Engagierte Gartenkoordinator*innen und Anwohner*innen führen uns durch die Gemeinschaftsgärten und Biodiversitätsprojekte im Freihamer Neubaugebiet mit anschließendem Weihnachtspunsch in einem Nachbarschaftstreff.
Unser Programm
Treffpunkt Freiluftgarten, Ankommen und Begrüßung, Vorstellung Freiluftgarten
Spaziergang zum WERTfeld, Vorstelllung Wertschöpferei e.V.
Spaziergang zur Wogeno, Vorstellung Bewohner*innen-Garten und Biodiversitätsflächen
Ausklang mit Punsch im genossenschaftlichen Ute-Community-Space der Wogeno
Bei unserer Tour durchs Quartier betrachten wir die ganz eigene Ästhetik, die die Winterruhe in den Gärten mit sich bringt: Viele Arten bilden Stängel und Samenstände aus, die den Vögeln Nahrung und der Insektenwelt Unterschlupf bieten. Wir wollen uns über eine Art des naturnahen Gärtnerns austauschen, die die Förderung der biologischen Vielfalt mit dem Anspruch an Schönheit verbindet. Denn die Akzeptanz von etwas mehr Wildwuchs und Biodiversität im Viertel hängt einerseits von Information über die Zusammenhänge, aber auch von einer gewissen „Ordnung im Chaos“ ab.
Bitte warm anziehen – wir verbringen ca. 90 Minuten draussen
Diesen November fanden mehrere Workshops und Pflanzaktionen von Frühlings-Geophyten in urbanen Gärten in München und Haar statt. Pünktlich zum ersten Frost sind nun die Zwiebeln und Rhizome unter die Erde gekommen und wir freuen uns jetzt schon auf die erste Blütenpracht im nächsten Frühjahr im Generationengarten im Petuelpark, im Garten der Vielfalt der IG-Feuerwache, im Freiluftgarten Freiham und im Gemeinschaftsgarten „Haar zum Anbeißen“.
Im Rahmen des Gartenpädagogik-Workshops werden wir auch im Stadtacker am Ackermannbogen noch einen Pflanzworkshop anleiten. Es sind noch Plätze frei: Bitte jetzt unter info@urbane-gaerten-muenchen.de anmelden.
Durch den“BioDivHubs-UGM-Link“ hat das BioDivHubs-Projekt in Zusammenarbeit mit Urbane Gärten München auch die Möglichkeit, außerhalb der 4 Modellquartiere und den 15 Studiengärten der TUM, in den nicht direkt am BioDivHubs-Projekt beteiligten urbanen Gärten – Maßnahmen durchzuführen, die die Biologische Vielfalt unterstützen. So konnten wir dieses Jahr alle zusammen auch schon im neuen Gemeinschaftsgarten Kosmos unter Null viele Wildstauden pflanzen und mehrere Gartenprojekte, die mehr für Biodiversität in den Gärten und in ihren Quartieren tun wollen, beraten. Wer nächstes Jahr Workshops für mehr Biodiversität in einem urbanen Garten kostenlos buchen möchte, meldet sich bitte bei: info@urbane-gaerten-muenchen.de
Um euch zu inspirieren, selbst kleine Pflanz-Workshops in euren Gärten durchzuführen, haben wir für euch bunte Pflanzkarten mit einigen insektenfreundlichen Wildarten angefertigt. Bitte bedenkt beim Kauf nächstes Jahr, schon früh zu bestellen. Es ist wichtig, Wildarten oder ihre Varietäten, möglichst in Bioqualität zu kaufen. Damit unterstützt ihr nachhaltige Biogärtnerein und schließt aus, dass der Pollen, die erste Nahrung für viele einheimische Bestäuber, darunter auch seltene Wildbienenarten, durch systemische Ackergifte kontaminiert ist.
Diese Qualitätszwiebeln sind meist schon im Sommer ausverkauft. Vorallem die gebietseigenen Wildarten sind in den bayerischen Biogärtnereien oft nicht mehr zu bekommen, wenn man zu spät bestellt.
Wer sich genauer über die Frühlingsgeophyten und die Pflanzaktionen im ÖBZ informieren möchte, kann dazu die Artikel auf unseren Websites lesen : Infos zu den Frühlingsgeophyten hier, Pflanzaktion „Gemeinsames Pflanzen für mehr Artenvielfalt“ im Ökologischem Bildungszentrum (ÖBZ): hier. Umfassende Informationen über noch viel mehr insektenfreundliche Frühblüher findet ihr auf NaturaDB.
Bilder: Lukas Gschnitzner, Ruth Mahla; Text und Grafik: Ruth Mahla
welche Bedeutung hat diese geläufige Redewendung eigentlich genau?“ fragte sich Konrad Bucher in seinem Beitrag, den er in Vorbereitung auf die winterliche Gartenführung am 30. November 2024 in den ÖBZ-Gärten veröffentlicht hat. „Naturnahe Gärten verstehen den Garten nicht nur als Nutzgarten, der nach rein praktischen Kriterien funktioniert, sondern als Lebensraum für möglichst viele Insekten, Vögel und andere Gartenbewohner. Und da man weiß, dass Vögel gerne die Samen von stehengebliebenen Blumen fressen und Insekten im Schutz der Pflanzenmasse überwintern, werden die Beete eben nicht abgeräumt. Es soll möglichst viel bis zum nächsten Frühjahr stehen bleiben.“
Bei seinem einführenden Vortrag präsentierte uns Konrad Bucher typische Nahrungs- und Habitatpflanzen, die im Wildgarten des ÖBZ bewußt stehen gelassen werden.
…und die beim Gartenrundgang im herrlichsten Sonnenschein mit ihrer fragilen Schönheit bezaubern.
SchnittknoblauchWilde Karde und NachtkerzeKleinblütiges Weidenröschen
Alle diese Schönheiten tragen mit ihren Samen dazu bei, dass für Vögel auch im Winter der Tisch reich gedeckt ist und/oder dass Insekten in der schönen Jahreszeit Nahrung und im Winter Unterschlupf finden.
Besonders imposant sind die Wilden Karden, die wegen ihrer nahrhaften Samen gerne von ganzen Trupps von Stieglitzen besucht werden.
Foto: Catherina Schroell
Manche Tiere sind aber auch eine Herausforderung für die Gärtner*innen:
Damit die winzige Ameisenspringspinne ihr röhrenförmiges Gespinst in die dünnen hohlen Halme vom Schnittknoblauch weben und sich vermehren kann, müssen die trockenen Stängel in der kommende Garten-Saison stehen bleiben dürfen.
Foto: Anette Berger
Wer das im Garten nicht mag, kann auch einen besonderen Ablageplatz für trockene Stängel und Staudenschnitt in einer ungestörten Gartenecke einrichten, anstatt alles zu häckseln und zu kompostieren. Dadurch haben viele Lebewesen die Chance eine dauerhafte Heimat im Naturgarten zu finden.
Wildbienen
Solitär lebende weibliche Wildbienen versorgen ihre Brut im Boden, im Altholz und in hohlen Pflanzenstängeln. Die Eier werden in einzelnen Brutkammern abgelegt, mit Proviant aus Nektar und Pollen versehen und die Zellen verschlossen. Die Larven entwickeln sich bereits nach wenigen Tagen und verpuppen sich. Als Puppen überstehen sie den Winter, sofern ihre Plätze ungestört bleiben. Im Frühjahr schlüpft die neue Generation aus ihren Brutzellen heraus und freut sich über ein reichhaltiges Nahrungsangebot an frühblühenden Geophyten und Gehölzen.
Falter
Falter und Schmetterlinge überwintern je nach Art als Ei, Puppe, Raupe oder im Kokon. Einige Wanderfalter ziehen im Winter in wärmere Gefilde und robuste Arten wie der Zitronenfalter haben „Frostschutzmittel“, die es ihnen ermöglicht, als Falter auch Minusgrade zu überstehen.
Über 50 % aller Tag- und Nachtfalterarten sind auf der Roten Liste als gefährdet oder bedroht eingestuft, weil ihr natürlicher Lebensraum verschwindet. Viele Arten sind auf bestimmte Pflanzen und ihre Blüten spezialisiert, sowie viele Pflanzen die jeweiligen Falter als Bestäuber brauchen – fehlen zuviele Arten in diesem Beziehungsgeflecht, können ganze Ökosysteme zusammenbrechen. Wir können in unseren urbanen Gärten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass unsere einheimische Flora und Fauna überlebt und uns von der wunderbaren Schönheit des vielfältigen Lebens beglücken lassen. Was wäre der Sommer ohne die prachtvollen Schmetterlinge!
Der Schwalbenschwanz, unser wahrscheinlich schönster Schmetterling, liebt zum Beispiel den Gewürzfenchel. Die erste Generation klebt die Eier im Mai an die Raupennahrungspflanzen, und 8-10 Tage später schlüpfen die nach mehreren Häutungen so auffällig gefärbten Raupen. Diese verpuppen sich wenig später, wobei sie sich fest an den Pflanzenstängel anspinnen. Aus der Puppe schlüpft der prachtvolle fertige Tagfalter.
Spätere Generationen des Schwalbenschwanzes können auch als Puppe an die Pflanzenstängel angeschnürt überwintern. Deswegen ist es so wichtig, im Garten die Nahrungspflanzen der Schmetterlingsraupen im Winter stehen zu lassen.
Auführliche Informationen zu den Lebenszyklen und Überwinterungsstrategien aller heimischen Falter findet man beim BUND Rheinland-Pflalz
Ein urbaner Garten, der sich zum Naturgarten weiterentwickeln möchte und eine Lebensinsel für möglichst viele einheimische Tier- und Pflanzenarten werden möchte, sollte deswegen für Nahrung und Lebensraum das ganze Jahr über sorgen. Wer sich über die Lebensweise unserer Wildtiere näher informieren möchte, dem sei die Website der deutschen Wildtierstiftung empfohlen.
Konrad Bucher meint, dass sich mit dem Wissen um die Zusammenhänge auch das Verständnis dafür, was als schön empfunden wird, verändert – Wir schätzen und lieben nur, was wir kennnen. Ich persönlich habe noch nie anders empfunden – ich sehe in der Natur nicht das chaotische Unaufgeräumte, ich sehe die Strukturen in der Vielheit und fühle mich geborgen im vermeintlich Wilden.
Aber auch alle Gärtner*innen, die gerne etwas Ordnung im Gemüsebeet oder in der Staudenrabatte haben und auf die Vorteile eines sich im Frühjahr schneller erwärmenden offenen Bodens an manchen Stellen nicht verzichten möchten, tragen zur biologischen Vielfalt bei. Es gibt auch Arten, die von gartentypischen Pflegemaßnahmen profitieren. Auch hier kommt es auf die Vielfalt an – ein urbaner Garten sollte möglichst für alle Lebewesen einen geeigneten Lebensraum bieten – auch für die Menschen, die ihn pflegen.
Eine Ausstellung zur biologischen Vielfalt im Quartier
Vernissage im SchauRaum: 19. November 2025, 19 Uhr;
Weitere Öffnungszeiten nach Vereinbarung
Die Ausstellung zeigt dokumentarische und künstlerische Beiträge, mit denen wir Natur in der Stadt sichtbar und erlebbar machen wollen.
Schon im letzten Jahr präsentierten wir Bilder von heimischen Wildpflanzen, die von der Nachbarschaft auf Balkonen gepflegt werden. Dieses Jahr kommen neue Fotos hinzu – von Pflanzen und Insekten, von Aktionen im öffentlichen Raum und von Druckgrafiken aus einer Kunstaktion.
Die fotografische Sammlung dient auch einer Untersuchung zur Stadtnatur, die von der TU München durchgeführt wird. Neben dem wissenschaftlichen Blick entdecken wir die Schönheit dieser Naturerlebnisse – sie können inspirieren und motivieren, sich für mehr Artenvielfalt in der Stadt einzusetzen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den künstlerischen Arbeiten zur Insektenvielfalt, die bei der Rewilding-Aktion am 11. Oktober entstanden sind.
So entsteht ein vielschichtiger Blick auf das „wilde Leben“ zwischen Häusern – gemeinsam gestaltet, kreativ interpretiert und wissenschaftlich begleitet.
Der SchauRaum am Ackermannbogen ist mit der Tram 27 bis Herzogstr., oder dem Bus 59 bis Ackermannbogen Stadtplatz zu erreichen
SchauRaum Therese-Studer-Str. 9 Rückgebäude am Fußweg 80797 München
Der Zugang ist barrierefrei, der Raum selbst leider nicht.
Einladung zu unserem Symposium: „Biodiversität denken“
Ort: Ökologisches Bildungszentrum (ÖBZ), Englschalkinger Str. 166, 81927 München
Termin: Freitag, 14. November 2025, 9:30 – 16:30 Uhr
„Welchen Blick haben wir auf Biodiversität? Das Symposium lädt dazu ein, biologische Vielfalt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten: philosophisch, ästhetisch, ökologisch und künstlerisch. Wir stellen uns der Frage, wie wir aus verschiedenen Blickwinkeln gemeinsam Wege für eine lebendige Stadtnatur entwickeln können, die nachhaltig wirken und hohe Akzeptanz erfahren. Wir starten mit einem Impuls von Prof. Dr. Benjamin Rathgeber, Hochschule für Philosophie München. Nach diesem Impuls erwarten Sie Beiträge weiterer Expert*innen, kreative Workshops, Austauschformate und eine spielerische Annäherung an das Thema.