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Vierfelder-Rotations-Mischkultur mit Brachejahr – ein regeneratives Anbausystem für urbane Gemeinschaftsgärten

Die Urbanen Gärten München wollen 2026 verschiedene Biogemüse-Anbausysteme, die sich gut für urbane Gärten eignen, vorstellen.

Bei der anstiftung gibt es die Webinar-Reihe „Gärtnerische Grundlagen„. Dort findet ihr unter anderem den tollen Vortrag von David Schoo über Market Gardening – schaut doch da auch mal rein!

Das Webinar vom 29.1.26 über die Vierfelder-Rotations-Mischkultur, sowie die Folien dazu findet ihr auch auf der Website der anstiftung: Mitschnitt und Folien des Webinars

Biointensiv und regenerativ – Geht das denn?

Biointensiv:

Ein Prinzip des traditionellen Biolandbaus war lange Zeit die Extensität. Daher war auch der Flächenertrag im Biolandbau früher wesentlich geringer. Intensiver Anbau wurde als Raubbau an der Bodenfruchtbarkeit angesehen und bei der konventionellen Landwirtschaft verortet. Diese wiederum hat dem Biolandbau lange Zeit vorgeworfen, die Böden auszulaugen, da sie keine Mineraldüngung zuließ und so die im Boden gebundenen Nährstoffe mit dem Erntegut vermeintlich verliere und nicht ersetze. Dieses – seit Adolph Stöckharts und Justus von Liebigs in „chemischen Feldpredigten“ ab Mitte des 19. Jahrhunderts gelehrte Mineralstoff-Paradigma, das auch heute noch von vielen Landwirten vertreten wird, (obwohl es Liebig in seinem Alterswerk selbst revidiert hat), beruht auf mechanistischen Vorstellungen von dem Zusammenspiel von Pflanzen und Boden.

Neuere Forschungen haben längst nachgewiesen, dass Biogemüse- und Bioackerbau mit bodenschonenden- und humusaufbauenden Methoden genauso ertragreich und im Klimawandel sogar ertragskonstanter sein kann, wie intensive, chemische Landwirtschaft, die einen wesentlich höheren Input an klimaschädlichen Mineralölprodukten, Energie, Wasser und mehr Folgeschäden, wie die Anreicherung der Ackergifte in Boden, Pflanzen, Tieren und Menschen, und viele weitere Folgeschäden, wie Nitratbelastung des Grundwassers zu verzeichnen hat.

Regenerativ:

Mehr Ertrag, bei weniger Ressourceneinsatz, weniger Raubbau und Umweltverschmutzung, und auch noch giftfreie, gesündere Lebensmittel?
Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Geht aber tatsächlich – ist nur arbeitsintensiver. Alle neutralen Forschungsinstitute sagen das, in Deutschland z.B. das renommierte Thünen-Institut.


Nicht humuszehrend, sondern humusmehrend arbeiten ist die Devise.

Um das zu erreichen, kombiniert die Regenerative Landwirtschaft verschiedene Methoden, Humus aufzubauen miteinander. Das kann je nach Kultur, Boden, Klima verschiedene Maßnahmen beinhalten – ist aber immer ein komplexes Gesamtkonzept, an dem laufend geforscht wird, bei dem traditionelle Techniken und weltweites Erfahrungswissen mit einbezogen werden. Das Geniale ist, dass durch diese Art der Bewirtschaftung der Klimaerwärmung entgegengewirkt werden kann und die Artenvielfalt gefördert wird.
Die Rekarbonisierung der Böden ist übrigens auch eine Forderung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG Nr. 15: Leben an Land; Degradation der Böden)

Fazit: regenerative Bio-Mischkultur ist eine einfache und kostengünstige Strategie, bei der alle nur gewinnen können – sagt auch der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung….


Warum ist organische Substanz (Humus) im Boden so wichtig?

  • Humus macht den Boden fruchtbar
  • Humus macht den Boden zum Lebensraum
  • Humus speichert Kohlenstoff im Boden
  • Humus sorgt für ein gut durchlüftetes, lockeres Bodengefüge
  • Humus macht den Boden zum Wasserspeicher und verhindert Erosion und Verdichtung
  • Humus wirkt wie ein Filter

Grundprinzipien beim nachhaltigen Ackern

  • Den Boden als Lebensraum verstehen und stärken: Langfristige Erhöhung des Humusgehaltes des Bodens durch Mulch, Kompost, Wurzeln stehenlassen, Gründüngung, Fruchtfolge und Mischkultur
  • Respekt vor der Natur: Kein Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel und Dünger; Kriegsvokabeln vermeiden: Schädlinge müssen nicht ausgerottet werden, sondern geben Einblick in den Kreislauf der Natur; Pflanzen natürlich stärken durch Nützlinge und Helfer
  • Ressourcen schonen und Pflanzen ganz verwenden: So wenig Bewässerung wie möglich, Hacken und Mulchen statt Wässern; so wenig wie möglich Fremdkörper, v.a. Erdölbasierte einbringen. (Plastik, Folien, Farben, Lacke, etc.)
  • Vielfalt erhalten Vielfältige, regionale, auch alte Arten und Sorten; Verwendung samenfester Sorten; Saat- und Pflanzgut nur aus ökologischer Züchtung und eigenem Nachbau; bestäuberfreundliche Blütenpflanzen, das ganze Jahr hindurch.

Die Pflanze und ihr Boden – Pflanzen sind nicht passiv!

The circle of life:

Pflanzen haben die einzigartige Fähigkeit mittels Photosythese aus CO2, Licht und Wasser die für ihre Ernährung notwendigen Zucker und als Abfallprodukt Sauerstoff herzustellen.

40 -60% der Photosynthese-Produkte geben sie über Wurzelausscheidungen an den Boden ab. Damit lockt und ernährt die Pflanze ihre spezifischen Bodenlebewesen, die für sie die bodenbürtigen Nährstoffe aufbereiten. Im Grenzbereich zwischen Wurzel und Boden laufen ständig symbiotische Prozesse ab, an denen die Pflanzen, Pilze, Mikro, -Meso- und Makrofauna und auch der Mineralkörper des Bodens im ständigen Austausch sind. Die für uns gewohnte strikte Trennung von anorganischer und organischer Chemie verschmilzt in der sog. Rhizosphäre zu einem Lebensraum.

Bei der Zersetzung des organischen Materials der abgestorbenen Pflanzen und Tiere durch die Bodenlebewesen werden Pflanzennährstoffe und Kohlenstoff zurück in den Boden gebracht. (Mineralisierung und Humifizierung)

Bei der Entnahme von Erntegut geht viel Biomasse dem Boden verloren. Um dem Humusverlust entgegenzuwirken, muss organisches Material eingebracht werden – als Futter für die Bodentiere.

Vielfraße und Hungerkünstler

Die geschickte Kombination von Pflanzen mit unterschiedlich hohen Nährstoffansprüchen ist eines der wichtigsten Grundprinzipien im Ökolandbau. Leguminosen sowohl als bodenverbessernde Gründüngung, als auch für die hochwertige, pflanzliche Eiweißversorgung von Tier und Mensch werden in der zukünftigen Landwirtschaft einen noch sehr viel wichtigeren Platz einnehmen.

  • Starkzehrer: Kohle, Kürbis, Zucchini, Sellerie, Zuckermais, Kartoffeln, Tomaten, Aubergine.
  • Schwachzehrer: Bohnen, Bohnenkraut, Basilikum, Dill, Erbsen, Feldsalat, Kerbel, Löffelkraut, Radieschen
  • Mittelzehrer: Mehr oder weniger alles andere, bei Salaten sortenabhängig
  • Leguminosen: Als Leguminosen wird die Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblüter bezeichnet, die etwa 17.000 Arten umfasst. Sie werden auch Hülsenfrüchtler genannt. Durch Symbiose mit Knöllchen-Bakterien binden sie Luftstickstoff, der sie selbst ernährt und auch den Boden mit Stickstoff anreichert. Körnerleguminosen: Kichererbsen, Bohnen (Buschbohnen, Stangenbohnen, Sojabohnen), Erbsen, Linsen, Erdnüsse, Lupinen; Futterpflanzen für die Viehhaltung: Klee, Luzerne; Bäume, Zierpflanzen: z.B. Akazien und Glyzinien

Fruchtfolge, Fruchtwechsel und Mischkultur

Kulturpflanzen entziehen dem Boden Nährstoffe, immer gleiche Wurzelausscheidungen über längere Zeiträume hinweg können das Wachstum beeinträchtigen, bei Monokulturen wächst die Gefahr von Infektionen und Schädlingsbefall. Durch Fruchfolge – d.i. die zeitliche Abfolge der verschiedenen Kulturen innerhalb eines Jahres – und Mischkultur – die Zusammensetzung unterschiedlicher Kulturen zur gleichen Zeit auf einem Beet – kann dem gezielt entgegengewirkt werden. Wenn die Beete räumlich und zeitlich voll ausgenutzt werden, entsteht durch den bodendeckenden Dauerbewuchs ein günstiges Mikroklima. Zuletzt bleibt das Gemüse mit der längsten Reifezeit zurück und kann sich noch ausbreiten, während als Nachkultur Gründüngung nachwachsen kann.

Fruchtfolge/Fruchtwechsel – Planung des zeitlichen Ablaufs der Kulturen. Anbauplanung innerhalb eines Jahres mit Vor – Haupt – Nachkultur, sowie die Planung der Kulturenabfolge für mehrere Jahre.

Mischkultur betrachtet auch den räumlichen Aspekt , nämlich die Anordnung der verschiedenen Kulturen auf einem Beet: Eine gute Nachbarschaft der Pflanzen und gegenseitige Unterstützung soll gefördert werden, z.B. hinsichtlich Größe, Wurzeltiefe, Wachstumsschnelligkeit, Nährstoffbedarf, Schädlingsabwehr etc.

Gute Nachbarn

  • halten Schädlinge fern
  • verbessern Ertrag und Qualität
  • wachsen zusammen und schatten das Beet ab, so dass die Bodenverdunstung vermindert und Unkraut unterdrückt wird. Manchmal wachsen sogar die Wurzeln unentwirrbar zusammen
  • verhindern die Keimung schädlicher Pilze, weil der spezielle chemische Reiz, der die Sporenkeimung auslöst, durch andere Düfte überlagert wird
  • wie Knoblauch tötet manche Pilze bzw. Bakterien ab
  • wie Kamille, Lilien, Mädchenauge, Ringelblumen, Sonnenhut und Tagetes wirken gegen Nematoden und befreien Rosengewächse von diesen parasitierenden Fadenwürmern
  • füllen Lücken z.B. durch schnell reifenden Salat
  • liefern gleichzeitig gutes Mulchmaterial
  • ergänzen sich: Z.B. Tief- und Flachwurzler, Stark- und Schwachzehrer

Schlechte Nachbarn


Generell sollten Pflanzen derselben Familie nicht aufeinanderfolgend an derselben Stelle kultiviert werden. Nur Rhabarber und Tomaten können lange Zeit auf demselben Boden verbleiben. Pflanzen der folgenden Gattungen vertragen sich nicht gut miteinander:

  • Kreuzblütler, z.B. Blumenkohl, Brokkoli, Chinakohl, Goldlack, Grünkohl, Kohlrabi, Kresse, Mairübe, Radieschen, Rench, Rosenkohl, Rukola, Senf, Wirsing. 
  • Hülsenfrüchtler, z.B. Bohnen, Erbsen, Linsen, Lupinen, Pukohnen, Wicken
  • Doldenblütler, z. B. Dill, Fenchel, Kerbel, Kümmel, Liebstöckl, Möhren, Pastinaken, Petersilie, Sellerie

Manche Pflanzen wachsen schlechter, wenn als Vorkultur bestimmte andere Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel: Spinat – Blumenkohl, Bohnen – Erbsen und umgekehrt, Zuckermais – Zwiebelpflanzen.


Vierfelder-Rotations-Mischkultur mit Brachejahr – ein einfaches Anbausystem für urbane Gemeinschaftsgärten

Die längste Zeit in der Geschichte der Landwirtschaft hat die Menschheit das Geheimnis der Bodenerholung und des Humusaufbaus durch wechselnde Fruchtfolgen und Brachejahre gekannt. Seit Aristoteles wurde über Bodenfruchtbarkeit und Humustheorie philosophiert und Bodenruhe praktiziert. Von der römischen 2-Felder, bis zu neuzeitlichen 3-Felder und 4-Felder-Wirtschaftsformen haben Landwirt*innen und Gärtner*innen immer versucht, für den Erhalt ihrer natürlichen Lebensgrundlage – den Boden gut zu sorgen.

Ein einfaches Konzept, das den bäuerlichen Gemüsegärten entlehnt ist, ist die 4-Felder-Rotation, die man auch sehr attraktiv um ein schön gestaltetetes Mittelfeld gruppieren kann. Es eignet sich auch für kleine Flächen in urbanen Gärten. Durch das Brachejahr und durch das Wechseln der Leitkulturen wird der Bodenauslaugung vorgebeugt, so dass die Gärtner*innen bei den Begleitkulturen freie Wahl haben und nach Herzenslust gestalten können. Wichtig ist nur, den Wildwuchs der Brache nicht vom Beet zu schaffen, sondern nach dem Mähen im Herbst das Grüngut als Mulch auf dem Beet zu lagern und auch die Wurzeln in der Erde zu belassen, so dass möglichst viel Biomasse von den Zersetzern und Bodentieren wieder in den Boden eingearbeitet wird.

Die GärtnerInnen bleiben auf ihren jeweiligen Parzellen (1, 2, 3 oder 4,) um alle Kulturen und die Brache mitgestalten und erleben zu können. Im vierten Jahr können sie Pause machen und den Wildwuchs beobachten.

Was bringt das Brachejahr?

Wir bauen biologisch an und düngen nur organisch z.B mit verschiedenen Kompost, Jauchen und Gründüngung. Gleichzeitig wollen wir aber aus den kleinen Parzellen möglichst viel und vielfältige Gemüse gewinnen. Es besteht die Gefahr, dass wir humuszehrend wirtschaften, also dem Boden die Biomasse, und damit die Nährstoffe, die wir mit dem Erntegut entnehmen nicht wieder zuführen. Dadurch kann es zur Bodenermüdung kommen. D.h. der Boden als Lebensgemeinschaft, die lebendige, fruchtbare Humusschicht degradiert – der Boden verliert seine Fruchtbarkeit. Die uralte Agrartechnik der Brache oder Bodenruhe sorgt dafür, dass sich stark beanspruchte Parzellen im regelmäßigen Turnus regenerieren können. Unser Ziel ist es humusmehrend zu wirtschaften – also trotz unseres intensiven Bioanbaus die wertvolle Humusschicht des Bodens zu verbessern und zu vermehren. Unsere Praktiken tragen dadurch auch zur Festlegung von Kohlenstoff im Boden bei und sind ein positiver Beitrag zum Klimaschutz. Ihr merkt eine Verbesserung an der immer dunkler werdenden Farbe eures Bodens, der Vielfältigkeit des Bodenlebens und einer guten Krümelstruktur.

Die Gärtner*innen können in Kleingruppen je ein Feld bewirtschaften und die allmähliche Veränderung der Bodengüte und Bodenfruchtbarkeit ihres Beetes miterleben. Wenn der Humusaufbau gelingt, wachsen die jeweiligen Kulturen auch mit wenig Düngung sehr gut, und der Boden wird belebter, feinkrümeliger und dunkler. Alle Gärtner*innen werden so mit den Jahren durch ihr Erfahrungswissen zu gleichberechtigten Gemüsebau -„Expert*innen“ – es bilden sich nicht, wie bei sehr komplexen und aufwändigen Mischkultursystemen Hierarchien innerhalb der Gemeinschaft aus.

Das Webinar der anstiftung findet ihr auch auf youtube


Text und Grafik: Ruth Mahla

Eigenes Gemüse im Spätherbst und Winter

Kündigen sich kalte Nächte mit Frost an, fragen besorgte Freizeitgärtner beim Gartentelefon der Bayerischen Gartenakademie nach, welche Gemüsearten noch im Garten stehen bleiben können. Während typische und wärmeliebende Sommergemüse wie Tomaten und Zucchini schon lange von den Beeten verschwunden sind, stehen Endivien und andere Herbstsalate, Mangold, Lauch und Co. noch prächtig auf den Beeten.

So lange wie möglich draußen lassen

Moderne Häuser verfügen nur selten über geeignete Vorratsräume von Lagergemüse. Deshalb ist es besser, das Gemüse so lange wie möglich auf den Beeten stehen zu lassen. Vorteilhaft sind deshalb kälterobuste Gemüsearten, die bei Bedarf geerntet werden können. Durch die Klimaveränderung haben wir meist einen langen Herbst. Wintergemüse wächst bei milden Temperaturen und den Niederschlägen noch weiter. Gegen einzelne frostige Tage bzw. Nächte hilft das Überdecken mit Vlies. Ist der Boden vor dem Auflegen feucht, gefriert das verdunstende Wasser an der Vliesunterseite, isoliert und schützt die Pflanzen. Erst bei stärkerem Dauerfrost werden die Gemüse komplett geerntet. Berücksichtigen Sie dabei die jeweilige Frosthärte der Herbst- und Wintergemüse. Salate lassen sich vor übermäßiger Nässe durch Folientunnel schützen. Für eine gute Luftzirkulation bleiben die Enden des Tunnels offen.

Die Temperaturangaben bei den jeweiligen Gemüsearten sind jedoch nur Richtwerte. Die eigentliche „Frosthärte“ ist vor allem abhängig vom Entwicklungszustand und der Gesundheit der Pflanze, von der Sorte, vom Standort und von den jeweiligen Witterungsbedingungen.

Was bleibt lange draußen?

Grünkohl und Rosenkohl sind typische Wintergemüse, deren Ernte in der kalten Jahreszeit liegt. Sie vertragen oft Temperaturen bis zu minus zehn Grad Celsius.

Während alte Rosenkohlsorten Frost benötigen, damit die Röschen nicht bitter schmecken, brauchen neuere Sorten nicht zwingend die Einwirkung von Frost. Durch Kälteeinwirkung werden sie jedoch schmackhafter und milder, da der Zuckergehalt in den Röschen steigt.

Grünkohl ist mit seinen gekrausten Blättern zudem eine Augenweide im winterlichen Garten. Bei beiden Kohlarten gibt es außer den grünen auch rot-lila Sorten, die besonders attraktiv sind. Beim Kochen bleibt die intensive Farbe leider nicht erhalten.

Die Wurzeln von Pastinaken und Schwarzwurzeln stecken gut geschützt in der Erde. Als winterhartes Wurzelgemüse und können sie über den Winter im Beet stehen. Rote Bete erntet man besser vor dem Frost, da die Knollen sonst schnell weich werden. Möhren und Knollensellerie hingegen vertragen leichte Fröste. Bedenken Sie, dass eine Ernte bei gefrorenem Boden nicht möglich ist. Ernten Sie deshalb vorsorglich so viel Gemüse wie Sie benötigen.

Endivien und Chinakohl vertragen Temperaturen bis minus vier Grad Celsius. Ein stetiger Wechsel zwischen Frieren und Tauen führt rasch zu braunen Blattteilen, die faulen. Dann heißt es: schnell ernten. Vorbeugend schützt eine Vliesauflage. Auch der winterharte Feldsalat ist für einen derartigen Schutz dankbar, denn besonders Kahlfröste können die Blattrosetten schädigen. Außerdem wächst der Feldsalat langsam weiter und bleibt saftig. Manche Mangoldsorten können im Frühjahr nochmals beerntet werden bevor sich Blüten bilden. Dafür muss aber die Wurzel ausreichend geschützt sein. Zuckerhut kann bis minus acht Grad Celsius im Freien bleiben.

Bekanntester „Überwinterer“ ist sicherlich der Winterlauch. Allerdings können auch ihm Kahlfröste schaden. Bei sehr sonnigem Standort trocknen dann häufig die Blätter aus.*

*Kahlfröste: Wenn tiefe Minusgrade auf einen nicht von Schnee, Mulch o.a. bedeckten Boden treffen, spricht man von Kahlfrost. Die fehlende Isolierschicht ist auch für viele frosttolerante Pflanzen kritisch, weil die Kälte ungehindert in den Boden eindringen kann und dieser dann leichter durchfriert. In einer naturnahen Umgebung ist der Boden immer geschützt, meist mit einer dicken Laubschicht. Daher kommt das in der Natur nicht so oft vor.

Kahlfrost tritt in Deutschland in der Regel immer dann auf, wenn im Winter über Ost- und Mitteleuropa ein stabiles kontinentales Hochdruckgebiet liegt. Verbunden ist diese Wetterlage oft mit kalten Winden aus östlichen Richtungen, die sehr trockene sibirische Kaltluft mit sich führen.

Allgemeines zum winterlichen Gemüsegarten

Schnee schützt in der kalten Jahreszeit auch das Wintergemüse. Kahlfröste können dagegen Schäden anrichten. Das Überdecken der Gemüse mit einem Vlies, eventuell auch mehrlagig, bietet nicht nur Schutz vor starker Kälte, aber auch vor Wintersonne. Planen Sie die „Überwinterungsgemüse“ sorgfältig bei der Gemüsegarten-Belegung mit ein, wenn Sie den Boden im Spätherbst umgraben wollen. Dann ist es ratsam, komplette Randbeete noch mit Gemüse stehen zu haben und nicht immer kleine Eckchen im Gemüsegarten verteilt. So lässt sich eine Vliesauflage auch leichter bewerkstelligen. Beziehen Sie auch abdeckbare Frühbeete in der Planung für den Anbau von Wintersalaten ein.


Bilder: Christine Scherer © LWG


Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)

www.lwg.bayern.de

Gartentelefon +49 931 9801-3333

Mo und Do 10-12 Uhr sowie 13-16 Uhr


Lauch und Sellerie stehen lassen

Tipps von den Expert*innen der Bayerischen Gartenakademie: Immer schon blieb Lauch und Rosenkohl bis ins zeitige Frühjahr hinein stehen. Weil es in den letzten Jahren selten strengere Fröste vor Weihnachten gab, dürfen wir auch etwas empfindlichere Gemüsearten wie Sellerie, Chinakohl oder Rote Bete meistens bis in den November hinein stehen lassen.

Sie profitieren von warmen, sonnigen Herbstwochen und legen immer noch weiter zu. Sollten doch strengere Fröste drohen, sollte rechtzeitig Vlies zur Bedeckung bereitliegen.

Meistens sind unsere modernen Keller zur Gemüselagerung viel zu warm und zu lufttrocken. Bleiben die Kulturen draußen, lassen sie sich über viele Wochen hinweg laufend knackfrisch nutzen. Müssen die letzten Exemplare von Sellerie, Möhren, Wurzelpetersilie, Rote Rüben oder Chinakohl dann ab Ende November doch ins Haus, müssen sie bis zum Verbrauch nur noch wenige Wochen lagern und nehmen dann natürlich auch viel weniger Platz in Anspruch.

Wurzelgemüse packt man am besten ungeputzt, also mitsamt der anhaftenden Erde in Kisten. Ich lagere immer die größeren Teile nach unten, die kleineren nach oben. So lassen sich diese kleineren schneller aufbrauchen, die ansonsten schneller austrocknen würden.


Text und Foto: Bayerische Gartenakademie

Gartentelefon +49 931 9801-3333; Mo und Do 10-12 Uhr sowie 13-16 Uhr

https://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/gemueseblog/388000/index.php


Aussaat nach der Sonnenwende

Direktsaat im Juni und Juli

Viele Gemüse, Salate, Kräuter und Blumen lassen sich auch nach der Sommersonnenwende noch aussäen, entweder um mit einer zweiten Aussaat im Juni abgeerntete Beetlücken wieder auffüllen, oder um die Versorgung mit Herbst- und Winterkulturen sicherzustellen. Kälte und Nachtfröste sind jetzt nicht mehr zu befürchten – die Schnecken sind in der heißen und trockenen Zeit nicht mehr so gefährlich für die zarten Ansaaten. Bis Ende Juni ist eine optimale Zeit, um z.B. Buschbohnen, Herbst-Salate wie Endivien und Radicchio, Zuckerhut und Chinakohl direkt ins Beet auszusäen. Ein weiterer Vorteil von Direktsaaten ist, dass man später nur die zu dicht stehenden Sämlinge vereinzeln muss und die Sämlinge ungestört weiterwachsen können, was vor allem Salaten mit Pfahlwurzeln entgegenkommt.

Bis Anfang Juli sollten Möhren, Sommermarkerbsen, Radieschen, Buschbohnen oder Mangold aber ausgesät sein, um noch eine gute Ernte zu erzielen. Achten Sie darauf, dass sich das Bio-Saatgut als Ganzjahres-Freilandkultur eignet oder wählen Sie Sorten speziell für die Herbstkultur. In guten Bio-Saatgutkatalogen, wie bei z.B. bei Bingenheimer Saatgut oder Arche Noah, werden die samenfesten Sorten mit ihren empfohlenen Aussaat und Voranzucht-Zeiten genau beschrieben. So eignet sich zum Beispiel die Nantaise-Möhre Nantaise 2/Milan sowohl für die frühe, als auch für die späte Direktsaat – bis in die zweite Juliwoche hinein.

Die Samen werden etwas doppelt so tief in die Erde gebracht, wie das Saatgut groß ist. Ausnahmen sind Lichtkeimer, die nur fest im vorbereiteten Saatbett angedrückt und nur hauchdünn und locker mit Erde bestäubt werden.

Die Ansaat im Sommer sollte ausreichend und bei Hitze täglich gewässert werden, bis sich die kleinen Sämlinge zu starken Jungpflanzen entwickelt haben. Die Samen dürfen nämlich nicht austrocknen, sonst sterben die kleinen Keimlinge ab.

Besonders positiv wirkt sich zu diesem Zeitpunkt ein Gießen aller Beete und auch der Ansaaten mit Komposttee aus. Das belebt das Mikrobiom und damit die Regenerationskräfte des Bodens, wirkt aber nicht als direkter Dünger, der die zarten Jungpflänzchen zu schnell in die Höhe schießen ließe.

Kulturen für Juni und Juli

  • Basilikum
  • Buschbohnen (bis Mitte Juli)
  • Erbsen
  • Feldsalat
  • Fenchel
  • Kräuter wie Petersilie, Dill, Kresse, Kümmel (zweijährig)
  • Möhren (z.B. Nantaise-Möhre Nantaise 2/Milan)
  • Zuckerhut, Chinakohl, Pak Choi
  • Radieschen
  • Rucola
  • Rettich
  • Rote Bete
  • Sellerie
  • Salate wie Endivie, Radicchio, Eisbergsalat
  • Spinat ab Mitte Juli

Text: Ruth Mahla

Tomaten im Kübel

Tomaten brauchen Sonne und Wärme. Aber nicht unbedingt gewachsenen Boden.

Viele Freizeitgärtner ziehen ihre Tomaten im Topf oder anderen Gefäßen. Was es dabei zu beachten gilt, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.

Nicht nur das Pflanzgefäß und die richtige Sorte sind wichtig, auch der richtige Umgang mit der Erde bzw. dem Pflanzsubstrat und die Pflege während des Wachstums.

Vorbereitende Maßnahmen für Kübeltomaten

Für Tomatenpflanzen in Gefäßen (Balkonkasten, „Bäckerkiste“, Hochbeet) eignen sich besonders Busch- und Hängetomaten. Sie verzweigen sich sehr stark und bilden gerade in den Verzeigungen die meisten Früchte. Hier brauchen Sie nichts formieren und ausgeizen.

In großen Töpfen oder Kübeln sind auch sogenannte Stabtomaten möglich. Diese lassen sich je nach Standort auch an Schnüren oder sehr langen Stäben aufleiten. Hierbei wird der Haupttrieb stehen gelassen und die Nebentriebe weggebrochen (ausgegeizt). Wählen Sie einen Topf mit einem Durchmesser von über 30 cm. In einem 45 cm breiten Topf haben eine Stabtomate oder sogar drei Buschtomatenpflanzen Platz. Doch gilt: je größer ein Gefäß, umso mehr Erde passt hinein und umso besser kann die Pflanze Wurzeln bilden und wachsen. Substratvolumen von 35 bis 40 Litern gelten als optimal für eine hochwachsende Stabtomate, die bis zum Herbst Früchte trägt. Bevorzugen Sie braune oder helle Töpfe, da sich schwarze sehr stark aufheizen. Dies kann zu Wurzelverbrennungen führen. Wichtig sind Wasserabzugslöcher. Achten Sie auf ein hochwertiges Bio-Substrat ohne Torf.

Tomaten in torffreier Erde

Torffreie Substrate werden nun überall angeboten. Doch der Umgang mit den klimafreundlicheren Substraten erfordert vom Anwender ein Umdenken.

Torffreie Erden besitzen ein geringeres Wasser- und Nährstoffhaltevermögen. Aufgrund von gröberen Strukturen und fehlenden Bindestoffen sickert das Wasser schnell durch.

Feinanteile werden mit der Zeit nach unten geschwemmt. Dadurch erscheint die Oberfläche trocken, während im unteren Bereich oft noch ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Dies kann mit dem Fingertest getestet werden. Zudem ist ein Untersetzer zu einem Topf oder Balkonkasten sinnvoll. Da in den Erden Komposte und Rinden bzw. Holzprodukte verarbeitet sind, kann das durchlaufende Wasser braun verfärbt sein. Dies ist nicht schlimm, jedoch unschön auf der Terrasse. Torffreie Erden verlangen nach öfterem Gießen in kleineren Mengen. Ein automatisches Bewässerungssystem kann hilfreich sein.

Ebenso verhält es sich mit der Düngung, denn durch das geringere Speichervermögen des torffreien Substrates ist häufigeres Nachdüngen nötig. Vor allen die Stickstoffdüngung ist wichtig. Organische Dünger, wie Schafpellets, setzen die Nährstoffe langsam frei, so dass die Tomate auch später noch Nahrung hat. Notfallmaßnahmen sind regelmäßige und in kurzen Abständen leichte Flüssigdüngungen mit organischen Flüssigdüngern wie Vinasse oder Brennnesseljauche.

Pflanzung und Pflege

Pflanzen Sie die Tomaten tiefer als im Anzuchtstopf, so dass die ersten Laubblätter gerade noch aus der Erde schauen. So bilden die Tomatenpflanzen zusätzliche Wurzeln. Dies fördert das Wachstum und die Stabilität. Stellen Sie die Tomaten erst Mitte Mai ins Freie bzw. wenn keine Kälte mehr zu erwarten ist. Selbst an geschützten Plätzen schädigt der Nachtfrost die wärmeliebenden Pflanzen. Wählen Sie bewölkte Tage für den ersten Freigang aus. Die sonnenhungrigen Tomatenpflanzen benötigen einige Tage, bis sie den nötigen Sonnenschutz in den Blättern aufgebaut haben. Alternativ können Sie zum Umgewöhnen mit Vlies schattieren.

Ein hervorragender Standort für die Topftomaten ist die nach Süden ausgerichtete Hauswand. Unter einem Dachvorsprung stehen die Tomaten im Regenschatten. Hier bleibt das Laub trocken und dadurch Pilzerkrankungen wie die gefürchtete Kraut- und Braunfäule fern. Wände speichern zudem Wärme und heizen den Tomaten bis in den Nachtstunden zusätzlich ein.

Neben regelmäßigen Wasser- und Nährstoffgaben werden Stabtomaten ausgegeizt (die jungen Seitentriebe entfernt) und hochgeleitet. Busch- bzw. Balkontomaten benötigen diese Pflege nicht. Sollte es verstärkt regnen ist es sinnvoll das „Buschwerk“ auszulichten, damit die Triebe schneller abtrocknen können.


Ein Beitrag der Bayerischen Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim.

Weitere Infos finden sie auf deren Gartenblog