Frost hatten wir in den letzten Wochen keinen. Aber auch die Kälte hat Auswirkungen im Garten, beobachten die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie. So manches Obst hinkt im Wachstum hinterher oder hat kaum Früchte gebildet. Die Gemüsebeete werden erst jetzt mit Sommergemüse bepflanzt.



Schlechte Befruchtung und verzögertes Wachstum
Nach einer üppigen Blüte und zunächst reichem Fruchtbehang, fällt es nun auf, dass die Rispen der Johannisbeeren immer lichter werden und weniger Beeren haben. Dies sind Auswirkungen der Kälte. Auch Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt oder sehr kühle Tagestemperaturen unter 12 °C sorgen dafür, dass die Befruchtung verschiedener Obstarten nicht optimal verläuft. Es fliegen weniger Bienen und andere bestäubende Insekten. Zudem sind die Befruchtungsorgane (Pollen, Griffel und Narbe) nicht richtig ausgebildet oder der Fruchtknoten geschädigt. Sowohl Nässe wie extreme Trockenheit können das Befruchtungsergebnis ebenfalls beeinflussen. Auch jetzt können noch kleine Früchte bei schlechter Befruchtung abgestoßen werden. Hinzu kommt der Junifruchtfall, bei dem sich das Obstgehölz „putzt“, um die verbleibenden Früchte besser ernähren zu können.
Nicht nur das Obst leidet unter anhaltender Kälte. Bei Rosen fällt auf, dass durch die längere Zeit mit kalten Temperaturen manche Triebteile gestaucht sowie Blätter und Blüten verkrüppelt sind. Auch haben sich einige Blütenknospen verfärbt und sind im Wachstum stehen geblieben. Verschiedene andere Pflanzen zeigen ähnliche Symptome.
Sommerliches Fruchtgemüse erst jetzt nach draußen
Kalte Tage sowie Nächte nur knapp über null Grad sorgten dafür, dass die klassischen Sommergemüse erst seit kurzem im Beet stehen oder erst jetzt gepflanzt werden. Tomate, Zucchini, Paprika und Aubergine, Gurke, Kürbis und Melone benötigen milde Temperaturen und einen erwärmten Boden für ein zügiges Wachstum. Bei Temperaturen im niedrigen Plusbereich sterben die Pflanzen nicht zwingend ab, jedoch reagieren sie oft mit Wachstumsstockungen. Dann dauert es eine Zeit, bis sie weiterwachsen. Achten Sie deshalb besonders auf die Temperaturen und nicht (nur) auf den Kalender oder die Angebote der Gartencenter und Baumärkte.
Sonnenschäden nach Kälte
Wer selbst seine Fruchtgemüse anzieht, beginnt meist im März mit der Aussaat. Dann sind die Pflanzen spätestens Mitte Mai bereit für das Auspflanzen ins Beet. Besonders kompakt und robust werden die Jungpflanzen, wenn sie zuvor abgehärtet werden. Das heißt, sie werden tagsüber zunächst in den Halbschatten gestellt und später in die Sonne. Zudem gewöhnen sich die Pflanzen an die Luftbewegung und etwas kühlere Temperaturen. Doch die vergangenen kalten Tage ließen dies meist nicht zu. Jetzt wird es höchste Zeit für das Auspflanzen, doch es soll gleich wieder heiß und sehr sonnig werden. Nun besteht die Gefahr, dass schnell Sonnenschäden an den verhätschelten jungen Gewächsen entstehen. Besonders empfindlich reagieren Pflanzen, die vom mangelnden Lichtangebot auf der Fensterbank ins sonnige Gartenbeet gesetzt werden. Sonnenschäden können ebenfalls zu Wachstumsstockungen und Blattschäden führen wie Kälte. Versuchen Sie deshalb die jungen Pflanzen ein paar Tage zu schattieren, wenn Hitze und starke Sonneneinstrahlung erwartet werden. Wer noch nicht ausgepflanzt hat, kann die Jungpflanzen ein paar Tage im Halbschatten oder bei bedecktem Himmel abhärten. Auch die Nachttemperaturen lassen es nun problemlos zu.
Bilder: Verschiedene Autoren © Bayerische Gartenakademie;
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