Nachhaltigkeit: ein historischer Begriff
Den Begriff Nachhaltigkeit gibt es schon seit über 300 Jahren. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verwendete ihn der Forstexperte Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk über die Forstwirtschaft (1713) Sylvicultura oeconomica. Er definierte Nachhaltigkeit so, dass nicht mehr aus der Natur entnommen werden soll, als nachwachsen kann. Historischer Hintergrund waren die verheerenden Schäden und die allgemeine Knappheit von Bau- und Brennholz in Folge der Übernutzung der damals noch vorwiegend natürlichen Wälder. Damals sah man die Nutzung von Kohle als nachhaltige Lösung zur Vermeidung von Ausbeutung der Wälder für Brennholz. Hans Carl von Carlowitz plädierte für eine nachhaltige Forstwirtschaft, die das Nachwachsen von genügend Holz auch für kommende Bedarfe und Generationen garantiert. Damals wurde aber noch nicht ökologisch – systemisch gedacht. Die Auswirkungen der Forstwirtschaft selbst auf Boden und Biodiversität wurde noch nicht hinreichend untersucht.
Nachhaltigkeitsbewußtsein ist aber trotz dieser bekannten, eher anekdotischen Herleitung keine deutsche Erfindung: In antiken philosophischen Schriften wird schon über diese Thematik reflektiert, so z.B. in Ovids Metarmorphosen.
Sehr empfehlenswerte Lektür dazu in „Die Glaubensgemeinschaft der Ökonomen“ von Hans Christoph Binswanger; S33 -73: Der Frevel Erysichthons als Ursprung der ökologischen Krise.
Definition nach Brundtland-Report 1987
Vor wenigen Jahrzehnten wurde der Begriff Nachhaltigkeit auch international durch die Erwähnung im Bericht der Brundtland-Kommission bekannt. Die Vereinten Nationen definierten erstmals langfristige Vorschläge für eine nachhaltige und umweltschonende Entwicklungspolitik.
Im Abschlussbericht von 1987 „Unsere gemeinsame Zukunft“ steht nicht nur das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung, sondern auch die weltweit bekannte Definition dazu:
„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“
Agenda 2030 — Nachhaltigkeitsziele der UN
Die Bedeutung der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Entwicklung gewann seitdem noch mehr an Wichtigkeit. Im Jahr 2015 entstand in der UN-Vollversammlung im Zuge des UN-Nachhaltigkeitsgipfels die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“.
Das Ziel der Agenda ist es, innerhalb von 15 Jahren verschiedenen Maßnahmen umzusetzen, um die Lebensverhältnisse auf dem Planeten zu verbessern. So soll die Erde auch für nachkommenden Generationen geschützt werden.
Dabei wird deutlich, dass die globalen Herausforderungen sich nur meistern lassen, wenn alle Staaten zusammenarbeiten. Die Agenda gilt deshalb sowohl für Entwicklungsländer, als auch für Schwellenländer und Industriestaaten — jedes Land muss einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.
Die Grundlage der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ bilden die drei Eckpfeiler weltweiter Fortschritt (Wirtschaft), soziale Gerechtigkeit (Gesellschaft) und Schutz der Umwelt (Umwelt).
Auf Basis dieser Grundlagen wurden 17 Nachhaltigkeitsziele definiert, die unterschiedliche Probleme der Welt behandeln. Dazu gehören:
- Bekämpfung von Armut und Hunger
- Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
- Maßnahmen zum Klimaschutz
Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)?
„BNE steht für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Entwicklung ist dann nachhaltig, wenn Menschen weltweit, gegenwärtig und in Zukunft, würdig leben und ihre Bedürfnisse und Talente unter Berücksichtigung planetarer Grenzen entfalten können.“
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Zentrales Ziel von BNE: Entwicklung von Gestaltungskompetenz
- Selbstkompetenz: Förderung des kritischen & reflektierten Urteilsvermögens
- Sozialkompetenz: Ermöglichung von Partizipation und Verantwortung
- Methodenkompetenz: z. B. systematisches Denken
- Sachkompetenz: Verständnis der drei Nachhaltigkeitsdimensionen
Historischer Überblick: Von der Umweltbildung zu BNE
- 1992: UNCED (Rio de Janeiro): Agenda 21, Kapitel 36: Bildung als Schlüssel für nachhaltige Entwicklung
- 2002: Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (Johannesburg): BNE als globales Handlungsfeld betont
- 2005 – 2014: UN-Weltdekade BNE (Koordination: UNESCO) – Ziel: BNE in alle Bildungsbereiche integrieren
- 2015: Verabschiedung der SDGs: BNE wird zentraler Bestandteil
Der Zusammenhang zwischen SDGS und BNE
SDGS
- definieren 17 globale Ziele für eine nachhaltige Zukunft,
- geben eine klare Richtung vor
- bieten keinen detaillierten Fahrplan für die praktische Umsetzung
- sind der globale Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung
BNE
- vermittelt die notwendigen Kompetenzen, um die SDGs im Alltag und gesellschaftlichen Kontext aktiv umzusetzen
- fördert kritisches Denken, verantwortungsvolles Handeln und die Fähigkeit, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen
- liefert das Werkzeug, um diesen Weg auch tatsächlich gehen zu können
Zusammenstellung: Ruth Mahla


