Ingwer – scharfe Knolle

Der Herbst ist häufig Erkältungszeit. Gerne greift man da auf den Ingwer mit seiner Schärfe zurück. Meist kommen die Knollen von weit her, doch gelegentlich findet man sie auch von regionalen Anbauern. Selbst im Topf ist es möglich, eigenen Ingwer zu ziehen, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.

Arzneipflanze des Jahres

Seit 1999 wird die Arzneipflanze des Jahres vom interdisziplinären Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde ausgerufen, gegründet am Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg. Seit 2026 wird die Pflanze gemeinsam mit der Gesellschaft für Phytotherapie ausgewählt.

Der Ingwer (Zingiber officinale) wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gekürt. Seine vielfältigen Inhaltsstoffe (ätherische Öle, verschiedene Scharf- und Mineralstoffe) sind Grund für seine gesundheitsfördernde Wirkung. Schon seit der Antike wird er gegen Erkrankungen von Magen, Darm und Atemwegen angewendet. Die Europäische Arzneimittel-Agentur nennt neben den traditionellen Anwendungen wie zum Beispiel Abhilfe bei Appetitlosigkeit, Linderung von Erkältungssymptomen, auch die Wirkung bei Übelkeit. Meist wird eine frische, geschnittene Ingwerwurzel verwendet, aber auch getrocknete oder kandierte Ingwerstücke kommen zum Einsatz.

Weiterer Nutzen des Ingwers

Doch Ingwer nutzt man nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Ingwer hat regelrechte Liebhaber. Die meist angenehme Schärfe lässt sich z.B. gut in herbstlichen Gerichten verwenden wie Kürbissuppe und Currys sowie asiatischen Speisen. Für Gebäcke und Kuchen wird gerne kandierter Ingwer oder Ingwerpulver genutzt. Der Snack für zwischendurch: mit Schokolade überzogener Ingwer oder ebenfalls kandiert. Während man im Herbst und Winter Ingwertee genießt und kleine frische Stücke oder Scheiben mit heißem Wasser übergießt, ist es im Sommer das mit Ingwerscheiben aromatisierte Wasser.

Ingweranbau

Der Ingwer (Zingiber officinale) ist eine schilfartige Staude aus der Pflanzenfamilie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) mit Heimat im tropischen und subtropischen Mittel- und Südostasien (vor allem Indien, Nigeria und China). Er liebt warme Temperaturen und eine hohe Luftfeuchte und erreicht dann eine Wuchshöhe von 100 Zentimetern und mehr. Die Pflanze bildet unteririsch kräftige, horizontal wachsende Rhizome. Diese werden als „Ingwerwurzel“ oder „Ingwerknolle“ bezeichnet und besitzen eine korkige, hellbraune Außenhaut und ein leicht gelbliches Fleisch.

Gelegentlich findet man Ingwerknollen aus dem lokalen Anbau, die über den „grünen Markt“ und Hofläden verkauft werden. Dann wird er z.B. in Folientunneln angebaut. Wer seinen eigenen Ingwer anbauen möchte kann dies ausprobieren. Schneiden Sie im Frühjahr das Rhizom in 30 bis 40 Gramm Stücke mit je zwei Austriebsknospen und lassen Sie die Schnittstellen trocknen. Nun werden die Triebstücke in wasserdurchlässige Töpfe oder Kisten gepflanzt und dünn mit dem Pflanzsubstrat bedeckt. Wichtig ist nun ein warmer und windgeschützter Standort, möglichst ohne direkte Sonneneinstrahlung. Da es der Ingwer feucht mag, kann zu Beginn das Gefäß mit einer Folie bedeckt werden. Aufgrund der nötigen Wärme und Bodentemperatur von 20 Grad stellt man ihn oft erst Ende Mai oder im Juni ins Freie. Nach etwa vier Monaten ist dann eine kleine Ernte möglich. Wenn die Temperaturen dauerhaft unter 10 bis 15 Grad Celsius sinken, aber spätestens, wenn Nachtfröste drohen, muss der Ingwer geerntet werden. Die Rhizome lassen sich dabei ganz einfach am Laub aus den Kisten herausziehen. Danach werden sie gewaschen und das Grün bis auf fünf bis zehn Zentimeter abgeschnitten. Ingwer ist zudem eine attraktive Grünpflanze, sodass es sich allemal lohnt den eigenen Ingweranbau zu wagen.


(Quelle: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)


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