Archiv der Kategorie: Boden, Erde, Humus

Die erste Saatgutbibliothek in München!

Gibt es ab 22. März 2022 in der Stadtbibliothek Giesing

Urbane Gärtner*innen und solche, die es werden möchten, können sich jetzt freuen. Dank des großen (Nachhaltigkeits-)Engagements der Giesinger Stadtbibliothek wird dort am 22. März die erste Saatgutbibliothek Münchens eröffnet. Damit trägt die Stadtbibliothek der Tradition des Vermehrens, Weitergebens und Tauschens von Kulturpflanzen Rechnung, die leider seit einigen Jahrzehnten durch die industrialisierte Landwirtschaft gefährdet ist.

Weitergeben von Saatgut ist eine wichtige Kulturleistung

Vielfältige Pflanzenarten wurden lange Zeit lokal und kleinteilig angebaut und gezüchtet. Nach der Ernte wird das gewonnene Saatgut mit ins neue Jahr genommen, erneut gesät und zu geerntet. In diesem Kreislauf entwickelten die Kulturpflanzen über einen langen Zeitraum Eigenschaften, mit denen sie sich optimal an ihre Umgebung anpassen konnten. So entstand eine sehr große Sortenvielfalt. Dieses (samenfeste) Saatgut ist nicht patentiert und dadurch für alle zugänglich.

„Wer die Saat hat, hat das Sagen“

Sowohl die Vielfalt als auch der Zugang sind seit dem letzten Jahrhundert stark gefährdet. In der industrialisierten Landwirtschaft kommen oftmals kommerzielle und patentierte Hybridsorten zum Einsatz, deren Wachstum durch Gleichförmitgkeit und Einheitlichkeit gekennzeichnet ist. Dieses Saatgut muss allerdings von den Bäuerinnen und Bauern jedes Jahr neu gekauft werden, der Anbau ist oftmals auf den Einsatz von Pestiziden abgestimmt.

Die Saatgutbibliothek der Münchner Stadtbibliothek in Giesing möchte den Gedanken der Vermehrung, Weitergabe und des Tausches aufgreifen und zu neuem Leben erwecken. Mit der Saatgutbibliothek entsteht ein nachhaltiger Kreislauf, der auch die Artenvielfalt aufrechterhält.

Saatgutauswahl speziell für urbane Gärten, Balkons und Terrassen

Das Saatgut – Tomate, Erbse, Salat, die alte Kulturpflanze Melde und verschiedene Bohnensorten – wurde speziell für den urbanen Anbau auf kleinen Flächen und Balkonen oder Terrassen ausgewählt. Zudem können Freiflächen, die in den letzten Jahren brach lagen, damit begrünt werden.

Zum Frühlingsanfang, ab dem 22. März, können die Interessierten in der Stadtbibliothek Giesing kostenlos Tütchen mit sortenreinem Saatgut für ihren Balkon oder Garten mitnehmen. Hierfür muss man kein aktives Mitglied der Stadtbibliothek sein.

Per Newsletter (www.muenchner-stadtbibliothek.de/newsletter) begleitet und berät das Team der Saatgutbibliothek von der Aussaat bis zur Ernte, gibt Tipps, wie der Anbau optimal gelingt und informiert über den eigenen Anbau in den Hochbeeten der Stadtbibliothek Giesing. Über die gesammelten Erfahrungen der Teilnehmenden wird im Blog der Münchner Stadtbibliothek berichtet.

Die Saatgutbibliothek der Stadtbibliothek Giesing auf einen Blick:

  1. Samentütchen mit Salat, Tomaten, Melde, Erbsen und verschiedenen Bohnensorten abholen
  2. Samen aussäen
  3. Ernten
  4. Gewonnenes Saatgut in die Bibliothek zurückbringen

Ein vielfältiges Veranstaltungsangebot sowie Workshops und Ausstellungen begleiten dieses Pilotprojekt bis zum Abschluss mit dem Gartenfest als Dankeschön am 24. September (vormerken!).

Veranstaltungsprogramm:

1. bis 30. April 2022
Boden, Regenwurm & Co – Eine Ausstellung zum Thema Boden
Ausstellung in der Stadtbibliothek Giesing

1. April, 18 bis 19 Uhr
Tomate, Salat, Melde & Co. – Wie gelingt die Aussaat?
Annette Holländer (Garten des Lebens) beantwortet in der Stadtbibliothek Giesing Fragen rund um die Aussaat

27. April, 18 bis 19 Uhr
Bohnen, Bohnen, Bohnen… – alles rund um Bohnen und andere Hülsenfrüchte
Annette Holländer stellt einige dieser vielfältigen Eiweißlieferanten vor und gibt Tipps zu Anbau, Pflege und Saatgutgewinnung in der Stadtbibliothek Giesing

7. Oktober, 18 bis 19 Uhr
Herbstzeit – Hochbeetzeit – Anlage, Aufbau und Bepflanzung eines Hochbeets
Annette Holländer informiert über die Hochbeetplanung in einem Workshop in der Stadtbibliothek Giesing

Anmeldung jeweils über stb.giesing.kult(at)muenchen.de oder telefonisch unter 089 189 31 29 18

Besuch im Lesegarten

Neben dem Besuch der Saatgutbibliothek in der Stadtbibliothek Giesing empfiehlt sich auch der Besuch des Lesegartens, der nicht nur zum Lesen und Entspannen einlädt, sondern auch mit seinem Hochbeet urbane Gärtner*innen lockt.

Kooperationspartner:

Weitere Informationen auf dem Flyer der Stadtbibliothek Giesing.

Regenwurm – unscheinbarer Held des Bodens

Seit 2005 gibt es jedes Jahr am 15. Februar den internationalen Tag zu Ehren des Regenwurms.

Die im Erdboden lebenden Würmer besetzen für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit eine Schlüsselposition und sind als Indikator für gesunden, lebendigen Boden von zentraler Bedeutung. Sie gelten als wichtiges Schlüsselelement bei der Erzeugung von Dauerhumus. Weltweit gibt es circa 7000 beschriebene Arten, 1600 davon sind genauer bekannt. 400 Arten leben in Europa, 39 davon allein in Deutschland.

Warum ist der Regenwurm so wichtig?

(Urbane) Gärtner*innen, Land- und Forstwirt*innen tun gut daran, den Regenwurm als Freund und Mitgärtner zu betrachten und angesichts der fantastischen Gratisleistungen, einen möglichst hohen Besatz im Boden anzustreben. In gesunden, humusreichen Böden können mehr als 600 Regenwürmer pro Quadratmeter vorkommen, die jährlich bis zu 80 Tonnen Krümel und Humus (die sog. Ton-Humus-Komplexe) bilden. Einige Regenwürmer ziehen organisches Material, wie z. B. Blätter nachts in ihre Röhren, wo es weiter zersetzt und gefressen wird. So ist er ein fleißiger und dabei auch kostenloser Helfer, der gerne viele Meter Röhren auch für eine schnelle und tiefe Durchwurzelung des Bodens durch die Pflanzen gräbt. Er lockert und durchmischt dabei den Boden, das fördert die Durchlüftung sowie die Wasseraufnahme. Sein Kot ist dabei ein hervorragender Dünger, der die Bodenbiologie positiv beeinflusst und auch für den Aufbau von Dauerhumus große Bedeutung hat. Er enthält viel pflanzenverfügbaren Stickstoff, Phosphor, Kalium, und viele weiter wertvolle Nährelemente.

Auch der Waldboden braucht den Regenwurm

In den letzten Jahrzehnten haben enorme Stoffeinträge (Versauerung, Stickstoffeinträge) den Waldboden stark verändert. So hat sich vor allem in nadelholzreichen Wäldern die Bodendiversität, d.h. die Artenvielfalt im Waldboden und im oberirdischen Teil des Waldes spürbar verschlechtert. Dennoch leben auf einem Quadratmeter Waldboden circa 120 Regenwürmer und übernehmen wichtige Funktionen. Sie sind die Tierart, die nahezu die gesamten Probleme auf einmal beheben können. Sie sind unter anderem verantwortlich für Streuabbau, Humusbildung und durch Ab- und Umbauprozesse die Nachlieferung von Nährstoffen für die Baumwurzeln. In die Röhren der Regenwürmer wachsen gerne Baumwurzeln, die auf diese Weise in tiefere Bodenschichten vordringen können. Auch die speicherbare Wassermenge wird somit für die Wurzeln erhöht und trägt mit dazu bei, Trockenperioden sowie Extremereignisse in der Natur besser abzupuffern.

Regenwürmer sind wahre Multitalente und nehmen uns nicht nur z.B. bei der Bodenbearbeitung viel Arbeit abnehmen, sondern sorgen auch für ein ungestörtes, gesundes Pflanzenwachstum. Deshalb sollten (nicht nur) urbane Gärtner*innen den Regenwürmern dankbar sein, sie schützen und ihnen ein gutes Zuhause im Garten geben.

(Meldung: Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V. – gekürzt
Foto: (c) Franz Rösl, IG gesunder Boden/der unscheinbare Held des Bodens)

Tag des Bodens: Seminar zur Bodenpflege im Klimawandel

am Freitag, den 3. Dezember 2021 von 10:30 bis ca. 14:30 Uhr

Der Boden wird vom Klimawandel beeinflusst. Starkregenereignisse, Hitze- und Trockenperioden verändern die Struktur des Bodens, aber auch das Bodenleben. Was können (urbane) Gärtner*innen tun, um den Einfluss des Klimawandels für die Entwicklung eines fruchtbaren Bodens zu nutzen? Was sollte geändert und umgestellt werden in der Bodenpflege? Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) gibt in einem online-Seminar zum Tag des Bodens Tipps und Hinweise zur zeitgemäßen Bodenpflege.

Das Seminar richtet sich an alle interessierten Gartenbegeisterte.

  • Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich
  • Anmeldeschluss ist der 1. Dezember 2021
  • Die Teilnahme am Seminar ist nur nach Bestätigung durch die Bayerische Gartenakademie möglich
  • Sie erhalten einen Teilnahmelink per E-mail
  • Kosten 10 € (gegen Rechnung)
  • Veranstalterin: Bayerische Gartenakademie
  • Veranstaltungsort: Internetkonferenz mit Webex
  • Ansprechpartnerin: Bayerische Gartenakademie
  • E-Mail: bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Programm

  • 10:30 Uhr Eröffnung , Begrüßung
  • 10:35 Uhr So ändert sich das Klima in unseren Gärten (Marianne Scheu-Helgert, Bayerische Gartenakademie)
  • 10:50 Uhr Die richtige Bodenpflege für den Garten im Klimawandel (Tino Hedrich, LWG)
  • 11:30 Uhr Drehscheibe des Gartenlebens: Lebensquell Laubschicht – die natürlichste aller Mulchschichten nicht aus dem Garten verbannen (Dr. Beate Wende, LWG)
  • 12:10 Uhr MIttagspause
  • 13:00 Uhr Grüneinsaaten für fruchtbare Böden (Silke Knopp, Bayerische Gartenakademie)
  • 13:20 Uhr Mulchen heißt das neue Zauberwort (Anna Molitor, LWG)
  • 13:50 Uhr Substrate klimafreundlich, torffrei – auch in Balkonkästen und Kübeln (Thomas Schneider, LWG)

Ausführliches Programm und weitere Informationen auf der Website der LWG.

Foto (c) Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

Humuswoche Oberland 2021

Der Boden bzw. Humus ist die Grundlage allen Lebens. Deshalb rückt er immer mehr in den Fokus nicht nur von (urbanen) Gärtner*innen. Im Sommer 2021 findet im bayerischen Oberland erstmals die Aktionswoche “Boden gut — Zukunft gut” statt. Mit dieser Festwoche vom 28.8. bis 4.9.2021 und einer großen Auftaktveranstaltung am 28. August soll gemeinsam der Boden für ein fruchtbares Miteinander bereitet werden.

Für Groß und Klein, Gärtner*innen, Bäuer*innen, Fachleute und Interessierte wird es Angebote zum mitmachen und zuhören, zum diskutieren und schmecken und noch vieles mehr geben. Das Themenspektrum reicht vom einfachen Hochbeet bis zur regenerativen Landwirtschaft, von Slowfood bis zum Phänologischen Garten, von Bodenlebewesen bis zum Klimaschutz.

Für urbane Gärtner*innen besonders spannend sind beispielsweise Führungen zu verschiedenen Sonnenäckern im Oberland, ein Besuch der Solidarischen Gärtnerei Biotop Oberland e.G und Workshops zum Bau von Hochbeeten und zur Bodengesundheit im Selbstversorgergarten.

Das umfangreiche Programm verspricht lohnenswerte Ausflüge ins Oberland. Programm und Informationen gibt auf der Website der Veranstalter.

Blumenwiese vor Bretterwand

Ein ERDFEST feiern: „Dem Lebendigen Lebendigkeit zurück schenken“

Seit 2018 wird im Juni das ERDFEST an vielen Orten gefeiert. Interessierte können sich der Initiative anschließen und ihr eigenes Erdfest feiern. Im urbanen Garten, auf dem Balkon oder im Park.

Vom 18 bis 20. Juni 2021 finden wieder Erdfeste statt. Zeit genug, um noch das eigene Erdfest vorzubereiten und gemeinsam zu feiern.

Die Initiative zum ERDFEST ging von der Nachhaltigkeitsforscherin Hildegard Kurt und dem Biologen und Philosophen Andreas aus. Erdfeste sollen Erfahrungsräume schaffen, in denen Umdenken zu einer gesellschaftlich wirksamen Kraft werden kann. So eröffnet »ERDFEST« den Raum für eine neue kulturelle Allmende, ein Gemeingut für nachhaltige Entwicklung und den Schutz biologischer Vielfalt, das von immer mehr engagierten Menschen lebendig gestaltet wird. 2019 wurde ERDFEST als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt im Sonderwettbewerb »Soziale Natur – Natur für alle« ausgezeichnet.

In diesem Juni finden auch unter den Vorzeichen von Corona wieder Erdfeste statt – jenseits des Zwangs zum Publikumsevent.

„Erdfeste brauchen keine im Voraus organisierte Veranstaltung zu sein. Sie schöpfen ihre Kraft ganz aus der jeweiligen Gegenwart eines bewussten In-Beziehung-Tretens mit dem Lebendigen und mit dem, was die Welt lebendig hält. Mit denkbar geringem Aufwand erkunden Erdfeste in schönster, den Menschen überschreitender Ko-Kreativität das Mitsein als neues In-der-Welt-Sein – und vermitteln spürbar die Freude hieran“, so Hildegard Kurt und Andreas Weber.

Selbst ein Erdfest feiern – wie geht das?

  • Ob eigener Balkon oder (urbaner) Garten, Wald, Feld, Brache oder Park: Jeder Ort draußen, in Zuwendung aufgesucht, ist ein passender Ort.
  • Gemeinsam innehalten, um unser Sein zu spüren – mit den Menschen aus dem nächsten Umkreis, Familie, Freund*innen und Bekannten. Wir mögen pandemiebedingt den gebotenen Abstand zueinander halten: Das lebendige Sein, das wir mit allen Wesen teilen, kann auch bei körperlicher Distanz tief und beglückend wahrnehmbar werden.
  • Kleine, bewusst gesetzte Gesten, Singen, Klänge, ein Tanz, Stille, achtsames Verweilen … Dem Lebendigen Lebendigkeit zurückschenken können wir auf vielfältigste Weisen. Einen Baum, eine Wiese, einen Bach oder auch eine Industriebrache fragen: Was erfahre ich von dir? Und anschließend miteinander teilen, was dabei geschehen ist … Auch das ein Erdfest vom feinsten!
  • Das eigene Erdfest vorab auf der Webplattform erdfest.org kommunizieren und damit auch andere zum Dabeisein inspirieren.

Zur Mitwirkung eingeladen sind Organisationen jedweder Art wie auch Einzelpersonen, die Wege hin zu einer lebensfördernden Gesellschaft suchen und ebnen. Indem die Erdfeste in all ihrer Vielfalt zeitlich auf drei Tage gebündelt sind und auf der Webplattform erdfest.org publik gemacht werden, entsteht eine Wahrnehmbarkeit, die vereinzelt nicht möglich wäre. Dies stärkt auch die politische Wirksamkeit.

Informationen für am Mitwirken Interessierte: www.erdfest.org/de/mitwirken