„Der Klimawandel ist weltweit und auch in München spürbar. In der Landeshauptstadt findet er sogar schneller statt als im globalen Mittel. Im Vergleich zum vorindustriellen Niveau ist die Jahresmitteltemperatur in München um über 2 °C gestiegen, global um etwa 1,1 °C„….
so zitierte ich Christine Kugler, (noch) Referentin für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München im Thema des Monats April 25 , das sich mit dem urbanen Gärtnern in Zeiten des Klimawandels auseinandersetzte. Der Sommer 2026 zeigt uns nun auf dramatische Art und Weise: Die Klimaveränderungen finden in Bayern und der Landeshauptstadt München schneller und wesentlich heftiger als erwartet statt: Laut Deutschen Wetterdienst (DWD) wurden 2026 bayernweit die langjährigen Mitteltemperaturen in den drei Sommermonaten, (wie zuletzt 2003) um 4,2 Grad übertroffen. Landesweit wurden im Mittel 28 heiße Tage mit Temperaturen von 30 und mehr Grad gezählt und die Zahl der sehr heißen Tage mit 35 und mehr Grad betrug landesweit durchschnittlich etwa sieben Tage. Hinsichtlich der ausbleibenden Niederschläge war der Sommer noch extremer: Mit durchschnittlich 207 Litern Regen pro Quadratmeter verzeichnet der Freistaat im Juni, Juli und August 2026 lediglich zwei Drittel seines Klimasolls von 314 Litern pro Quadratmeter in diesem Zeitraum. (Quelle: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2026/20260831_deutschlandwetter_sommer_news.html)
Wir können nur hoffen, dass sich diese Entwicklung so nicht fortsetzt, sondern als Folge des gerade stattfindenden historisch starken El-Ninos als Peak zu verstehen ist, vergleichbar mit dem historischen Hitzesommer 2003. Aber auch, wenn die folgenden Jahre wieder etwas kühler und feuchter werden, müssen wir uns auf ein dauerhaft trocken-heißeres Klima im Sommer und mildere Winter vorbereiten und auf in kürzeren Intervallen wiederkehrenden Extremwetterlagen.
Zusammengefasst:
- Niederschlagsabnahme und erhöhtes Trockenheitsrisiko im Frühjahr
- Kontinuierliche Erwärmung mit erhöhter Hitzebelastung im Sommer
- Mehr Sommer- und Hitzetage, anhaltende Hitzeperioden im Sommer
- Lange Trockenperioden unterbrochen von heftigen Starkregenereignissen im Sommer
- Milderes Herbst- und Winterklima mit weniger Frosttagen
Eure Strategien der Klimaanpassung
Beim Netzwerktreffen im Mai 25 haben die urbanen Gartenaktiven aus München und Umgebung ihre Strategien gegen Hitze und Trockenheit und ihre Anpassung an die sich wandelnde phänologische Uhr (durch frühere Aussaaten) ausgetauscht. Unser Fazit war – biologische Bodenpflege Humusaufbau, Kompostwirtschaft und Bodenbedeckung sind die wichtigsten Parameter, um die Wasserverluste durch Boden-Verdunstung zu minimieren. Alte Sorten, mehrjährige Gemüsearten und samenfestes Biosaatgut, das zum tiefen Wurzeln erzogen werden kann, garantieren eine gute und gesunde Gemüseernte. Durchdachte Fruchtfolgen und eine vielfältige Mischkultur mit heimischen Wildkräutern unterstützten auch die Insektenwelt und die Bodenfauna. So werden die Anbauflächen lebendig erhalten und die Wasserspeicher- und Pufferkapazität des Bodens gestärkt.
Auch über Schattenbeete, ressourcenschonende Gießtechniken und Regenwasserbewirtschaftung haben wir gesprochen – aber 2025 hatten wir nur unsere Gemüsekulturen im Auge. Wir dachten noch nicht darüber nach, wie wir mit vertrocknenden Gehölzen und Blätter abwerfenden Bäumen umgehen sollen. Und auch Wasserrationierungen waren noch kein Thema für uns.
Netzwerktreffen der Urbanen Gärten München am 23. Oktober 2026 ab 18 Uhr im ÖBZ
Deswegen wollen wir in unserem diesjährigen Herbst-Netzwerktreffen nochmal dieses Thema diskutieren und verschiedene Stimmen dazu hören. Wir haben u.a. die Biobauern Hubert- und Elisabeth Birkmeir eingeladen, die uns (online zugeschaltet) schildern werden, wie sie diesen Sommer erlebt haben und eure Fragen beantworten.
Ein weiteres wichtiges Thema werden die Erfahrungen aus dem BioDivHubs-Projekt sein. Was kann das Gärtnern mit Wildpflanzen beitragen und wie gelingt es uns, unsere Gärten durch eine Weiterentwicklung zum Naturgarten ökologischer und klimaresilienter zu gestalten?
Die meisten urbanen Gärten und engagierten Gartenprojekte kamen dieses Jahr noch einigermaßen gut zurecht – mussten zwar oftmals Schäden bei den Beerensträuchern hinnehmen, konnten sich aber über üppigste Paprika- und Melonenkulturen freuen. Aber einige Gärten, vorallem solche mit weniger mächtigen Bodensubstrat und Hochbeete-Gärten kamen mit dem Gießen nicht mehr nach und sahen ihren Kulturen beim Vertrocknen zu. Und in den meisten Gärten stellte sich die Frage – was tun mit den Bäumen? Können wir die benötigten Wassermengen überhaupt beschaffen? Wie können die Bäume bewässert werden ohne Schaden zu nehmen, wie zum Beispiel durch am Stamm anliegende Bewässerungssäcke?
Deswegen – bitte kommt zahlreich und tauscht euch über dieses wichtige Thema aus – wir werden in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr lernen und uns weiterentwickeln müssen, um die urbanen Gärten als lebendige und naturnahe Wohlfühloasen in der Stadt erhalten zu können. Es ist leider keine ferne Dystopie mehr: Wir werden uns auf weitere Wasserrationierungen einstellen müssen und lernen, damit umzugehen.
Eine neue Idee vorab:
Neue Lösungsansätze des Thüneninstituts bei durch schwere Maschinen verdichteten landwirtschaftlichen Böden:
„Am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz zeigen Versuche, dass sich künstlich gestochene, vertikale Gänge nach dem Vorbild von Regenwurmgängen nicht nur positiv auf die Durchwurzelung und die Bodengesundheit auswirken. Auch die Erntemenge hat sich deutlich erhöht.“ Quelle: https://www.thuenen.de/de/newsroom/detail/kuenstliche-regenwurmgaenge-sorgen-fuer-hoehere-getreideernte
In vielen urbanen Gärten haben sich durch eifriges, aber leider falsches Gießen mit einem starken Wasserstrahl aus Hüfthöhe, sowie durch Betreten der Beete oder der Wege zwischen den Beeten in der diesjährigen Trockenheit die Böden stark verdichtet und ihre lockere Krümelstruktur verloren. Natürlich sind unsere Gartensubstrate, die oft nur 30 – 50 cm tief reichen nicht mit gewachsenen landwirtschaftlichen Böden gleichzusetzen – und es kommt uns urbanen Gärtner*innen auch nicht wesentlich auf Ertragssteigerungen an. Trotzdem halte ich es für eine sehr gute Idee, in verdichteten Gartenböden vereinzelt vertikale Gänge zu pieksen, um den Regenwürmern und Wurzeln ihre Arbeit zu erleichtern. Wir wissen ja, dass die Regenwürmer, während sie sich durch den Boden graben, wertvolles „Gärtnergold“ (die fruchtbaren Ton-Humus-Komlexe) ausscheiden, die Gänge damit stabilisieren und wertvolle Nährstoffe für das Pflanzenwachstum deponieren. Die Pflanzenwurzeln können so gut versorgt tief in den Boden vorstoßen, auch wenn er nicht optimal locker und belüftet ist.
Urbangärtnerische Ratgeber und Tipps:
Ratgeber des MünchnerUmweltinstituts: „Dein Klima Garten – Klima in der Krise – Gärten im Wandel“
Der Ratgeber gibt Antworten auf Fragen wie:
• Wie wird mein Garten fit für Trockenperioden?
• Welche Pflanzen trotzen Hitze und anderen Witterungsextremen besonders gut?
• Und wie kann ich den Boden so pflegen, dass es nicht nur dem Gemüse guttut, sondern auch dem Klima nützt?“ Weitere Infos und zum Ratgeber
Die Infoschrift „Der Garten im Klimawandel“ der Bayerischen Landesanstalt für
Weinbau und Gartenbau zum Ausdrucken.
Allgemeine Tipps für länger dauernde Perioden mit ausgeprägter Sommertrockenheit
- Gute Bodenpflege sorgt für gesunde und lebendige Böden mit ausgeprägter Krümelstruktur. Je tiefgründiger die Böden und je höher der organische Anteil und die Lebendverbauung in einem Gartenboden, desto besser ist auch die Wasserspeicherung im Porenraum.
- Der organische Anteil im Gartenboden kann mit verschiedenen Methoden, die man auch kombinieren sollte, erhöht werden: Mulch – Flächenmulch – Kompost – Gründüngung – ausgewogene Mischkulturen und angepasste Fruchtfolge mit dauernder Bodenbedeckung – Wurzeln stehen lassen – Beikräuter dulden, wo möglich.
- So wenig Bodenbearbeitung wie möglich – Umgraben nur bei schweren und problematischen Böden, sonst nur lockern und das stabilisierte Gefüge mit den Kriech- und Wurzelgängen wenig stören
- Mehr hacken – weniger gießen: Wenn die wasserführenden Bodenkapillaren durch das Hacken unterbrochen werden, verdunstet weniger Wasser aus dem Boden.
- Verdichtungen (Betreten) vermeiden, dort wird viel weniger Wasser gespeichert
- Kalkversorgung überprüfen
- Mit frühen Kulturen deren höchster Wasserbedarf im Mai und Juni liegt, kommt man der Trockenperiode zuvor. Dazu gehören Erbsen, Puffbohnen und alle anderen Frühgemüse.
- Früh gesäte Kulturen mit Pfahlwurzel (Pastinaken, Wurzelpetersilie, Rote Bete) wurzeln tief und versorgen sich lange Zeit selbst.
- Für den Staudengarten Arten mit geringem Wasserbedarf im Sommer wählen.
- Rasenflächen, die im Sommer grün bleiben sollen, brauchen viel Wasser. Deswegen Extensivrasen den Vorzug geben, die dann im Sommer braun werden dürfen – oder noch besser: biodiverse Blühwiesen anlegen.
- Standortangepasste Pflanzen aus ökologischem Anbau sind an Boden und vorherrschende Klimaverhältnisse vor Ort optimal angepasst und deshalb widerstandsfähig. Sie brauchen weniger Pflege und Wasser.
Tipps bei häufigen Starkregenereignissen
- Alle oben genannten Bodepflege-Maßnahmen wirken auch gegen Erosion. Der Boden sollte als unser wichtigster Wasserspeicher erhalten werden – und das kann er nur leisten, wenn seine Krümelstrukur mit der riesigen inneren Oberfläche erhalten bleibt.
- Zisternen, Regentonnen und wasserspeichernde Senken oder Miniteiche speichern überschüssiges Wasser für Trockenzeiten. Sie helfen auch bei der Entlastung unserer Abwassersysteme und unserer Gewässer. Sickerbeete können zudem große Hitze abmildern, denn sie produzieren Kühle durch Verdunstung.
- Eine (leichte!) Umformung des Bodenreliefs zur Lenkung des Niederschlagswassers, z.B. etwas vertiefte Baumscheiben oder Sammel-Rinnen auf Hügelbeeten hält das Wasser besser auf der Fläche. Der Starkregen schwemmt ungeschützte Flanken von Dämmen oder Wällen leicht weg, die oberste fruchtbare Bodenkrume wird mit dem Wasser auf die Wege gespült und geht verloren, wenn die Wege kein Wasser aufnehmen können. Versiegelte Wege zwischen hügeligen Beeten sollten deswegen tabu sein. Dazu zählt auch Rindenmulch oder dicke Schichten an Holzhäcksel. Rasen- oder Erdwege nehmen das abgespülte Wasser besser auf – nichts geht verloren.
Tipps für längere Vegetationsperioden
Der „verlängerte“ Sommer sorgt in Kombination mit der nach den ersten Herbstregen oft erhöhten Bodenfeuchte für einen erhöhten Humusabbau und somit auch zu einer stärkeren Stickstofffreisetzung im Herbst
- Beete sollten mit Gemüsekulturen oder Gründüngung bis weit in den Winter hinein genutzt werden. Sie verbrauchen den aus Humus und aus Wurzelresten freigesetzten Stickstoff.
- Auch hier gilt: es sollte möglichst wenig Bearbeitung erfolgen, um die Bodenstruktur zu erhalten und Nährstoffverluste zu minimieren
- Typische Herbstkulturen werden nicht mehr für die Ernte Anfang Oktober, sondern oft erst zur Ernte im November geplant.
- Im Hoch- und Spätsommer sollten nochmals Blatt-, Kohl- und Wurzelgemüse bis zum Jahresende geplant werden. Dazu gehören Herbstsalate wie Radicchio und Zuckerhut, Chinakohl, Rettiche
- Bei frühen Kälteeinbrüchen und Frostnächten können die Kulturen mit einem Vlies geschützt werden. Das gilt nicht für Tomaten, Kürbis, Zucchini, die sich meist mit Vlies nicht zuverlässig schützen lassen.
- Anstelle des Umgrabens gewinnt die Einsaat von Gründüngung (oder auch überwinternde Gemüse) an Bedeutung.
- Mit den durchschnittlich erhöhten Temperaturen bleibt auch der Boden ganzjährig wärmer – Bodenbearbeitung und damit Bodenbelüftung wirkt im wärmeren Boden stärker als früher in Richtung Humusabbau. Auch deswegen gewinnen die verschiedenen Techniken des Humusaufbaus, v.a. das Mulchen, zunehmend an Bedeutung
Die Schadwirkung von Spätfrösten auf die verfrüht blühende Vegetation bedenken
- Frühe Aussaaten mit Vlies abdecken
- Spät blühende Obstsorten und -Arten bevorzugen
- Wandspaliere können gespeicherte Wärme von Mauern nutzen bzw. als schmale Baumform mit Vliesen nachts gegen leichte Fröste während der Vollblüte und im Jungstadium der Früchte geschützt werden.
- Bei Spätfrösten kein Stroh um die Erdbeeren, da die Strohschicht die Wärmenachlieferung aus dem Boden bremst
Text zusammengestellt von Ruth Mahla



