
Blühwiesen und extensive Weiden gehören zu den artenreichsten Ökosystemen in Mitteleuropa, sind aber ohne Mahd und Pflege nur relativ kurzfristige Erscheinungen, da sie in Folge der natürlichen Sukzession verbuschen und sich schließlich zu Wald weiterentwickeln würden. (Siehe Artikel Wiesen & Weiden)
Die bunt blühenden Wiesen, wie wir sie kennen und lieben, Lebensraum für eine Vielzahl von Wildtieren, wie Vögel und zahlreiche Insektenarten, sind also heutzutage eine Erscheinung unserer bäuerlichen Kulturlandschaft – wertvolle Biotope, die der Mensch durch naturnahe Nutzung schafft und erhält.
Wenn wir uns also größere und kleinere Blühinseln auch in unsere Städte holen, um die urbane Biodiversität zu fördern, dann folgen wir einer alten Kulturtradition, die wir nur ein wenig an den neuen Zweck anpassen müssen. In der Regel brauchen wir das gemähte Gras in der Stadt nicht für Nutzvieh – die anfallende Biomasse ist aber auch für uns wertvoll, da wir auf dieser Basis Kompost- und Mulchwirtschaft in unseren urbanen Gärten begünstigen können.
Anders als auf dem Land ist es im urbanen Bereich nicht notwendig, riesige Flächen anzulegen, weil wir sie in der Regel nicht mit schweren Landmaschinen möglichst wirtschaftlich bestellen müssen. Viele kleine verschiedene Blühinseln und Trittsteinbiotope, die von engagierten Anwohner*innen oder Beetpaten mit der Hand gepflegt werden können, sind in den Stadtvierteln und in den urbanen Garten- und Parkanlagen ebenso sinn- und wertvoll. Ideal wäre es, wenn ein grünes Band alle diese Klein- und Minibiotope miteinander verbinden würde, so dass das Wandern und der Austausch der Arten gewährleistet ist.
Die TU München und das Museum für Naturkunde in Berlin, Verbundpartner im Projekt BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier haben in ihrem Forschungsprojekt zu Wildbienen nachgewiesen, dass:
„Blühbereiche dazu beitragen einer Vielzahl von Tieren Lebensraum und Nahrungsangebot zu bieten. Unsere Forschung zu Wildbienen und anderen Bestäubern in Gemeinschaftsgärten ergab, dass der Blütenreichtum in den Gärten einen positiven Effekt auf die Individuenzahl, die Anzahl der Bestäubergruppen und die Vielfalt der Bestäuber insgesamt hatte. Es gab also in Gärten mit mehr Blüten tendenziell eine höhere Vielfalt an Bestäubergruppen wie Wildbienen, Schmetterlingen, Fliegen und Wespen, sowie mehr Individuen und einen höheren Artenvielfalt. (…) Mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Insekten und deren Interaktionen sind Blühbereiche in Gärten darüber hinaus ausgesprochen geeignete Lernorte für spannende Naturerfahrungen und Umweltbildungsangebote.“
Bewährte Pflanzkonzepte für die Stadt
Grob unterscheiden kann man neuangelegte Blühbereiche einerseits anhand der Standortmerkmale, der Nutzungsansprüche, des Pflegeaufwands, aber auch nach der Zusammensetzung der Pflanzen: Sollen vorwiegend mehrjährige Stauden gepflanzt werden oder soll eine bunte Wiesenblumenmischung mit mehrjährigen Wildstauden, einjährigen Wiesenblumen und Gräsern eingesät werden, die eine Mahd mindestens einmal im Jahr erfordert?
Wir unterscheiden:
- Pionierflächen – Ruderalflächen
- Blühstreifen, Blühwiesen
- Staudenpflanzungen
Pionier- und Ruderalflächen

„Pionierflächen“ werden aus der Nutzung genommene Lebensräume mit offenem Boden genannt. Im nährstoffarmen und kalkhaltigen Schutt oder Kies siedeln sich gerne lichtliebende Krautpflanzen als erste Pioniere an. Auch wenn man nichts pflanzt oder ansäht ergrünen die Flächen allmählich, da genug „schlafende“ Samen überall in den Böden ruhen und von Vögeln und auch dem Wind Saatgut verfrachtet wird.
„Ruderal“ leitet sich vom lateinischen Wort rudus ab, was zerbröckeltes Gestein, Geröll, Schutt bezeichnet. Vegetationsökologisch unterscheidet man sehr viele unterschiedliche Ruderalstandorte, darunter auch stickstoffreiche, sehr üppig bewachsene Flächen. Oft sieht man an ungenutzten Bauflächen, stillgelegten Bahnstrecken und Böschungen einen sich mit den Jahren verändernden Bewuchs, der je nach Nährstoffangebot und Exposition sehr verschieden ausfallen kann. An offenen und nährstoffarmen Standorten siedeln sich oft Pflanzengesellschaften an, die denen der Trocken- und Kalkmagerrasen ähneln. Diese Pflanzen, die „lichtliebenden Hungerkünstler“, kann man in sonnigen, trockenen Lagen anpflanzen, wenn man den Mutterboden abträgt und mageres Substrat und Kies aufschüttet. Es können sowohl passendes Saatgut ausgebracht, als auch Topfpflanzen eingesetzt werden – oder eine Kombination aus beiden. Auch trockene Sommer überstehen sie ohne Bewässerung.
Es muss zwar nicht regelmäßig gemäht werden – invasive Neophyten, wie die Kanadische Goldrute oder das Einjährige Berufskraut sollten aber regelmäßig rausgenommen und der Boden offen gehalten werden.
Blühwiesen und Blühstreifen

Die meisten Blühwiesenarten benötigen viel Sonneneinstrahlung und Wärme für ein gutes Wachstum. Es lohnt sich immer, einen solchen Standort mit einer Blühwiese oder einen Blühstreifen aufzuwerten. Dabei ist auch das Nährstoffangebot ein wichtiger Faktor, was für eine Artenzusammensetzung sich auf der Fläche etablieren kann. Generell gilt: Je geringer das Nährstoffangebot, desto biodiverser das Biotop. Meist sind auch die die eher seltenen heimischen Wildpflanzen besonders wertvoll für die heimische Insektenwelt, die sich auf eine dieser Arten als Futterpflanze spezialisiert haben. So ist zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene auf den Pollen von wilden Glockenblumenarten (Campanula) angewiesen.
Auch wenn keine großen öffentlichen Flächen zur Verfügung stehen, kann man entlang von Rasenflächen, Wegen und Gemüsebeeten im Garten Blühstreifen entwickeln, die die biologische Vielfalt stärken, wunderschön aussehen und außerdem wertvolle, kräuterreiche Biomasse in den urbanen Garten bringen – denn Blühwiesen- oder Streifen sollten einmal oder zweimal im Jahr gemäht werden. Das Mähgut muss aus der Fläche genommen werden, um eine Wiederanreicherung mit Nährstoffen zu verhindern. Dieses duftende Heu ist idealer, hochwertiger Mulch für die Beete und bestes Kompostmaterial. So kann auch das Prinzip des urbanen Dreizonen-Gartens verwirklicht werden, welches darauf aufbaut in sog. „Hotspots“ im Garten selbst, oder in angrenzenden Flächen im Quartier, einerseits Lebensraum für die biologische Artenvielfalt zu schaffen, als auch wertvolle Biomasse zu erzeugen, die für den intensiven Biogemüsebau in der „Ertragszone“ im Garten genutzt werden kann.
2025 haben die Verbundpartner des BioDivHubs-Projekts den wunderschön illustrierten Katalog: „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ veröffentlicht. Er bietet eine Sammlung leicht verständlicher und praxisnaher, langjährig erprobter und wissenschaftlich fundierter Anleitungen, wie Gartenengagierte die biologische Vielfalt in der Stadt fördern können. Auch für die Anlage von Blühbereichen gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die sich an den Gegebenheiten der Urbanen Gärten orientiert. Es wird unmittelbar verständlich: Wir können wirklich „Tiere pflanzen“! Der Maßnahmenkatalog ist als kostenloses E-Book, oder als Printausgabe bei TUM University Press erhältlich: Zum Katalog
BioDivHubs Saatgutmischung TUM
Die Expert*innen der Technischen Universität München haben eine besonders insektenfreundliche Saatgutmischung mit heimischen Wildpflanzen entwickelt, die sich besonders für sonnig-trockene Standorte eignet. Diese Mischung ist die Grundlage für widerstandsfähige Blühwiesen im Münchner Raum, die wunderschön und ausdauernd blühen, und damit – von Frühling bis spät in den Herbst hinein – Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von zum Teil auch seltenen Wildbienenarten, Schmetterlingen und andere Insekten bereit stellen.
Die Mischung besteht aus 31 heimischen Arten und ist gut an das Münchner Klima und die vorherrschenden durchlässigen Böden auf der Schotterebene angepasst. Feldversuche der TUM wiesen nach, dass alle Arten dieser Blühwiese mehrere Wochen Trockenheit ohne Bewässerung überstehen können, was angesichts der zunehmenden Hitze- und Trockenperioden in Zeiten des Klimawandels Vorraussetzung für eine nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung zu mehr Biodiversität im urbanen Raum ist.
Wie kann ich als urbane Gärtner*in einen Blühstreifen oder eine Blühwiese anlegen?
Das Wichtigste ist, dass ihr euch regional angepasstes Biosaatgut beschafft. Nicht jede bunte Mischung aus dem Gartencenter wird zur insektenfreundlichen und ausdauernden Blühwiese, auch wenn mit dem Label „bienenfreundlich“ inflationär geworben wird. Innerhalb der heimischen Pflanzen finden sich oft deutliche genetische Unterschiede, weshalb zum Schutz der genetischen Vielfalt nur regionale, sogenannte gebietseigene Herkünfte verwendet werden sollten. So blühen zum Beispiel Pflanzen aus den Wärmeinseln in Unterfranken im kühlen
Voralpenland aufgrund ihrer Genetik unter Umständen zwei Wochen früher, während ihre Bestäuber dort noch gar nicht geschlüpft sind.
Daher ist gebietseigenes oder autochthones (aus der unmittelbaren Umgebung) Saatgut das beste Mittel zur Förderung der Biodiversität vor Ort. Auf Anfrage könnt ihr gerne die BioDivHubs-Mischung mit gebietseigenen Saatgut erhalten. Aber auch beim Bund Naturschutz, bei Naturgarten e.V. und beim LBV gibt es gute Mischungen mit heimischen Arten. Um eine Vorstellung von der Vielzahl der geeigneten heimischen Wildblumenarten zu bekommen, seht euch die 31 heimischen Arten auf Natura DB an. Weiter unten findet ihr auch eine Liste zum Ausdrucken.
Geeignete Zeiten für die Aussaat sind im Frühjahr von März bis Mai, sowie im September. Das Saatbett sollte möglichst homogen, locker, feinkrümelig und vegetationsfrei sein. Dann fällt es auch leichter, die Saat gleichmäßig auszustreuen, anzudrücken und bei Bedarf vorsichtig mit einer feinen Tülle anzugießen, ohne dass es weggeschwemmt wird. Damit die Pflanzen gleichmäßig keimen, muss der Boden in den ersten Wochen feucht gehalten werden.
Entlang von Beeten oder am Rande eines Ackers ist die Anlage eines Blühstreifens kein großer Aufwand – allerdings sollte der Boden nicht zu nährstoffreich sein, was in den Gärten aber oft der Fall ist. Erde vom Gemüseacker sollte deswegen abgetragen und mit nährstoffärmerer Erde ersetzt werden. Man kann zu fette Erde aber auch mit viel Sand abmagern.
Falls eine Rasenfläche zur Blühwiese umgewandelt werden soll, ist der Aufwand schon erheblich größer und bei größeren Flächen ohne maschinellen Einsatz sehr arbeitsintensiv und anstrengend. Für kleine Flächen empfiehlt sich das „Holländern“: Man hebt eine Erdscholle zwei Spaten tief aus und versenkt sie mit der Grasnarbe nach unten im Boden. Bei größeren Flächen kann man sich einen Rotationspflug ausleihen, der die Grasnarbe untergräbt und das Erdreich lockert. Weitere Machinen, wie die Kreiselegge zur Vorbereitung eines feinkrümeligen Saatbetts, ein Saatgutstreuer und eine Rasenwalze erleichtern die weiteren Arbeitsgänge.
Wichtig ist es, nach der Bodenbearbeitung das Erdreich 2 – 3 Wochen ruhen zu lassen. In dieser Zeit gehen sicher noch Samen der im Boden vorhandenen Beikräuter auf – die kann man dann vor der Feinplanie und dem Einsähen entweder per Hand jäten (bei kleinen Flächen), oder durch Hacken und Rechen von ihren Wurzeln trennen.
Da die meisten heimischen Wiesenarten Lichtkeimer sind, genügt es, das Saatgut anzudrücken. Es muss nicht mit Erde bedeckt werden.
Artenauswahl für eine Blühwiese an einem sonnigen Standort
Staudenpflanzungen
Der ökologische Wert der Wildpflanzen ist so bedeutend, da sich im Laufe vieler Jahrtausende eine ganz spezifische, an die gegebenen Bedingungen (Klima, Boden usw.) angepasste Pflanzenwelt entwickelt hat, welche die Lebensgrundlage für eine vielfältige Tierwelt bildet. Tiere und Pflanzen haben sich zusammen zu einen engmaschigen Beziehungsnetz entwickelt und sind aufeinander angewiesen. Wenn aus einen solchen Netz zu viele Arten verschwinden, wird das Ökosystem instabil, weil die Lebens- und Nahrungsgrundlage nicht mehr vorhanden ist. Neu bei uns eingebrachte, gebietsfremde Pflanzenarten stören dieses sensible Beziehungsnetz. Sie sind oft konkurrenzstärker und bilden dann dichte, grossflächige Bestände, die die
naturnahen Pflanzengemeinschaften von ihrem Standort verdrängen. (z.B. Seerosen-Hybriden, Kanadische Goldrute, Indisches Springkraut, Japanischer Knöterich, Riesen-Bärenklau etc.). Meist profitieren nur häufig vorkommende „Allerweltsarten“ , wie z.B. Amseln und andere Generalisten von den sog. invasiven Neophyten, während die Spezialisten, die eine ganz bestimmte Pflanzenart zum Überleben brauchen, still und oft unbemerkt aussterben.
Wir haben eine echte Chance die Restbestände unserer Wildflora- und Fauna in unseren Gärten, Parks, urbanen Freiflächen und sogar auf unseren Balkonen wieder anzusiedeln, bzw. zu schützen. Wie bei den Blühwiesen gilt aber auch hier, dass es genügend große und viele solch naturnah gestalteter Lebensinseln und Trittsteinbiotope geben muss, damit ein erfolgreicher Austausch der Individuen und des Genpools gewährleistet ist. Ein grünes Band durch die ganze Stadt muss hier die Zielvorstellung sein.
Diese urbanen Blühbereiche müssen durchaus nicht wie eine sich selbst überlassene Fläche wild und „unordentlich“ sein. Man kann mit Wildpflanzen sowohl ökologisch wertvolle, als auch ästhetisch ansprechende und kunstvolle urbane Areale schaffen, die alle unsere Sinne ansprechen und gleichzeitig unser Bedürfnis nach Ordnung und harmonischen Strukturen befriedigen. Wir können die zarte Schönheit der Wildpflanzen nutzen und sie zu einem Teil unserer urbanen gestalteten und gepflegten Umwelt machen: Einen Garten!
Ludwig von Sckell, der bedeutende Gartengestalter des 18. Jahrhunderts, der den Englischen Garten in München vollendete sagte dazu: „Das Bestreben der Natur passt vorzüglich dahin, ihren Pflanzen jene Stellen anzuweisen, wo sich diese ernähren und verbreiten können, ohne Rücksicht, ob sich gerade diejenigen, die sie in Verbindung bringt, malerisch ausdrücken oder nicht. Allein die Kunst bemüht sich, beides zu erreichen.“
Staudenbeete können auf unterschiedlichsten Standorten angelegt werden. Auch kleine Flächen und schmale Streifen, oder Hochbeete und Pflanztröge sind für bestimmte Wildstauden geeignet. Es ist wichtig Exposition, Nährstoffangebot und Bodenfeuchte zu berücksichtigen. Die Einteilung in verschiedene Lebensbereiche ist bei der Auswahl passender Arten eine gute Hilfe.
Lebensbereiche nach Prof. Dr. Sieber
Üblicherweise ordnet man Wildstauden verschiedenen Lebensbereichen zu – die Leitidee ist hier, die heimischen Pflanzengesellschaften, wie sie sich an natürlichen Standorten typischerweise entwickeln, bestmöglich nachzuahmen, um gute Wuchsbedingungen für die zugekauften Wildstauden zu schaffen. Beim Einkauf von Wildstauden helfen auch die Suchfilter von Staudengärtnereien, und die Kürzel, wie sie in der Abbildung unten verwendet werden. In den urbanen Gärten gibt es z.B. oft einen Randsaum mit größeren Bäumen und verschiedenen Gehölzen – diese Situation kommt dem Lebensbereich Gehölzrand am nächsten. Oft sind solche Lagen dadurch charakterisiert, dass es eine vollsonnige und wärmere und eine beschattete und damit kühlere Seite gibt. Dementsprechend kann man aus einer Vielzahl von Pflanzen auswählen – von Schattenpflanzen wie Farne bis sonnenliebende Glockenblumen. Die Bodenart spielt in der Natur eine ausschlaggebende Rolle. Tiefgründig humusreiche und lehmige Böden sind nährstoffreich und feuchter als weniger tiefgründige, durchlässige, magere Böden auf Kies oder Schotter. Dementsprechend entwickeln sich jeweils angepasste, sehr unterschiedliche Pflanzengesellschaften. Im Gartenbau kann man aber natürlich auch Einfluß auf das Substrat nehmen und hat somit mehr Gestaltungsfreiheit. Mit gartenbaulichen Maßnahmen kann man die verschiedensten Lebensbereiche auch auf kleiner Fläche bauen und so die urbanen Gärten zu Lebensinseln für eine große biologische Vielfalt umgestalten.
Pflanzplanung: Leitstauden als markante Punkte im Beet
Bei der Auswahl der Stauden unterscheiden Landschaftsarchitekt*innen oft zwischen Leitstauden, Begleitstauden und Füllstauden. Mit den Leitstauden, die besonders hoch und auffällig sein sein sollen, schafft man optische Achsen und Orientierung auf der Fläche. Sie werden als Mittelpunkte wahrgenommen und ziehen zuerst die Blicke auf sich. Meist werden sie einzeln oder maximal in Zweier- oder Dreiergruppen gepflanzt. Erst danach werden die sog. Begleitstauden gepflanzt. Sie sind nicht so groß und auffällig wie die Leitstauden, umrahmen diese aber und setzen weitere farbige Akzente.
Wenn noch freier Platz im Beet ist, kann man mit Füllstauden noch mehr Vielfalt und weitere Farbakzente pflanzen. Auch zarte und niedrige Frühblüher an den Rändern sind wunderschön und als erste Insektennahrung im Jahr besonders wertvoll. Die Auswahl von Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten sorgt dafür, dass das Beet viele Monate über blüht und Insektennahrung bietet.




Pflanzliste für das Wildstaudenbeet am Ackermannbogen. Lebensbereich Gehölzrand
Von der ersten Idee zum prächtigen Wildstaudenbeet
Am Anfang steht, glaube ich, die Begeisterung für bestimmte Wildblumen – oft sind damit auch Erinnerungen aus der Kindheit verbunden. Der zarte Duft von Veilchen und Wildrosen, die wunderschönen Pflanzen des Gebirges, mit ihren leuchtenden Farben… Um in euren urbanen Gärten geeignete Flächen für eure Lieblinge zu entwickeln, müßt ihr erstmal eine Bestandsaufnahme machen. Welche Lebensbereiche sind schon natürlicherweise vorhanden? Welche kann man bauen? Welche der Lieblingspflanzen passen dorthin, und mit welchen anderen Pflanzen kann ich sie kombinieren? Eine Staudenanpflanzung ist auch immer ein kreativer Akt: Kataloge der guten (BIO)-Staudengärtnereien oder Bücher von berühmten Landschaftsarchitekten, wie zum Beispiel „Gärten inspiriert von der Natur“ von Piet Oudolf und Henk Gerritsen, helfen beim Träumen und Planen.
Das BioDivHubs-Projekt hat durch viele Aktionen in den Gemeinschaftsgärten und in den vier Modell-Quartieren auch durch Kunstaktionen das Wissen und die Liebe zu den „schönen Wilden“ befördert. Unsere Postkarten zeigen zum Beispiel Nahaufnahmen von Pflanzen, die im Zuge des Balkonprojekts am Ackermannbogen von den Teilnehmer*innen auf den eigenen Balkonen gepflegt werden.




Für die Vorbereitung und die Anlage von Wildstaudenbeeten gibt der neue Maßnahmenkatalog „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ eine Schritt für Schritt Anleitung und viele Tipps für eine erfolgreiche Pflanzung.
Winteraspekt in die Planung miteinbeziehen
Die abgestorbenen Stängel mit Samenständen bieten im Herbst und Winter eine ganz eigene fragile Ästhetik, die man mit in die Planung einbeziehen kann. Außerdem sind sie für Insekten und Vögel Unterschlupf und Nahrungsquelle und sollten deswegen unbedingt bis zum Frühjahr stehen bleiben dürfen.
Beim Schnitt im Frühjahr sollte man nicht alle Bereiche auf einmal schneiden, um temporäre Rückzugsräume zu belassen. Das Schnittgut – wertvolle Biomasse für Kompost und Mulch, kann man noch für ein paar Tage locker liegen lassen, bevor es gehäckselt oder kompostiert wird. Auf diese Weise haben an und in den Stängeln überwinternde Insekten noch eine Chance den Ort zu wechseln.
Haben sich Stauden erstmal entwickelt, hält sich eine Pflanzung viele Jahre. Dennoch bleiben Kontrollen mit kleinen Eingriffen und Jätaktionen ein- bis zweimal im Jahr notwendig, denn wenn sich bestimmte „Wurzel-Unkräuter“ ungestört entwickeln dürfen, wird es schwierig und sehr arbeitsintensiv, die Fläche wieder zu bereinigen.
Viele unterschiedliche Lebensräume auf kleiner Fläche
Blühflächen können auch gut mit anderen Biodiversitätsmaßnahmen kombiniert werden, beziehungsweise ineinander übergehen. Eine südexponierte Trockenmauer am Rande einer vollsonnigen Ruderalfläche, Totholz als Strukturelement und Lebensraum in einer Staudenpflanzung oder eine Benjeshecke als Übergang von Gehölzrand und Blühwiese… . Der Maßnahmenkatalog „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ gibt einen fundierten Überblick über die möglichen Maßnahmen und für welche Flächen sie sich eignen. Zum Katalog
Unterstützung aus dem Netzwerk für die Anlage von Blühflächen und anderen Biodiversitätselementen
- Workshops zur Anlage von Blühflächen oder anderen Biodiversitätselementen können Urbane Gemeinschaftsgärten über uns buchen. Bitte meldet euch frühzeitig – am besten noch vor Weihnachten für einen Workshop im Frühjahr bei Ruth Mahla: info@urbane-gaerten-muenchen.de
- eine genaue Beschreibung der Anlage der verschiedenen Blüh- und anderer Biodiversitätsflächen mit vielen weiteren Tipps findet ihr in „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“. Zum Katalog.
- Falls ihr nicht selbst tätig werden wollt: Bei Naturgarten e.V. findet ihr eine Liste der Fachbetriebe, die sich auf die Anlage von Naturgärten und Biodiversitätsstrukturen spezialisiert haben: https://naturgarten-fachbetriebe.de/karte/.
- Aber auch beim Bau- und Gartencenter um die Ecke findet ihr oft Unterstützung in Form von Geräten und Maschinen zum Ausleihen.
- Die Biodiversitätsberatung der Stadt München berät euch bei euren Vorhaben und gibt Auskunft über Fördermöglichheiten. Die Website zum Förderprogramm Biodiversitätsbausteine und der Biodiversitätsberatung erreicht ihr hier: muenchen.de/biodiv-foerdern; muenchen.de/biodiv-beratung.
- Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. bietet eine Umwelt- und Biodiversitätsberatung und unterstützt mit Saatgut und Pflanzaktionen. Telefonische Biodiversitätsberatung: Tel.: 089 / 51 56 76 – 66 , Mi. 9:00 Uhr bis 11:00 Uhr; Ansprechpartnerin: Julie Weissmann: E-mail: julie.weissmann@bn-muenchen.de
Fotos: Susan Karlebowski, Konrad Bucher, Ruth Mahla; Illustrationen: Valentina Arros;
Text zusammengestellt von Ruth Mahla
Weitere Quellen aus dem Internet:
- Landesbund für Vogelschutz: Blühflächen anlegen: https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-garten/bunte-blumen-f%C3%BCr-viele-sommer/
- Bund Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe München: Anleitung Blühflächen anlegen:https://bn-muenchen.de/wp-content/uploads/2022/04/Bluehflaeche-Anlegen-Anleitung-1.pdf
- Deutscher Verband für Landespflege: Natürlich Bayern – Insektenreiche Lebensräume: https://www.natuerlichbayern.de/praxisempfehlungen/bluehflaechen, auch als PDF: https://www.natuerlichbayern.de/fileadmin/user_upload/Praxisempfehlungen/Praxisempfehlungen_Bluehflaechen.pdf
- Naturgarten e.V.: Erfolgreiche Wiederherstellung von artenreichen Lebensräumen: https://naturgarten.org/blog/2025/10/03/erfolgreiche-wiederherstellung-von-artenreichen-lebensraeumen/
- Staudengärtnerei Gaißmayer: Stauden pflanzen nach Lebensbereichen: https://www.gaissmayer.de/web/gaertnerei/filme/pflanzenwissen/
- Bio-Staudengärtnerei Spatz: Geeignete Stauden für alle Lebensbereiche: https://www.staudenspatz.de/staudenverwendung/





