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Ökologische Pflanzenzüchtung on farm

Urban Ewald und Julian Jakobs von der Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof erklären den holistischen Ansatz ihrer engagierten Arbeit der ökologischen Kulturpflanzenentwicklung: „Die Saatgutarbeit ist eingebettet in den biologisch-dynamischen Hoforganismus: Die Tierhaltung, die Fruchtfolge, die Präparatearbeit, nicht zuletzt das Miteinander der Hofgemeinschaft – der Hof als lebendiger Organismus kann sich in die Entwicklung der Kulturpflanzen einprägen. So entsteht Qualität!

Ein weiterer Vorteil der on farm – Züchtung ist die enge Zusammenarbeit mit dem Produktionsanbau der Gärtnerei Obergrashof. Ob Fenchel, Möhre, Blumenkohl oder Spinat: Die großen und professionell geführten Bestände der Gärtnerei ermöglichen uns eine gründliche und effektive Selektion von Elitepflanzen sowie die direkte Prüfung unserer Zuchtlinien im Vergleich mit handelsüblichen Sorten. Durch diese Verknüpfung besteht ein stetiger Austausch mit den Anforderungen des praktischen Anbaus. Die Berücksichtigung von Umwelteinflüssen wie Bodenverhältnisse, Düngungsniveau und Wetterlage bildet einen weiteren Grundpfeiler unserer Züchtungsarbeit.

Neben klassischen agronomischen Eigenschaften wie Ertrag und Widerstandsfähigkeit ist uns eine hohe Ernährungsqualität ein Anliegen. Daher legen wir in der Züchtung einen Fokus auf guten Geschmack und innere Lebendigkeit unserer Sorten zur Ernährung des Menschen auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene.“

Weiterlesen auf der Website der Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof e.V.

Dort gibt es viele wertvolle Inhalte für Gärtner*innen: Erklärungen zu samenfesten Sorten, der engagierten Saatgutarbeit und dem Förderprojekt „ÖkoSaat – Vom Samenkorn bis auf den Teller“.

Bitte lest dazu auch den Artikel Samen für die Zukunft auf unserer Website.


Was steht auf dem Spiel?

Derzeit verhandeln die EU-Mitgliedsstaaten, das EU-Parlament und die Kommission im sogenannten Trilog-Verfahren noch über den umstrittenen Entwurf der künftigen Regulierung.

Die EU-Kommission schlägt vor, dass Pflanzen aus Neuer Gentechnik künftig ohne verpflichtende Risikoprüfung und durchgehende Kennzeichnung in die Umwelt freigesetzt und vermarktet werden dürfen. Dabei stützt sie sich auf Argumente und Kriterien, die wissenschaftlich nicht begründet werden können. Hauptargument ist, dass es wegen der Klimakrise keine Alternative gäbe ….

Julian Jakobs und Urban Ewald setzen auf Aufklärungsarbeit für ein größeres Publikum, denn vielen ist es gar nicht bewußt, was auf dem Spiel steht und dass wir diese immensen Risiken einer in ihren mittel- und langfristigen Auswirkungen noch gänzlich unerforschten und unverstandenen Technik nicht eingehen müssen.

Es gibt sehr gute Alternativen! Kurz erklärt in diesem neu produzierten Kurzfilm:

Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof – Saatgut für morgen

Hintergrund

Es gibt eine gewisse Chance, dieses für die unabhängige Biolandwirtschaft fatale neue Gesetz zu verhindern, da ein von der deutschen Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt, dass die geplante Deregulierung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT) internationalem Recht widerspricht.

Das „Cartagena Protokoll über die biologische Sicherheit“ ist seit 2003 in Kraft und legt international verbindliche Standards für Risikobeurteilungen, Anmelde- und Mitteilungspflichten, sowie Kennzeichnungsvorgaben fest. Ziel ist es, die Sicherheit von Mensch und Umwelt zu gewährleisten. Das Protokoll wurde im Rahmen des Internationalen Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD) beschlossen und ist sowohl für die EU als auch für alle ihre Mitgliedsstaaten verbindlich.

Befürworter neuer gentechnischer Verfahren behaupten, dass die neuen Methoden, wie CRISPR/Cas und Genom-Editing keine herkömmliche Gentechnik, sondern den konventionellen Züchtungsmethoden „gleichwertig” sind. Dazu gibt es aber ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichtes Rechtsgutachten:

„Demnach ist die NGT eine moderne Biotechnologie, die natürliche Genvererbung umgeht, und daher dem völkerrechtlichen Cartagena-Protokoll unterliegt. Die Abschaffung der Kennzeichnungspflicht von Produkten aus Neuer Gentechnik, wie im aktuellen Gesetzesentwurf gefordert, wäre deshalb auch eine Verletzung des Völkerrechts über die biologische Sicherheit und biologische Vielfalt.“ (Tina Andres)

Drei Forderungen des BÖLW

  • Beibehaltung der Kennzeichnungspflicht für NGT-Organismen vom Acker bis zum Teller.
  • Regeln für eine Koexistenz, die es möglich machen, sicher ohne NGT zu produzieren – etwa durch Standortregister und Abstandsvorschriften.
  • Beschränkung der Patentierung von NGT, um den Züchtungsfortschritt nicht auszubremsen, die Monopolbildung des Saatgutmarkts aufzuhalten – und damit zu vermeiden, dass Lebensmittel am Ende teurer werden

Für die Biolandwirtschaft und für die gesamte gentechnikfreie Produktion steht deshalb einerseits ihre Existenz auf dem Spiel – und darüber hinaus – meiner Meinung nach – für die Menschheit der Genpool dieses Planeten.


Quellen:

Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof e.V.: https://kulturpflanzenentwicklung-obergrashof.de/

Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft in Unabhängige Bauernstimme, 07.05.25: https://www.bauernstimme.de/news/details/gentechnik-trilog-interessen-von-landwirten-zuechtern-und-buergern-ueber-konzerninteressen-stellen

IG-Saatgut aktuell: https://www.ig-saatgut.de/aktuell/plaene-zur-deregulierung-widersprechen-voelkerrecht


Zusammenstellung und Fotos: Ruth

Aussaatzeit für Zweijährige

Viele Gartenliebhaber ziehen ihre Pflanzenlieblinge selbst an, oft auch Zweijährige. Diese wachsen im ersten Jahr und blühen im nächsten. Jetzt ist für sie Aussaatzeit, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.

Muskatellersalbei in Bluete
Muskatellersalbei in Blüte, Foto: Ruth Mahla

Viele Frühlingsblüher gehören dazu wie Stiefmütterchen, Hornveilchen, Goldlack, Gänseblümchen, aber auch die sommerblühenden Bartnelken, Fingerhut, Muskatellersalbei und Stockrosen.

Sät man Ende Juli oder Anfang August aus, bilden die Pflanzen bis zum Spätherbst noch eine Rosette bzw. bestocken sich gut, um dann ab Frühjahr zur Blüte zu kommen. Neben der Direktsaat ins Gartenbeet ist es auch möglich Kisten und Balkonkästen zum Aussäen zu verwenden. Die Saatfläche muss für eine erfolgreiche und zügige Keimung feucht gehalten werden, was bei der trockenen und heißen Witterung nicht einfach ist. Eine Abdeckung mit Sackleinen, Jute oder Vlies hat sich bewährt. So hält sich die Bodenfeuchtigkeit besser und ein Gießen ohne Verschlämmung des Bodens ist möglich, indem nur das Gewebe feucht gehalten wird. Erscheinen nach 10 bis 14 Tagen die Keimlinge, muss das Gewebe abgenommen werden.


Text: Isolde Keil-Vierheilig, Bayerische Gartenakademie, Bayerische Gartenakademie

Vermehrung von Wildpflanzen

Logo BioDivHubs

Am 13. März am Ackermannbogen

Referent*innen:

Konrad Bucher, BioDivHubs-Projekt

Barbara Prosiegel, Staudengärtnerei StaudenSpatz in Oberhausen in Oberbayern

Wir alle wollen etwas für die Biodiversität in unseren Gärten und Quartieren tun, Beete und Balkone mit einheimischen Wildstauden bepflanzen – über 60 Balkongärtner*innen üben sich am Ackermannbogen schon seit einem Jahr in der Pflege der „schönen Wilden“.

Und ist man erst in eine Pflanze verliebt, und hat man beobachtet, wieviele Insekten sie anzieht, will man sich unbedingt mit ihr umgeben – auf dem Balkon, im Gemeinschaftsgarten, überall im Viertel… Nur – oft gibt es die Wildform, die ursprünglich in unserer Region vorkommt gar nicht mehr zu kaufen, und wenn doch, dann oft nicht in Bioqualität.

Der gegenwärtige Wildpflanzen-Boom übersteigt oft die Kapazitäten der wenigen spezialisierten Gärtnereien. Außerdem hat das Vermehren von Pflanzen, die sich an ganz besondere Standorte, wie z.B. einem Balkon angepasst haben viele Vorteile: Wir erhalten eine gewisse Auslese, die zum Beispiel mit engen Töpfen, Trockenheit und Hitzestress gut zurecht kommen.

Deswegen haben die Verbundpartner vom BioDivHubs-Projekt – Konrad Bucher vom MUZ und Stadtackerkoordinator – Monika Egerer, Inhaberin des Lehrstuhls Produktive Urbane Ökosysteme an der TUM und ihr Mitarbeiter David Schoo – beschlossen, in die Samengärtnerei einzusteigen, um das benötigte Saatgut und die gewünschten Jungpflanzen selbst zu produzieren. In einem Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Mingas Permadis von David Schoo dürfen die Pflänzchen heranwachsen, bis sie auf den Projektflächen benötigt werden. Damit möglichst viele Gärtner*innen lernen, wie man die wertvollen Wildpflanzen selbst vermehrt, fand am Ackermannbogen ein Workshop statt, zu dem Barbara Prosiegel vom „Stauden Spatz“ als Expertin eingeladen war. Seit 2016 ist die auf heimische Wildstauden spezialisierte Biogärtnerei ein zertifizierter Fachbetrieb für naturnahes Grün und der Wildstaudenproduktion.

An 3 verschiedenen Stationen konnten wir das Aussäen, Pikieren und Teilen üben, und bekamen viele, wertvolle Tipps, damit die Vermehrung und Pflege der schönen Wilden auch gut gelingt.

Station 1: Ansaat

Gleich zu Anfang wurde mir an dieser Station klar, wie viel ich immer falsch gemacht habe: Bevor wir die magere Anzuchterde in die Schalen geben, werden diese gut gesäubert und desinfiziert – die Erde wird sehr eben und gleichmäßig verteilt und dann mit einem extra Brettchen fest angedrückt. Die Etiketten mit den Infos zum Saatgut werden sorgfältig angebracht – erst dann kann – nicht zu dicht – gesät werden. Die Saat wird dann mit etwas Erde und entweder feinen Blähton oder Lavagranulat abgestreut, nochmal angedrückt und angegossen. Auf diese Weise ist für alle Samen ein guter Bodenschluss garantiert.

Station 2: Pikieren

Das Pikieren ist ein Geduldsspiel, die langen Würzelchen darf man einkürzen, damit sie in die Töpfe passen.

Station: Stauden Teilen

Viele Wildstauden dürfen mehrfach geteilt werden: Dabei kann man die Wurzeln stark einkürzen.

Saatgut lagern

Saatgut soll man kühl und trocken lagern, am besten zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Beim Säubern und Öffnen von Schoten auch auf Tierchen achten und diese rauskrabbeln lassen. Die beste Verpackung sind Papiertütchen – das Milieu muss wirklich ganz trocken sein. Plastik eignet sich gar nicht.

Ganz wichtig: Saatguttütchen sehr gut beschriften! Nein – man merkt sich meistens doch nicht welcher Same zu welcher Pflanze an welchen Standort gehört. Auch das Sammeljahr nicht vergessen – Saatgut verliert mit den Jahren an Keimfähigkeit.

Saatgut sammeln

Idealer Zeitpunkt zum Ernten und Sammeln von Samen ist ein trockener sonniger Vormittag, nicht zu früh, so dass kein Tau mehr die Pflanzen benetzt.

Um sicherzugehen, dass man das ideale Reifestadium erwischt, kann man dieselbe Pflanze zu verschiedenen Zeitpunkten beernten. Man sollte immer nur soviel nehmen, wie man wirklich braucht und unreifen Samen die Möglichkeit zum Nachreifen lassen.

Samen mit Fruchtfleisch sollte man vorsichtig freilegen und die Reste entfernen.

Sehr dickes Saatgut keimt besser, wenn man etwas anschmiergelt.

Da beim Projekt viel Wert auf autochthones Saatgut gelegt wird, ist neben dem Sortennamen und dem Sammelzeitpunkt auch der genaue Standortvermerk wichtig.

Unbedingt muss man die Regeln fürs Wildsammeln beachten: In Deutschland sind grundsätzlich alle wild lebenden Pflanzen geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetz steht dazu: Wildpflanzen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund ihrem Standort entnommen werden. Weiterhin steht dort aber auch: „Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“

Durch eine Abfrage in der WISIA-Artenschutzdatenbank des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kann man die besonders und streng geschützte Arten, die nicht gesammelt werden dürfen, herausfinden.

Wildpflanzen und ihr Keimverhalten

Schnell keimende Pflanzen

  • Achillea millefolium (Gewöhnliche Schafgarbe)
  • Anchusa officinalis (Gewöhnliche Ochsenzunge)
  • Artemisia (Beifuß)
  • Buphthalmum salicifolium (Ochsenauge)
  • Campanula (Glockenblumen)
  • Centaurea (Flockenblume)
  • Cichorium intybus (Gewöhnliche Wegwarte)
  • Coronilla Securigera, harte Schote aufrauen (Kronwicke)
  • Daucus carota (Wilde Möhre)
  • Dianthus (Nelke)
  • Dipsacus (Karde)
  • Filipendula vulgaris (kleines Mädesüß)
  • Fragaria vesca (Wald-Erdbeere)
  • Galium verum (gelbe Labkräuter)
  • Geranium sanguineum (Blutroter Storchschnabel)
  • Helianthemum nummularium (Ovalblättriges, Gewöhnliches Sonnenröschen)
  • Hypericum (Johanniskraut)
  • Knautia arvensis (Acker- Witwenblume)
  • Linaria vulgaris (Leinkraut)
  • Lotus (Hornklee)
  • Myosotis (Vergissmeinnicht)
  • Origanium vulgare (Wilder Majoran)
  • Salvia pratensis (Wiesen Salbei)
  • Sanguisorba officinalis / minor (Wiesenknopf)
  • Scabiosa columbaria / ochroleuca (Tauben- / Gelbe Skabiose,)
  • Silene flos-cuculi / dioica / vulgaris (Leimkraut/Lichtnelke)
  • Stachys recta (Aufrechter Ziest)
  • Tanacetum corymbosum (Ebensträußige Wucherblume)
  • Tanacetum vulgare (Rainfarn)
  • Thymus (Thymian)

Kaltkeimer

  • Ajuga genevensis / reptans (Genfer / Kriechender Günsel)
  • Alchemilla xanthochlora (Gelbgrüner Frauenmantel)
  • Angelica sylvestris (Wald Engelwurz)
  • Anthyllis (Wundklee)
  • Astragalus glycyphyllos (Süßer Tragant)
  • Astrantia major (Große Sterndolde)
  • Digitalis purpurea (Roter Fingerhut)
  • Echium vulgare (Natternkopf)
  • Eupatorium cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost)
  • Euphorbia (Wolfsmilch)
  • Filipendula ulmaria (Mädesüß)
  • Galium odoratum (Waldmeister)
  • Geum rivale (Bach-Nelkenwurz)
  • Heracleum sphondylium (Gewöhnlicher Wiesen-Bärenklau)
  • Iris pseudacorus (Sumpf-Schwertlilie)
  • Lamium maculatum / album (Gefleckte / WeißeTaubnessel)
  • Lathyrus vernus (Frühlings-Platterbse )
  • Lythrum salicaria (Blutweiderich)
  • Meum athamanticum (Bärwurz)
  • Ononis spinosa / repens (Dornige / Kriechende Hauhechel)
  • Pastinaca sativa (Pastinak)
  • Peucedanum …(Haarstrang)
  • Pimpinella major (Bibernelle)
  • Phyteuma nigrum / spicata (Schwarze / Ährige Teufelskralle)
  • Primula elatior / veris (Hohe / Echte Schlüsselblume)
  • Pulmonaria officinalis (Lungenkraut)
  • Scrophularia nodosa / umbrosa (Braunwurz / Flügel-Braunwurz)
  • Scutellaria galericulata (Helmkraut)
  • Stellaria/Rabelera holostea (Große Sternmiere)
  • Succisa pratensis (Gewöhnliche Teufelsabbiss)
  • Teucrium chamaedrys (Edel-Gamander)
  • Thalictrum flavum / aquilegiifolium (Gelbe / Akeleiblättrige Wiesenraute)
  • Trollius europaeus (Trollblume)
  • Valeriana officinalis (Baldrian)
  • Veronica officinalis (Wald-Ehrenpreis)
  • Veronica teucrium (Großer Ehrenpreis)

Gleich nach der Ernte säen

  • Aconitum (Eisenhut)
  • Astrantia major (Große Sterndolde)
  • Caltha palustris (Sumpfdotterblume)
  • Knautien (Knautia Witwenblumen)
  • Lathyrus vernus / luteus ‚Aureus‘ (Frühlings- / Hohe Gold- Platterbse)
  • Lunaria annua Chedglow (Einjähriges Silberblatt)
  • Lunaria rediviva (Ausdauernde Silberblatt)
  • Luzula nivea (Schneeweiße Hainsimse)
  • Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle)
  • Stipa (Federgras)
  • Thalictrum (Wiesenraute)

Grün ernten – weil Samen beim Reifen schnell abfallen

  • Centranthus (Spornblume)
  • Euphorbia (Wolfsmilch)
  • Knautia (Witwenblumen)
  • Pulsatilla (Kuhschelle)
  • Succisa (Teufelsabbiss)

Liste der Pflanzen und Infos: Barbara Prosiegel; Text und Fotos: Ruth Mahla


Ökologisches Saatgut

Biosaatgut ist nicht gleich Biosorte

In Gartencentern oder Baumärkten werden seit einiger Zeit auch Biosaatgut und Biojungpflanzen angeboten. Aber Achtung, meistens handelt es sich bei diesen Anbietern um Bio-Linien großer Saatgutkonzerne oder deren Tochterfirmen.

Eine biologisch gezüchtete Sorte wächst über lange Zeit auf ökologisch bewirtschafteten Böden ohne Einsatz von Chemie und mineralischen Düngern. So lernt sie, mit organisch gedüngten Böden gut zurecht zu kommen, ein stärkeres Wurzelwachstum auszubilden, ohne Hilfe von Unkrautvernichtungsmitteln heranzuwachsen und Schädlingen zu trotzen. Mit diesen Eigenschaften ist sie auch ideal für unsere urbanen Gärten. Deshalb sollten wir beim Kauf von Saatgut darauf achten, dass es aus ökologischen Züchtungsbetrieben stammt. Denn es reicht nicht, wenn auf dem Saatgut-Tütchen „Bio“ steht. „Bio“ darf sich auch Saatgut nennen, wenn die Pflanze, die das Saatgut liefert nur für eine Generation ökologisch angebaut wurde. Und noch mehr: Diese Pflanze kann unter konventionellen Bedingungen gezüchtet worden sein und somit in ihrer Biografie keine Anpassung an die Erfordernisse des Öko-Anbaus ausgebildet haben. Mehr zum Thema „samenfeste Biosorten“ findet ihr hier.

Deshalb Augen auf beim Saatgut-Kauf!

Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl an kleineren Gärtnereien und mittelständischen Betrieben, die seit Jahrzehnten kontrolliert biologisch-dynamischem oder organisch biologischem Anbau betreiben und sich mit Herzblut dem Erhalt und der Weiterentwicklung alter, regionaler Sorten verschrieben haben, sowie ökologisch gezogene Jungpflanzen, Stauden, Gehölzpflanzen, bzw. Stecklinge anbieten.

Umfangreiche Listen solcher rein ökologisch arbeitender Betriebe, wo ihr alles bestellen könnt, was ihr für euren Garten braucht, findet ihr unter dem neuen Haupt-Menüpunkt „Wissenswertes“. Dort sind alle unsere Infos & Tipps jetzt übersichtlich zusammengestellt. Zum Beispiel auch viele Adressen für echt ökologisches Saatgut und Pflanzen.

Auch unsere Link-Liste und Kurzbeschreibung der Firmen und Projekte, die sich dem Schutz des wichtigsten Kulturguts der Menschheit – unserem Saatgut – verschrieben haben, möchte ich euch empfehlen.

Wir haben in unseren urbanen Gärten die einzigartige Möglichkeit, ökologische Saatgut-Projekte- und Initiativen zu unterstützen und uns an dem Erhalt unserer regionaler Pflanzenvielvalt zu beteiligen. So sind und werden die urbanen Gärten zu biodiversen Überlebensinseln mitten in der Stadt.

Das neue europäische Saatgutrecht

Die Verhandlungen über das neue europäische Saatgutrecht gehen bald in eine entscheidende Phase: Mitte März findet die zentrale Abstimmung im Ausschuss des europäischen Parlaments statt. Der derzeitige Vorschlag der EU-Kommission ist sehr industriefreundlich, da die neuen gentechnischen Verfahren von der bestehenden
Regulierung ausgenommen werden sollen. Dies hätte weitreichende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, unsere zukünftige Ernährung und die Rechte der Bäuerinnen und Bauern haben wird.

Unter anderen arbeitet ARCHE NOAH an juristisch wasserdichten Änderungsanträgen für ein Saatgut-Recht, welches „die biologische Vielfalt fördert, die Nutzung und legale Weitergabe lokal angepasster Kulturpflanzen und deren Saatgut ermöglicht und das die Rechte der Bäuerinnen und Bauern respektiert“. Weiterlesen bei Arche NOAH

Auch der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V. (VEN) informiert regelmäßig über die aktuelle politische Situation und die laufenden Petitionen, stellt Saatgutlisten bereit und informiert in Webinaren über das Thema, speziell auch für urbane Gärtner*innen.

Hier gehts zum Veranstaltungskalender des VEN

Tipp: Dokumentarfilm „Seeds of Europe“ – Kleinstbetriebe erhalten Vielfaltssorten

Im Sommer 2023 reisten zwei Filmemacher*innen durch Europa und besuchten KleinerzeugerInnen von Vielfaltssorten in Irland, Luxemburg, Frankreich, Italien, Österreich und der Tschechischen Republik. Der künstlerisch ansprechende Film von Lennart Kleinschmidt und Lotta Schwenkert ist auf youtube zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=hj-oyEix1Q0   (mit deutschen Untertiteln)

Der Dokumentarfilm vom November 2023 zeigt, was ErhalterInnen der Sortenvielfalt tun und wie sie darüber denken. In ihrer Landessprache (mit englischen, deutschen und französischen Untertiteln) schildern sie, dass Vielfaltssorten die Grundlage unserer Ernährung darstellen und leckeres und gesundes Essen ermöglichen. Im Klimawandel bieten sie Anpassungsfähigkeit und Resilienz.


Text: Ruth Mahla