinäre Didaktik der Gesellschaft für Transdisziplinäre und Partizipative Forschung gemeinsam kuratieren. Ihr zentrales Anliegen: Universitäten dazu einzuladen, Do-it-yourself-Kulturen als Orte transdisziplinärer Wissensproduktion und als Erprobungsräume für eine sozial-ökologische Transformation zu erschließen und in akademischer Lehre zu verankern

Versuch und Irrtum

Ritzengarten
(Ritzengarten ©Thorsten Philipp)

Erste Station: Ritzengarten

Angelika Mocciaro empfängt die Gruppe im schmalen Hinterhof des Kulturhauses Milbertshofen. „Ich bedanke mich für das Interesse, das Sie diesem Verhau entgegenbringen“, sagt sie lächelnd und zeigt auf einheimische Wildpflanzen, wie Steinnelke, Natternkopf, Wegwarte und Johanniskraut, die zwischen Asphaltfugen sprießen. Hier verbindet sich Retentionsfläche für Starkregen mit einem lebenden Lehrbuch zu Hitzeresilienz. „Ich arbeite nach Versuch und Irrtum“, ergänzt Mocciaro und macht deutlich, dass Stadtökologie ein permanentes Aushandeln zwischen Boden und Nutzungsinteressen der Nachbarschaft ist. Der Ritzengarten versucht Verständnis für die Schönheit von „Unkraut“ zu schaffen und blühende Kräuter und wilde Pflanzen als Alternativen zu aufgeräumten Vor- und Steingärten zu bewerben. Scheinbar chaotische Beete illustrieren, dass experimentelles Handeln nicht scheitert, wenn etwas misslingt – Scheitern liefert vielmehr Wissen über klimatisch immer stärker bedrängte Bodenflächen und oft übersehene kleinste Naturbrachen.

Nachbarschaft und Lernraum

(Generationengarten ©Robert Jende)

Zweite Station: Generationengarten am Petuelpark.

Ein kurzer Fußweg führt zum Generationengarten, der auf symbolisch verpachteten Parzellen seit zwanzig Jahren Nachbar*innen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt. Milbertshofen gilt mit einer Migrationsquote von 67 Prozent als sozial divers, zugleich von Armut betroffen. Die Mitglieder des Gartens berichten von alltäglichen Erfolgen – und vom gelegentlichen Dissens um Schneckenbekämpfung und andere Fragen des Anbaus. Gärtnerische Praxis wird hier zur Schule für partizipative Stadtteilgestaltung. Veranstaltungen werden von den Nachbarinnen hauptsächlich selbst organisiert. Sie werden hier nicht bespielt, sondern treffen sich, um selbst zu spielen. So wurden wir auch Zeuge einer Gruppe, die an der Tischharfe ein Lied für uns spielte.

Baugrube, Biergarten und Biodiversitätslabor

(Kosmos unter Null ©Robert Jende)

Dritte Station: Kosmos unter Null

Den Gemeinschaftsgarten in einer zwei Jahre befristeten Zwischennutzung einer Baugrube im Bayernpark hat Florian Schönhofer, der auch das Café Kosmos am Hauptbahnhof in München betreibt, initiiert. Die Nachbarschaft ist eingeladen, rund um den tiefergelegten Biergarten Gemüse und andere Pflanzen in Hochbeeten anzubauen. Julia Gamberini von den BioDivHubs und David Schoo, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Urbane Produktive Ökosysteme der TU München, führen über das Gelände. Ein Team von Wissenschaftler*innen untersucht, wie autochthone, d.h. heimische Sorten in extrem nährstoffarmen Böden gedeihen und welche Biodiversitäts-gewinne sich in temporären Zwischennutzungen erzielen lassen. Liegestühle, Kräuterhänge und freilaufende Hühner ergeben eine räumliche Collage, die Forschung, Freizeit und Nachbarschaft verschränkt.


Gemüseanbau und Umweltbildung

Letzte Station: StadtAcker

Zum Abschluss führt Alicia Bilang durch den StadtAcker am Ackermannbogen und serviert selbstgemachte Kräuter- und Rosenlimonande.

Der Garten war lange in Planung als Nachbarschaftsgarten des dort neu entstehenden genossenschaftlichen Wohnquartiers und konnte dann nach Jahren endlich auch verwirklicht werden. Seitdem hat er sich zu einem Zentrum für Bildung für nachhaltige Entwicklung weiterentwickelt: ein weiteres Modellquartier des Projekts BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier. Hier bewirtschaften die Beteiligten – hauptsächlich aus der Nachbarschaft – keine Einzelparzellen. Vielmehr wird die Fläche gemeinschaftlich bewirtschaftet; die Ernte wird geteilt. Umweltpädagogische Angebote zu Kompostierung, Saatgutkunde und Ernährung sprechen Kinder ebenso an wie Senior*innen und alle dazwischen.

Ruth Mahla vom Netzwerk Urbane Gärten München erinnert daran, dass ehrenamtliche Strukturen ohne kommunale Regelförderung kaum tragfähig bleiben.

Geteilte Verantwortung reduziert Zugangshürden und erweitert Lerngelegenheiten, verlangt aber verlässliche öffentliche Investitionen für Bildungsarbeit.

(StadtAcker ©Thorsten Philipp)

Begeisterung und Baustellen

In der Summe zeigen die Eindrücke des Urban Garden Walks durch Milbertshofen und Schwabing West, dass Gärten wissenschaftliche, handwerkliche und alltagspraktische Wissensformen zusammenführen. Er zeigt auch: Das Engagement darf nicht auf Selbstausbeutung beruhen.

Gemeinschaftsgärten wirken als Keimzellen einer klimafitten Stadt. Gleichzeitig werden Grenzen sichtbar: von Rechtsunsicherheiten bei Zwischennutzungen, bis zum Risiko, dass ehrenamtliche Energien versiegen. Die Münchner Etappe der Reihe „Die Stadt als Labor“ macht deutlich, wie produktiv der Dialog zwischen Universität und Do-it-yourself-Kulturen sein kann. Gemeinschaftsgärten sind keine bloße Idylle, sondern schon längst Lernorte, in denen Nachhaltigkeits- und Transformationswissen greifbar werden. Wer urbane Transformation, Nachbarschaftskulturen und Klimaresilienz erforschen will, sollte Gießkanne und Spaten in den Werkzeugkasten urbaner Feldforschung einpacken – und zugleich Strukturen unterstützen, die diese Lernorte dauerhaft tragen.

…und eine Stärkung zum Abschluss .. © Ruth Mahla

Fotos: Thorsten Phillipp, Robert Jende, Ruth Mahla

Frühblüher – Pflanzaktionen in den urbanen Gärten

Logo BioDivHubs

Diesen November fanden mehrere Workshops und Pflanzaktionen von Frühlings-Geophyten in urbanen Gärten in München und Haar statt. Pünktlich zum ersten Frost sind nun die Zwiebeln und Rhizome unter die Erde gekommen und wir freuen uns jetzt schon auf die erste Blütenpracht im nächsten Frühjahr im Generationengarten im Petuelpark, im Garten der Vielfalt der IG-Feuerwache, im Freiluftgarten Freiham und im Gemeinschaftsgarten „Haar zum Anbeißen“.

Im Rahmen des Gartenpädagogik-Workshops werden wir auch im Stadtacker am Ackermannbogen noch einen Pflanzworkshop anleiten. Es sind noch Plätze frei: Bitte jetzt unter info@urbane-gaerten-muenchen.de anmelden.

Durch den“BioDivHubs-UGM-Link“ hat das BioDivHubs-Projekt in Zusammenarbeit mit Urbane Gärten München auch die Möglichkeit, außerhalb der 4 Modellquartiere und den 15 Studiengärten der TUM, in den nicht direkt am BioDivHubs-Projekt beteiligten urbanen Gärten – Maßnahmen durchzuführen, die die Biologische Vielfalt unterstützen. So konnten wir dieses Jahr alle zusammen auch schon im neuen Gemeinschaftsgarten Kosmos unter Null viele Wildstauden pflanzen und mehrere Gartenprojekte, die mehr für Biodiversität in den Gärten und in ihren Quartieren tun wollen, beraten. Wer nächstes Jahr Workshops für mehr Biodiversität in einem urbanen Garten kostenlos buchen möchte, meldet sich bitte bei: info@urbane-gaerten-muenchen.de

Um euch zu inspirieren, selbst kleine Pflanz-Workshops in euren Gärten durchzuführen, haben wir für euch bunte Pflanzkarten mit einigen insektenfreundlichen Wildarten angefertigt. Bitte bedenkt beim Kauf nächstes Jahr, schon früh zu bestellen. Es ist wichtig, Wildarten oder ihre Varietäten, möglichst in Bioqualität zu kaufen. Damit unterstützt ihr nachhaltige Biogärtnerein und schließt aus, dass der Pollen, die erste Nahrung für viele einheimische Bestäuber, darunter auch seltene Wildbienenarten, durch systemische Ackergifte kontaminiert ist.

Diese Qualitätszwiebeln sind meist schon im Sommer ausverkauft. Vorallem die gebietseigenen Wildarten sind in den bayerischen Biogärtnereien oft nicht mehr zu bekommen, wenn man zu spät bestellt.

Wer sich genauer über die Frühlingsgeophyten und die Pflanzaktionen im ÖBZ informieren möchte, kann dazu die Artikel auf unseren Websites lesen : Infos zu den Frühlingsgeophyten hier, Pflanzaktion „Gemeinsames Pflanzen für mehr Artenvielfalt“ im Ökologischem Bildungszentrum (ÖBZ): hier. Umfassende Informationen über noch viel mehr insektenfreundliche Frühblüher findet ihr auf NaturaDB.


Bilder: Lukas Gschnitzner, Ruth Mahla; Text und Grafik: Ruth Mahla