Internationaler Tag des Regenwurms am 15.02.2026

Pressemitteilung der Interessengemeinschaft (IG) gesunder Boden e.V.:

„Der Tag des Regenwurms wurde im Jahr 2005 weltweit eingeführt, um auf seine Bedeutung für die Bodengesundheit hinzuweisen. Viele Regenwürmer gelten als Zeichen für gesunde Böden und stabile Ökosysteme. Die unscheinbaren Bodenbewohner gelten seit Langem als Schlüsselorganismen der Bodenfruchtbarkeit. In gesunden, humusreichen Böden können mehr als 600 Tiere pro Quadratmeter leben und jährlich große Mengen an neuen Humus bilden. Dieser Humus steht dann unseren Pflanzen als lebendige Wachstumsgrundlage zur Verfügung. Regenwürmer verbessern die Durchlüftung, die Wasseraufnahme und die Durchwurzelbarkeit des Bodens und ihr nährstoffreicher Kot trägt wesentlich zur Bildung von Dauerhumus bei. Auch im Wald übernehmen Regenwürmer wichtige Funktionen, indem sie Streu abbauen, dadurch Humus bilden und Poren schaffen, die das Eindringen von Baumwurzeln in tiefere Bodenschichten erleichtern. Damit erhöhen sie die Wasserspeicherfähigkeit und unterstützen die Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel.
 
Moderne Landwirtschaft überfordert den Regenwurm
Trotz dieser beeindruckenden Leistungen weist die Interessengemeinschaft gesunder Boden darauf hin, dass der Regenwurm die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft nicht allein bewältigen kann. Immer größere Maschinen, einseitige Fruchtfolgen und der Verlust an Humus setzen Böden zunehmend unter Druck. Verdichtung, geringere Wasserspeicherfähigkeit und ein steigendes Erosionsrisiko sind die Folgen. Zwar beschrieb bereits Charles Darwin die herausragende Rolle der Regenwürmer für die Bodenbildung, doch ihre bloße Anzahl reicht heute nicht aus, um die Qualität eines Bodens zuverlässig zu beurteilen.

Bodengesundheit entsteht durch Vielfalt und Bewirtschaftung
Die Bodenexpertin und Fachbeirätin der IG gesunder Boden e. V., Dr. Andrea Beste, betont, dass auch andere Bodenlebewesen entscheidend zur Bodenstruktur beitragen. Mittelgroße Bodenorganismen, sowie Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze schaffen eine schwammartige Struktur mit mittelgroßen Poren, die für Durchlüftung, Infiltration und Wasserspeicherung unverzichtbar ist. Diese Eigenschaften können die von Regenwürmern erzeugten Grobporen nicht ersetzen. Zudem können Regenwürmer selbst in verdichteten Böden vorkommen, weshalb ihre Anzahl kein verlässlicher Indikator für Bodengesundheit ist. Sie sagt: „Moderne Analysemethoden wie DNA-Screenings liefern zwar umfangreiche Daten, doch für Praktiker bleibt die Spatendiagnose weiterhin das direkteste und aussagekräftigste Werkzeug“.
 
Unbestritten ist, dass nachhaltige, humusaufbauende Bewirtschaftungsformen die Grundlage für gesunde Böden bilden. Maßnahmen wie ausgewogene Fruchtfolgen, organische Düngung, Zwischenfruchtanbau, Mischkulturen oder Agroforstsysteme tragen nachweislich zu einer stabilen Bodenstruktur und einer höheren Klimaresilienz bei. Je nach Standort müssen diese Strategien unterschiedlich gewichtet werden, doch ihr Nutzen ist wissenschaftlich belegt.“
 


Die IG gesunder Boden e. V. engagiert sich seit über zehn Jahren dafür, Wissen aus Forschung und Praxis zusammenzuführen und damit Landwirte bei bodenschonenden Maßnahmen zu unterstützen. Gemeinsam mit dem Regenwurm und dem vielfältigen Bodenleben setzen sie sich auch weiterhin für lebendige, zukunftsfähige Böden ein.


Tauwürmer (Lumbricus terrestris) bei der Paarung

Seit dem 16. Jahrhundert wurden diese Bodentiere als „rege Würmer“ bezeichnet, weil sie sich unermüdlich durch das Erdreich wühlen und dabei fressen. Der Name hat also erstmal nichts mit Regen zu tun. Wir nehmen viele Würmer aber erst bei Regen wahr, weil sie durch die Vibration der Regentropfen aus der Erde an die Oberfläche gelockt werden.

Allein in Deutschland gibt es 40 Regenwurm-Arten. Allen gut bekannt sind die dünneren Kompostwürmer und die großen grau-roten Tauwürmer, die senkrecht in die Erde graben und ihre tiefen Gänge mit ihren fruchtbaren Aussscheidungen stabilisieren – man nennt dies auch „Regenwurmtapeten“. Viele Pflanzen stoßen mit ihren Wurzeln bevorzugt in diese Regenwurm-Gänge vor und sitzen so praktisch am „gedeckten Tisch“.

Wurmlosung

Die Regenwurm-Ausscheidungen bestehen aus fruchtbaren Ton-Humus-Komplexen – beim Fressen von organischen Stoffen, wie z.B. Blattresten nehmen die Würmer auch kleine Mineralkrümelchen des Boden auf. Diese werden dann mit Verdauungsenzymen und Schleim in ihren Mägen zu komplexen Strukturen vermengt und als Erdhäufchen ausgeschieden – wir Gärtner*innen kennen diese Häufchen auch im Kompost, Beet und in der Wiese. Sie sind unser „Gärtnergold“, die einen fruchtbaren Boden garantieren.

Darwin: Regenwurm-Losung
Regenwurm-Losung – aus Charles Darwin: „Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer“

Anfang des 19. Jahrhunderts galten Regenwürmer als Acker-Schädlinge. In seinem Alterswerk von 1881: „Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer“, widmete sich Charles Darwin ganz der Erforschung der biologischen Bodenaufbereitung durch die Regenwürmer. Darwin gilt seitdem als einer der Gründerväter der Bodenkunde, der mit seinem Werk einen Imagewandel des Regenwurms vom Schädling zum Nützling herbeigeführt hat. Spätere wissenschaftliche Publikationen haben viele von
Darwins Beobachtungen und Schlussfolgerungen bestätigt.


Texte: Pressemitteilung: IG gesunder Boden e.V., Ruth Mahla;