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Urbanes Gärtnern in Cuba

München_Cuba_Nachhaltige-EntwicklungDer Verein EcoMujer wurde vor fast 20 Jahren von deutschen und kubanischen Frauen gegründet. Anlass war der Wunsch, einen internationalen Austausch über Frauen- und Umweltfragen zu etablieren. Das kleine Team von EcoMujer organisierte die Vortrags-Reise von Reina Maria Rodriguez Garcia aus Cuba durch Deutschland.

Reina ist stellvertretende Direktorin der LehrerInnenausbildung in der Filiale der Pädagogischen Hochschule in Consolacion del Sur bei Pinar del Rio, Cuba sowie Projektleiterin von „Comida excelente“ – Setzlinge und SchülerInnen wachsen gemeinsam , einem Cubanischen Pilotprojekt zur Verbesserung der Ernährung.

Am 24. September konnte sie ihren Vortrag mit Unterstützung von verdi und der GEW Bayern im DGB-Haus halten. Um einen Vergleich zu der Situation in München zu ermöglichen, stellte Britta-Marei Lanzenberger Urbane Gärten und die Situation der Schulgärten in München vor.

Die Situation in Cuba ist historisch und aktuell eine ganz andere als in Deutschland. Das urbane Gärtnern ist dort ein wichtiger Bestandteil der Versorgung mit Lebensmitteln und wird von der Regierung massiv gefördert. Die meisten landwirtschaftlichen Flächen gehören dem Staat und auch in den Städten stehen viele Brachflächen für den Obst- und Gemüseanbau zur Verfügung. Landwirtschaft hatte schon immer ein hohes Ansehen in Cuba und dementsprechend wichtig wird die Wissensvermittlung über den Anbau von Lebensmitteln genommen. Schulen und Universitäten stehen im Mittelpunkt jeder Gemeinde, sie nehmen die Anregungen und Bedürfnisse der Bevölkerung auf. Reina wies auch darauf hin, dass Cuba bereits jetzt sehr unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet, so dass die Ernten wegen Trockenheit teilweise viel zu gering waren.

Britta-Marei gab einen Überblick zu den Gemeinschaftsgärten, Krautgärten, Kleingärten und Schulgärten in München – ihre unterschiedlichen Ausrichtungen, Motivationen und Möglichkeiten. Am Beispiel der Münchner Gärten der Kulturen in der Waisenhausstrasse zeigte sich die Problematik der fehlenden politischen Anerkennung und langfristigen Sicherheit (das Flüchtlingsprojekt muss aktuell einer Flüchtlingsunterkunft weichen). Bei den Schulgärten besteht nach wie vor das Problem, dass sie nicht im Unterrichtsplan verankert sind und deshalb nur funktionieren, wenn sich ein/e LehrerIn ehrenamtlich dafür verantwortlich erklärt. Die Bürgerstiftung unterstützt deshalb die GemüseAckerdemie, die vor zwei Wochen mit dem Schulgarten in der Balthasar-Neumann-Realschule begonnen hat.

Insgesamt machte der Vortrag von Reina im Vergleich zu den Möglichkeiten unserer Urbanen Gärten und der schwierigen Situation der Schulgärten uns alle etwas neidisch. Am Ende gab es noch viele interessierte Fragen und einen angeregten Austausch.

Mehr Informationen zum Verein EcoMujer
Flyer „Comida excelente“ – Setzlinge und SchülerInnen wachsen gemeinsam
Präsentation „Huerto Consolación“ vom 24. September in München

Besuch auf der EXPO 2015

Ich war auf der EXPO in Mailand, die dieses Jahr unter dem MottoFeeding the Planet, Energy for Life“ steht. Das musste ich mir natürlich angucken! Und war beeindruckt. Nicht alle Länder schafften es mit ihren Pavillons, das Thema wirklich zu präsentieren, dafür ist es einigen umso besser gelungen. Auch in zwei Tagen habe ich natürlich nicht alle Pavillons besuchen können, doch die besten möchte ich hier kurz vorstellen.

Der amerikanische Pavillon präsentiert sich aussen mit vertikalen Landwirtschaft: die gesamte Seite besteht aus beweglichen Paneelen voller Mangold, Kohl, Salatköpfen und Kräutern (die zwar stündlich automatisch gegossen werden, aber unter der südlichen Hitze doch zu leiden hatten). Innen gibt es passend zum Motto “American Food 2.0: United to Feed the Planet” viele digitale Informationen. Foodtrucks hinter dem Pavillon laden zu Hamburger ein, die Cola gibts vorher im Pavillon eiskalt und gratis.

England widmet sich ganz den Bienen. Durch blühende Bienenwiesen voller kleiner Flieger (mehr Falter als Bienen) bewegt man sich auf das Zentrum des Pavillons zu – einer begehbaren Metallkonstruktion, die an einen Bienenschwarm erinnert.

Am Pavillon von Israel wiegen sich Kornfelder im warmen Wind. Der Film im Inneren zeigt anhand mehrerer Generationen einer Familie die Entwicklung der Landwirtschaft.

Ein besonderes Highlight von Handwerkskunst und Stil ist der französische Pavillon – durch ein Labyrinth von heimischen Pflanzen spaziert man zum Eingang einer luftigen Holzkuppel, in der der Himmel voller Flaschen, Töpfen und Geschirr hängt.

Monaco zeigt sich mit Schiffscontainern, verbunden durch futuristische Verbindungen, mit grünem Dach und wunderschön blühenden Elementen.

Überall wurde mit viel Holz gearbeitet, so erinnert die Fassade des polnischen Pavillons an Obstkisten. Ebenso die Sitzgelegenheiten und die Bar.

Breathe Austria – Österreich entführt gleich komplett aussen und innen in einen kühlen, feuchten Wald – so puristisch, modern und traditionell wie es meist nur die Österreicher schaffen.

Auch der Vatikan spielt mit und erinnert an daran, dass wir nicht nur vom täglich Brot leben. Passend und stimmig zur neuen Enzyklika des Papstes.

Natürlich ganz ein Thema für SlowFood und das noch im „eigenen“ Land. Entsprechend groß präsentiert sich die Organisation, als wir dort waren, aber leider sehr unbespielt.

Und dann natürlich der Deutsche Pavillon – von aussen eher enttäuschend, geht uns urbanen GärtnerInnen im Inneren das Herz so weit auf, wie nur möglich: die ganze obere Etage ist ausschliesslich dem Urban Gardening gewidmet! Es grünt und spriesst aus allen Kisten, Tüten und Töpfen. In der unteren Etage begegnen uns alte Bekannte wie Sepp Braun und Felix Finkbeiner, also keine Promis sondern echte Aktive. Kein anderer Pavillon hat mich so berührt, denn hier hat das Land selber sich zurückgenommen und das eigentlich Thema in der Vordergrund gestellt. Gelungen!!!

Auch sehenswert: der Supermarkt der Zukunft. Hier kann man sich nicht nur wunderbar herunterkühlen sondern wirklich einkaufen und gleichzeitig einen Eindruck bekommen, wie unsere Supermärkte vielleicht mal aussehen werden (nämlich ganz schön schön…).

Große allgemeine Bereiche widmen sich verschiedenen Lebensmittelgruppen, zahlreiche Veranstaltungen, ein wirklich gutes Essensangebot, viele ruhige Ecken zum Sitzen und Liegen runden das Angebot ab. Anstrengend ist solch eine Veranstaltung natürlich immer, doch hier ist eine gute Mischung geglückt. Zwei Tage sollte man sich allerdings unbedingt Zeit für einen Besuch nehmen.

Die EXPO geht noch bis 31. Oktober und ich kann nur empfehlen: hingehen!

Webseite der EXPO:

Leitfaden zur Unterstützung von Gemeinschaftsgarten-Initiativen

Um die Entwicklung der Urbanen Gärten zu unterstützen, hat der Regionalverband Ruhr (RVR) einen Leitfaden veröffentlicht, der Flächeneigentümer unterstützt, Anfragen von Gärtnern zur Bereitstellung einer Fläche für einen Gemeinschaftsgarten zu bearbeiten.

Potentialflächen für Gemeinschaftsgärten: Ein Leitfaden zur Unterstützung von Gemeinschaftsgarten-Initiativen