Landesgartenschau 2016 in Eutin

Am Wochenende war ich in Eutin auf der Landesgartenschau, die sich auf 27 Hektar am Eutiner See und rund um das Eutiner Schloss zieht. Seepark und Schlosspark wurden dafür – teilweise nach historischen Vorlagen – neu gestaltet. Die Meinungen der BürgerInnen zu dem Preis-Nutzen-Verhältnis gehen wie immer auseinander, doch tatsächlich waren beide Parks in den letzten Jahren ziemlich ungepflegt und präsentieren sich nun wieder auf das Allerfeinste. Interessant wird sein, was nach der LGS in den nächsten Jahren mit den Anlagen passieren wird.

Der Seepark hat durch große Flächen, klare Wege und neue Blickachsen gewonnen. Die Blumenbeete sind durch Maschendrahtumrandungen vom Gänsespeiseplan gestrichen. Strandkörbe, viele Liegestühle und einige Hängematten laden zum Ausruhen ein. Für ein Bad in der wunderschönen historischen Badeanstalt am See haben die Temperaturen leider nicht gereicht.

Mit einer Elektro-Fähre können die Fußmüden vom Seepark zum Schlosspark fahren. Der Klimawandelgarten zeigt besondere Baumarten, die für zukünftige städtische Anforderungen gezüchtet werden. Im Areal der Hausgärten gestalteten Garten- und Landschaftsarchitekten auf 12 Flächen um 200 qm unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten – vom Bauerngarten bis zur Wellness-Oase (http://www.eutin-2016.de/ausstellungen/hausgaerten.html) Der Upcycling-Garten zeigt Grün in Bäckerkisten, Tetrapacks, Badewannen, Wanderschuhen sowie Gras-Sitzhocker aus Autoreifen.

Die anschliessenden sechs Kulturgärten greifen Theater, Krimi und Literatur auf (http://www.eutin-2016.de/ausstellungen/kulturgaerten.html). Pflicht ist natürlich der Freischütz von Carl Maria von Weber (in Eutin geboren). Besonders gut haben mir die „Sommergäste“ gefallen, angelehnt an das Theaterstück von Maxim Gorki. „Kultur 36“ bietet 36 Kultureinrichtungen der Stadt Pflanzwürfel mit Obstbaum, Fächern für Informationsmaterial und Sitzgelegenheit.

Über den Marktplatz mit den alten Hofgebäuden, in denen sich während der Ausstellung Blumenhallen und etwas zu viel geschmackloser Kommerz befinden, geht es zu den historischen Küchengärten – meinem absoluten Highlight der Schau (http://www.eutin-2016.de/ausstellungen/kuechengarten.html). „Im Zentrum des Schlossgartens liegt der ab 1790 nach englischen Vorbildern gestaltete, rund 1,8 Hektar große Küchengarten. Der ummauerte Nutzgarten diente über Jahrhunderte der Produktion von gärtnerischen Erzeugnissen und der Belieferung der Eutiner Hofküche. Die Industrialisierung des 20. Jahrhundert verursachten in Folge gravierende Schäden im Küchengarten (…). Letztendlich führten diese Probleme zu einer vollständigen Aufgabe der gärtnerischen Nutzung – seit den 1990er Jahren liegt das Gelände weitgehend brach.“ Im Zuge der LGS wurde dieses Gartendenkmal wiedererrichtet und alleine dies rechtfertigt allen Aufwand und Kosten. Die Küchengärten umfassen Imkerei, Hühnerhof, Apothekergarten, ein Garten nach Hildegard von Bingen und die Orangerie. Hier sind auch der Liensfelder Landhof, der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN) und die Gartenfreunde e.V. vertreten. Langfristiges Ziel: den Garten nach ökologischen Gesichtspunkten zu bewirtschaften und vergessene traditionelle gärtnerische Techniken sowie Anbau und Kultivierung historischer Obst- und Gemüsesorten einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Dazu mussten einige Sponsoren mit ins Boot geholt werden. Wir hoffen, das Ziel wird erreicht!

Die Landesgartenschau Eutin kann noch bis zum 3. Oktober besucht werden.

http://www.eutin-2016.de/