In Frieden mit der Erde leben – Erdfeste feiern

Die diesjährigen Erdfeste finden vom 19. Juni bis einschließlich 29. Juni, dem Internationalen Erd-Charta-Tag, statt.

„Seit 2018 finden jedes Jahr im Frühsommer, rund um die Sommersonnenwende, Erdfeste statt. Organisationen und Einzelpersonen laden dazu ein, der Erde unsere Dankbarkeit zu zeigen, unsere Verbindung mit ihr zu spüren und miteinander in Austausch zu kommen. Was wir feiern und was wir bewusst würdigen, das schützen wir auch – und genau darin liegt die Kraft regenerativer Systeme.
Erdfeste schaffen einen Raum, in dem unser Umgang mit unserer Erde und dem Boden wieder ins Bewusstsein rücken.  In diesem Jahr stehen die Erdfeste unter dem Motto In Frieden mit der Erde leben. Wir erleben derzeit auf vielen Ebenen Konflikte – zwischen Menschen, zwischen Nationen und ebenso in unserem Verhältnis zur Natur. Wir „bekämpfen“ Schädlinge und Unkräuter, als stünden wir im Krieg mit unserer eigenen Lebensgrundlage. Unser Umgang mit dem Boden spiegelt wider, wie wir miteinander umgehen, alles ist mit allem verbunden. Frieden beginnt dort, wo wir aus dem Kampf aussteigen und anfangen, wie unsere lebendige Mitwelt zu denken: in Symbiosen. In Gemeinschaften. Verbunden. Die Erdfeste bieten einen gemeinsamen Raum hierfür.  Wir freuen uns auf Eure vielfältigen kreativen, inspirierenden und praktischen Ideen, dieser Haltung Gestalt zu verleihen.“ Quelle: https://gesunder-boden.de/erdfeste

Erdfeste – wie gemacht für Urbane Gemeinschaftsgärten

Erdfeste werden weltweit und in vielen Initiativen, Organisationen und Bewegungen gefeiert – für Urbane Gärten sind sie eine wunderbare Gelegenheit, sich auf die Grundlagen unseres Lebens und unseres Schaffens in den Gärten zu besinnen. Wir wollen unseren Umgang mit der Erde – den ganzen Globus und unseren Stück Boden, das uns anvertraut ist – wieder ins Bewusstsein rücken – in der Gemeinschaft der Mitgärtner*innen und Nachbar*innen.

Bei der IG-Gesunder Boden könnt ihr eure Erdfeste in eine interaktive Karte eintragen und erfahren, wie andere Initiativen- und Gemeinschaften das Erddfest feiern.

Kündigt jetzt Euer Erdfest an unter: www.gesunder-boden.de/erdfeste

Komposttee – eine stärkende Praxis zum Erdfest

Fass_Komposttee
Fass für Komposttee

Mitte Juni sind die Gärten in schönster Blüte und voller Frucht – aber auch durch die ersten Hitze- und Trockeperioden erschöpft. Oft sind die Böden – auch wegen nicht optimaler Gießpraktiken – ausgelaugt und müssen für die Fruchtentwicklung nachgedüngt werden. Zur Stärkung der Pflanzen und des Bodens in der Saisonmitte kann man mit besonderer Bodenpflege, wie dem Anrühren und Ausbringen von Komposttee das Bodenmikrobiom anregen und gleichzeitig ein besinnliches Fest im Garten veranstalten.

Ausbringen Komposttee
Ausbringen Komposttee im StadtAcker (2021)

Komposttee enthält viele nützliche Mikroorganismen und wachstumsfördernde Stoffe. Das „Impfen“ des Gartenbodens mit den erwünschten Bakterien fördert die biologische Aktivität und unterstützt ein gesundes Gleichgewicht der unterschiedlichen Mikrobenarten. Das Besprühen der Pflanzen mit dem verdünnten Tee stärkt die Abwehrkräfte und wehrt Schädlinge ab – z.B. werden echter und falscher Mehltau und Grauschimmel an der Ausbreitung gehindert. Zusätzlich werden Nährstoffe und Mineralien direkt über die Blattoberfläche aufgenommen. Der Komposttee wirkt aber nicht als Direktdünger im Boden – dafür kann man zeitgleich Jauchen einsetzen.

Am Besten verdünnt man den Tee 1: 5 bis 1:10 mit Regenwasser – aber auch Brunnenwasser kann genutzt werden, wenn man es sich an der Sonne erwärmen läßt und möglichst viel rührt. Im StadtAcker am Ackermannbogen haben wir eine besinnliche Zeremonie daraus entwickelt: Die Gärtner*innen treffen sich zum Rühren und 2 Tage später wird dann erst der Tee ausgebracht. Anschließend gibt es natürlich ein Gartenfest – und Boden, Pflanzen und Gärtner*innen können gestärkt in den Sommer starten!

Für die Herstellung des Komposttees ist reifer Gartenkompost am Besten. Ein Mischverhältnis von ca. 1:10 – 20 ist praktikabel und hat sich aus meiner Erfahrung bewährt. Also 10 – 20 Liter Wasser auf einen Liter reifen Kompost – gut abgelagerter Kuhmistkompost hat die idealste Mikrobenzusammensetzung, aber auch Grünkomposte und Wurmhumus ergeben guten Komposttee.

Als zuckerhaltige Nährlösung für die Mikroben ist Melasse (aus dem Bioladen) am geeignetsten. Sie ist voller Spurenelemente, löst sich gut auf und wirkt nicht antibakteriell wie Honig.

Je mehr Sauerstoff durch das Rühren erzeugt wird, desto besser können sich die aeroben Bakterien vermehren – wenn es anfängt zu schäumen, ist das das Zeichen, dass sie sich milliardenfach vermehren. Außerdem werden weitere wichtige Stoffe wie Kieselsäure besser gelöst.

Wer will, kann noch weitere Zusatzstoffe zu dem Gemisch hinzufügen – es gibt auch sog. Aktivator-Sets zu kaufen, die meistens Bentonit, Urgesteinsmehl, Algenkalk – manchmal auch Pflanzenkohle enthalten.

Wer gerne in so eine Zeremonie reinschnuppern möchte, ist herzlich eingeladen am Mittwoch, den 24. Juni im StadtAcker dabei zu sein. Weitere Infos zum Erdfest im StadtAcker mit Komposttee-Herstellung und einem Jauchen-Workshop findet ihr hier


Text: IG-Gesunder Boden, Ruth Mahla; Fotos: Ruth Mahla