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Projekt Bio-Balkon und Bio-Balkon Kongress

Das Projekt Bio-Balkon von Biogarten-Expertin Birgit Schattling gibt alle erforderlichen Tipps und Beispiele zum ökologischen Gärtnern auf kleinem und kleinsten Raum.

Mittlerweile gibt es zwei Ratgeber-Bücher, den Online Bio-Balkon Kongress, sowie Balkonkurse, Vorträge und die Präsenz-Balkonschule in Berlin, die alle Aspekte des Themas beleuchten und so zu mehr grünen, blühenden, vielfältigen Wohlfühlorten mit angenehmem Mikroklima und üppiger Ernte in der Stadt beitragen.

Der 16. Online Bio-Balkon Kongress startet am 20. März 2025 mit einer Vielzahl von Expert*innen, die kostenfrei ihr Wissen und praxiserprobte Tipps zum ertragreichen Anbau von Gemüse und Kräutern auf Balkon, Terrasse, Fensterbrett und Küchentisch, sowie zur Förderung der Artenvielfalt weitergeben.

Zur Website und Anmeldung zum Bio-Balkon Konkress

Birgits Vision ist, „dass viel mehr Menschen ihre Balkone und Fensterbretter nutzen. Jede Blüte, jeder Meter zählt zur Förderung der Artenvielfalt, Stadtnatur, Selbstversorgung und natürlich verbunden sein!“


Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung/ Copyright Birgit Schattling

Digitale Gartensprechstunde: „Saatgutvielfalt“

Termin: Mi., 29.01.2025, 18:00 – 20:00 Uhr

Ort: digital über Zoom

Veranstalter: Kleingärten für Biologische Vielfalt (www.kleingaerten-biologische-vielfalt.de)

Dozent*innen: Heidi Lorey und Yaşar Wentz vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN) möchten Euch mit ihrem Vortrag einen ersten Einblick in die Welt der Saatgutvielfalt bieten. 

Anmeldung bei:
n.lechner@deutsche-schreberjugend.de

„Auch die Saatgutvielfalt ist ein wichtiger Teil der Biologischen Vielfalt. Denn die genetische Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten trägt dazu bei, Ökosysteme stabil und widerstandsfähig zu halten. Sortenvielfalt im Kleingarten ist nicht nur wichtig, sie macht auch Spaß. So kannst Du im Kleingarten violette Bohnen, gelb-rot gestreifte Tomaten oder blaue Kartoffeln anbauen und Deinen Speiseplan erweitern. Es gibt Saatgut mit langer regionaler Tradition oder auch neu gezüchtetes Saatgut. Es gibt meist genau die Pflanzen, die gut zum Standort in Deinem Garten passen. Darüber hinaus fördert die Erhaltung von traditionellem und lokalem Saatgut die kulturelle Vielfalt und das Wissen über nachhaltige Anbaumethoden.

Neben Euren individuellen Fragen möchten wir die Zeit auch für den Austausch untereinander nutzen. Wir sind auch auf Eure Gartenerfahrungen gespannt: Welche Gartenprojekte habt Ihr vor? Welche anderen Gartenthemen interessieren Euch besonders? Bringt gerne Beobachtungen oder Fotos aus Euren Gärten mit. Wo benötigt Ihr noch Ratschläge und Tipps? Wir wollen, aufbauend auf Euren Wünschen, die Veranstaltungen so gestalten, dass Ihr Euch gestärkt fühlt, einen vielfältig blühenden und lebendigen (Klein)Garten zu gestalten.

„Kleingärten für Biologische Vielfalt“ ist ein gemeinsames Projekt vom Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. (Verbundkoordination) und dem Deutsche Schreberjugend Bundesverband e.V.. Es wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und hat eine Projektlaufzeit vom 1. August 2023 bis 31. Juli 2026.“


Foto: Erhaltungszüchtung Obergrashof; Ruth Mahla

Grüner, gesünder, wilder: Eine Realutopie zur Winterpause

Liebe urbane Gärtner*innen und Garteninteressierte,

zum Ende der Saison möchten wir euch noch eine wunderschöne und kraftvolle Zukunftsvision vorstellen, die dabei ist, sich zu entfalten und Gestalt anzunehmen.

National Park Citys

Der Grundgedanke hinter den National Park Citys ist, im urbanen Raum eine gesündere, grünere und wildere Lebensumgebung zu schaffen, meint der Initiator der Bewegung Daniel Raven-Ellison, „Guerrilla Geographer“ und leidenschaftlicher Naturschützer: „Ob auf Dächern, Balkonen oder in Gärten – Menschen haben die Möglichkeit, ihren Lebensraum gesünder, grüner und wilder zu gestalten. Jeder kann etwas dazu beitragen!“

London hat 2019 den Anfang gemacht und sich zur ersten National Park City erklärt. Adelaide folgte 2021 als die zweite National Park City weltweit. Inzwischen hat die National Park City Foundation fünf Städte als National Park Cities nominiert, darunter Glasgow und Rotterdam.

Was das für die Zukunft der Metropolen bedeuten kann, lest bitte im National Geographic – Artikel: Urbane Wildnis: Wie aus Metropolen grüne National Park Citys werden von Stephen Leahy


Bitte schaut euch auch unseren Terminkalender an: Schon ab Mitte Januar gehts wieder los mit vielen tollen Veranstaltungen rund ums ökologische urbane Gärtnern, Biodiversität und nachhaltige Lebensstile. Auch dieses gemeinsame Engagement trägt dazu bei, unsere Stadt gesünder, grüner und wilder zu machen…


Jetzt verabschieden wir uns ganz herzlich in die Weihnachtspause. Wir freuen uns schon sehr auf eine gemeinsame, spannende Gartensaison 2025. Euch allen wünschen wir nachhaltig entspannte Feiertage und ein schönes neues Jahr.

Eure urbanen Gärten München


Grafik: Adelaide National Park City; Foto: London National Park City; Text: Ruth Mahla

Anbauplanung im Gemüsegarten: Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität

Termin: Mo, 09.12.2024; 18:00 – 19:30 Uhr;

Veranstaltungsort: Green City e.V. – Büro Lindwurmstraße 88;

Dozent: David Schoo, TUM;

Logo BioDivHubs

Diese Veranstaltung richtet sich an alle Gärtner*innen, die in urbanen Gemeinschaftsgärten oder im eigenen Garten Gemüse anbauen wollen.

David Schoo von der Technischen Universität München und Mitarbeiter im BioDivHubs-Projekt, erklärt, wie Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität zusammenhängen und was bei der Anbauplanung beachtet werden sollte, um mit biologischen Methoden langfristig hohe Erträge zu erzielen. Er geht dabei besonders auf Permakultur und Anbautechniken aus dem Market Gardening ein. Verschiedene Tools und Apps werden vorgestellt, mit denen auch größere Gemüsegärten digital geplant werden können. Eine Vorlage (Exceltabelle) für die Anbauplanung des eigenen Gemüsegartens wird den Teilnehmenden zur freien Verfügung gestellt.

David ist auch Gründer von Mingas Permadies in Karlsfeld, wo er sich zusammen mit den anderen Gärtner*innen des Gemeinschaftsgartens um biointensiven Gemüseanbau bei gleichzeitiger Förderung der biologischen Vielfalt beschäftigt.

Anmeldung: bitte per Mail an: david.schoo@tum.de


Foto: Ruth Mahla

Karden und Stiglitze

Der winterliche Garten – immer noch schön und lebendig

Logo BioDivHubs

Termin: Samstag, 30. November 2024, 11:00 – 12:30 Uhr

Ort: Gärten und (je nach Wetter) Raum 2/3 im Ökologischen Bildungszentrum, Englschalkinger Straße 166,

Treffpunkt: beim Gartenhaus

Referent: Konrad Bucher, Dipl. Ing. Landschaftsarchitektur, Umweltpädagoge

Die Schönheit blühender Gärten kennen wir. Die Winterruhe bringt jetzt ihre ganz eigene Ästhetik in den Garten und birgt immer noch Leben. Viele Arten bilden haltbare Stängel und Samenstände aus, die den Vögeln Nahrung und der Insektenwelt Unterschlupf bieten. Bei einem Rundgang durch die ÖBZ-Gärten entdecken wir den optischen Reiz und die Nützlichkeit der winterlichen Flower Power und reden über eine Art des Gärtnerns, die die Förderung der biologischen Vielfalt mit dem Anspruch an Schönheit verbindet.

Anmeldung bitte beim ÖBZ


Biodiversität und ästhetisches Empfinden – ein Gastbeitrag von Konrad Bucher

„Den Garten winterfest machen“ Welche Bedeutung hat diese geläufige Redewendung eigentlich genau?
Es kommt darauf an, wen man fragt. Früher nannte man einen Gemüsegarten auf dem Land dann winterfest, wenn Sträucher und Stauden abgeschnitten, das Laub zusammengerecht und am besten noch die Gemüsebeete umgegraben waren. Ist alles ordentlich aufgeräumt und vorbereitet für das nächste Frühjahr, ist der Garten winterfest.

Naturnahe Gärten machen sich für eine andere Gartenpraxis stark. Sie verstehen den Garten nicht nur als Nutzgarten, der nach rein praktischen Kriterien funktioniert, sondern als Lebensraum für möglichst viele Insekten, Vögel und andere Gartenbewohner. Und da man weiß, dass Vögel gerne die Samen von stehengebliebenen Blumen fressen und Insekten im Schutz der Pflanzenmasse überwintern, werden die Beete eben nicht abgeräumt. Es soll möglichst viel bis zum nächsten Frühjahr stehen bleiben.

In manchen Gärten, und gerade in den gemeinschaftlich gepflegten mischen sich die unterschiedlichen Garten-Vorstellungen. Während die einen ihr Beet als Lebensinsel verstehen und zugunsten der Insekten möglichst wenig in die natürlichen Prozesse eingreifen wollen, brauchen andere eine gewisse Struktur: der Garten ist für sie ein gestalteter Ort. Das heißt, er soll schön aussehen! Was chaotisch und verwildert wirkt, wird geordnet.
Immerhin ist man sich meistens darin einig, dass der Garten ein Ort für die biologische Vielfalt sein soll. Das Bild von den Distelfinken, die im Winter die Samen aus den stehen gebliebenen Karden picken, finden zum Beispiel alle schön. Schmetterlinge mögen wir auch gerne, und wenn wir wissen, dass ihre Puppen an bestimmten Halmen überwintern – keine Frage, dann bleiben diese vertrockneten Pflanzenstängel natürlich stehen.

Aber dann endet das Vorstellungsvermögen meistens ziemlich schnell: Welche Tierchen sind es denn genau, die sich im toten Pflanzenmaterial am Leben halten? Und welche Pflanzenteile brauchen sie dafür? Samenstände, hohle Stängel, Laub…? Dass wir wenig darüber wissen, liegt in der Natur der Sache: Die Tiere verstecken sich, verkriechen sich im Schutz ihrer pflanzlichen Behausungen, wollen nicht entdeckt werden. Und uns ist es im Winter zu kalt, um geduldig nach kleinem Krabbelgetier Ausschau zu halten. Sobald wir wüssten, was da alles lebt, die Arten sogar noch mit Namen kennen würden, fiele es möglicherweise leichter, das „Chaos“ stehen zu lassen. Hat man mit eigenen Augen die winzige Ameisenspinne entdeckt, wie sie sich im Blutweiderich eingenistet hat, ist der Blutweiderich künftig nicht mehr nur totes Gestrüpp. Das Verständnis dafür, was schön ist, der Blick auf den Garten verändert sich mit solchen Entdeckungen.

Beim Rundgang durch die ÖBZ-Gärten sehen wir uns die Pflanzen unter dem Aspekt ihrer Funktion als Lebensräume an, als Teile eines komplexen Systems.
Wir lernen einige Arten kennen, die sich aufs Versteckspiel spezialisieren und angewiesen sind auf ein bisschen Chaos in den Beeten. Wie wir den Garten künftig gestalten, liegt weiterhin in unserer Hand, aber das ästhetische Empfinden kann sich nach der Bekanntschaft mit den Überlebensgeschichten verändern.


Text: Konrad Bucher, Bilder: Catherina Schroell, Ruth Mahla;