Hitze, Trockenheit und Starkregen: Klimaanpassung in den Urbanen Gärten

Dieses Jahr 2026 zeigt uns auf ziemlich dramatische Art und Weise: Die von der Klimawissenschaft seit über 30 Jahren prognostizierten Änderungen finden in München schneller und heftiger als erwartet statt:

  • Niederschlagsabnahme und erhöhtes Trockenheitsrisiko im Frühjahr
  • Kontinuierliche Erwärmung mit erhöhter Hitzebelastung im Sommer
  • Mehr Sommer- und Hitzetage, anhaltende Trocken- und Hitzeperioden im Sommer
  • Lange Trockenperioden unterbrochen von heftigen Starkregenereignissen im Sommer

Anpassung an länger dauernde Perioden mit ausgeprägter Sommertrockenheit

  • Verschattungen bauen oder pflanzen: Auch nur mit ausrangierten Regenschirmen können für die heißen Tage empfindliche Kulturen vor Sonnenbrand geschützt werden. Professionellere Lösungen findet man im Klimawandelgarten in der Ludwigstr. 2 . Unbedingt vorbeischauen und/oder eine Führung buchen
  • Gute Bodenpflege sorgt für gesunde und lebendige Böden mit ausgeprägter Krümelstruktur. Je tiefgründiger die Böden und je höher der organische Anteil und die Lebendverbauung in einem Gartenboden, desto besser ist auch die Wasserspeicherung im Porenraum.
  • Der organische Anteil im Gartenboden kann mit verschiedenen Methoden, die man auch kombinieren sollte, erhöht werden: Mulch – Flächenmulch – Kompost – Gründüngung – ausgewogene Mischkulturen und angepasste Fruchtfolge mit dauernder Bodenbedeckung – Wurzeln stehen lassen – Beikräuter dulden, wo möglich.
  • So wenig Bodenbearbeitung wie möglich – Umgraben nur bei schweren und problematischen Böden, sonst nur lockern und das stabilisierte Gefüge mit den Kriech- und Wurzelgängen wenig stören
  • Mehr hacken – weniger gießen: Wenn die wasserführenden Bodenkapillaren durch das Hacken unterbrochen werden, verdunstet weniger Wasser aus dem Boden. Best practice: Erst hacken, Grüngut liegen lassen, Wurzeln stehen lassen und dann noch zusätzlich dick mulchen!
  • Verdichtungen (Betreten) vermeiden, dort wird viel weniger Wasser gespeichert
  • Kalkversorgung überprüfen
  • Mit frühen Kulturen deren höchster Wasserbedarf im Mai und Juni liegt, kommt man der Trockenperiode zuvor. Dazu gehören Erbsen, Puffbohnen und alle anderen Frühgemüse.
  • Früh gesäte Kulturen mit Pfahlwurzel (Pastinaken, Wurzelpetersilie, Rote Bete) wurzeln tief und versorgen sich lange Zeit selbst.
  • Für den Staudengarten Arten mit geringem Wasserbedarf im Sommer wählen.
  • Rasenflächen, die im Sommer grün bleiben sollen, brauchen viel Wasser. Deswegen Extensivrasen den Vorzug geben, die dann im Sommer braun werden dürfen – oder noch besser: biodiverse Blühwiesen anlegen. Wenn man doch mähen möchte: Nie ganz kurz schneiden – Mindestens 6 – 8 cm lang lassen, damit sich die Gräser beschatten können.
  • Auch Gehölze, Obstbäumme, Beerensträucher nicht übermäßig auslichten, damit Verschattung gewährleistet bleibt.
  • Standortangepasste Pflanzen aus ökologischem Anbau sind an Boden und vorherrschende Klimaverhältnisse vor Ort optimal angepasst und deshalb widerstandsfähig. Sie brauchen weniger Pflege und Wasser.
Sonnengarten-Collage mit 4 Bildern
Sonnengarten Solln: Üppiges Wachstum am Rande von Blätterdächern oder Regenschirmen

Tipps bei häufigen Starkregenereignissen

  • Alle oben genannten Bodepflege-Maßnahmen wirken auch gegen Erosion. Der Boden sollte als unser wichtigster Wasserspeicher erhalten werden – und das kann er nur leisten, wenn seine Krümelstrukur mit der riesigen inneren Oberfläche erhalten bleibt.
  • Zisternen, Regentonnen und wasserspeichernde Senken oder Miniteiche speichern überschüssiges Wasser für Trockenzeiten. Sie helfen auch bei der Entlastung unserer Abwassersysteme und unserer Gewässer. Sickerbeete können zudem große Hitze abmildern, denn sie produzieren Kühle durch Verdunstung.
  • Eine (leichte!) Umformung des Bodenreliefs zur Lenkung des Niederschlagswassers, z.B. etwas vertiefte Baumscheiben oder Sammel-Rinnen auf Hügelbeeten hält das Wasser besser auf der Fläche. Der Starkregen schwemmt ungeschützte Flanken von Dämmen oder Wällen leicht weg, die oberste fruchtbare Bodenkrume wird mit dem Wasser auf die Wege gespült und geht verloren, wenn die Wege kein Wasser aufnehmen können. Versiegelte Wege zwischen hügeligen Beeten sollten deswegen tabu sein. Dazu zählt auch Rindenmulch oder dicke Schichten an Holzhäcksel. Rasen- oder Erdwege nehmen das abgespülte Wasser besser auf – nichts geht verloren.

Tipps für längere Vegetationsperioden

Der „verlängerte“ Sommer sorgt in Kombination mit der nach den ersten Herbstregen oft erhöhten Bodenfeuchte für einen erhöhten Humusabbau und somit auch zu einer stärkeren Stickstofffreisetzung im Herbst

  • Beete sollten mit Gemüsekulturen oder Gründüngung bis weit in den Winter hinein genutzt werden. Sie verbrauchen den aus Humus und aus Wurzelresten freigesetzten Stickstoff.
  • Auch hier gilt: es sollte möglichst wenig Bearbeitung erfolgen, um die Bodenstruktur zu erhalten und Nährstoffverluste zu minimieren
  • Typische Herbstkulturen werden nicht mehr für die Ernte Anfang Oktober, sondern oft erst zur Ernte im November geplant.
  • Im Hoch- und Spätsommer sollten nochmals Blatt-, Kohl- und Wurzelgemüse bis zum Jahresende geplant werden. Dazu gehören Herbstsalate wie Radicchio und Zuckerhut, Chinakohl, Rettiche
  • Bei frühen Kälteeinbrüchen und Frostnächten können die Kulturen mit einem Vlies geschützt werden. Das gilt nicht für Tomaten, Kürbis, Zucchini, die sich meist mit Vlies nicht zuverlässig schützen lassen.
  • Anstelle des Umgrabens gewinnt die Einsaat von Gründüngung (oder auch überwinternde Gemüse) an Bedeutung.
  • Mit den durchschnittlich erhöhten Temperaturen bleibt auch der Boden ganzjährig wärmer – Bodenbearbeitung und damit Bodenbelüftung wirkt im wärmeren Boden stärker als früher in Richtung Humusabbau. Auch deswegen gewinnen die verschiedenen Techniken des Humusaufbaus, v.a. das Mulchen, zunehmend an Bedeutung.

Text und Bilder: Ruth Mahla


Ratgeber des MünchnerUmweltinstituts: „Dein Klima Garten – Klima in der Krise – Gärten im Wandel

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