Wildgemüse erfreut sich zunehmender Beliebtheit: Es wächst in bester Bio-Qualität vor unserer Haustür und liefert wertvolle Inhaltsstoffe für eine gesunde Ernährung. Gleichzeitig sind diese heimischen Wildpflanzen wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.
Um diese besondere Verbindung von Gesundheit und Naturschutz kennenzulernen, bepflanzen wir am Ökologischen Bildungszentrum ein Beet mit über zwanzig mehrjährigen, gartentauglichen Wildpflanzenarten. Wir entdecken ihre Verwendungsmöglichkeiten in Küche und Hausapotheke und lernen ihre Bedeutung für die biologische Vielfalt kennen. Gemeinsam legen wir das neue Schaubeet an und schaffen einen Ort, der Mensch und Tier gleichermaßen zugutekommt. Workshop im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ in Zusammenarbeit mit dem Zertifizierungslehrgang „Praktisches Kräuterwissen“ der Münchner Volkshochschule.
Veranstalter:
MUZ im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ in Zusammenarbeit mit dem Zertifizierungslehrgang „Praktisches Kräuterwissen“ der MVHS.
DozentIn:
Christine Nimmerfall, Konrad Bucher
Veranstaltungsort:
Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ), Englschalkinger Straße 166, 81927 München
Kosten:
Teilnahme kostenfrei
Verfügbare Plätze:
12
Weitere Hinweise:
Der genaue Treffpunkt wird bei der Anmeldung bekannt gegeben.
Text: Konrad Bucher, Fotos: Alicia Bilang, Ruth Mahla, UGM;
Der Boden ist als Grundlage allen Lebens und Wachstums auf der Erde unser wertvollster Bodenschatz und unsere wichtigste natürliche Ressource, die von unserer rücksichtslosen Wirtschaftsweise bedroht wird. Dem Artensterben über dem Boden geht meist ein unterirdisches Sterben voraus, das oft gar nicht bemerkt und in den Medien nicht thematisiert wird.
VersalzungTrockenrisse Lehm
Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Während das Klima ein träges System ist, sind Böden – wenn sie noch nicht völlig degradiert sind – relativ schnell und mit einfachen, preiswerten Mitteln regenerierbar. Hier kann man innerhalb von wenigen Jahren auf lokaler Ebene viel erreichen.
Die Geografin Ruth Mahla möchte mit ihrem Vortrag Verständnis wecken für den empfindsamen Lebensraum unter unseren Füßen. Mit einfachen Versuchen und mit all unseren Sinnen lernen wir den lebendigen Boden als ganzheitliches System kennen und verstehen, was er braucht, um gesund und vital zu bleiben.
Die Exkursion startete am 18. September 2026 um 18:30 Uhr auf der Freihamer Festwiese, ein großes Areal zwischen Golo-Mann-Weg und Albert-Camus-Straße, das bis zur Bebauung als naturnahes Freigelände erhalten und von der Bürger*inneninitiative Naturnahe Festwiese Freiham zusammen mit dem Freiluftgarten des KINDERSCHUTZ als Veranstaltungsort und Treffpunkt genutzt wird. Derzeit steht dort auch die Kunstinstallation „Sichtung V“ der Künstler*innen Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier aus Forstern. Die begehbare Kunst-Installation soll im Namen der Kirche (Erzbistum München) Kontakt zu den Freihamer Bürgern aufnehmen, die die Angebote der Kirche kennenlernen sollen. Da passt der Wunsch der Bürgerinitiative, möglichst viel naturnahen Freiraum, in dem sich das vielfältige ursprüngliche Leben – die Schöpfung – zusammen mit den menschlichen Bewohner*innen wohlfühlen und weiterentwicklen kann, gut ins Konzept.
Die Bürgerinitiative möchte nicht nur Teile des Areals naturnah erhalten, sondern auch einen Lehrpfad gestalten, um Besucher*innen und Bewohner*innen für die heimische Ökologie zu sensibilisieren und die einmalige Chance für grüne und naturnah gestaltete Siedlungen zu verdeutlichen, die sich in diesem riesigen Neubau-Areal jetzt noch bietet. Am Rande der Wiese finden viele schöne Veranstaltungen statt – sie ist jetzt schon ein Besuchermagnet im Viertel geworden. Eine aussichtsreiche Ausgangslage, um mit Installationen und Bildungsveranstaltungen Natur- und Umweltbewußtsein zu schulen und einen biodiversen Freiraum zum Entspannen und Aufatmen dauerhaft zu erhalten.
Als Referenten für die Wildpflanzenexkursion konnten wir Dr. Ernst Habersbrunner vom Bund Naturschutz Ortsgruppe München West gewinnen, der sich die Erhaltung, Vermehrung und Wiederansiedlung autochthoner Wildpflanzen in München und Umgebung zum Ziel gemacht hat und uns unterstützen will, die Wildpflanzenvielfalt im Neubaugebiet zu entdecken und zu erhalten. Auch wenn natürlich ein Großteil der Flächen einmal anders genutzt werden wird, bis dahin kann man die autochthone Wildpflanzenpopulation identifizieren, vermehren und auf den vielen verbleibenden Freiflächen ansiedeln.
Eigens zu dem Zweck hat sich in Freiham eine Wildpflanzengruppe zusammengefunden, die schon in diesem Herbst beginnen will, ungenutze Flächen einzusähen und wertvolle Stauden und Sträucher an langfristig gesicherte Standorte umzusiedeln. Dazu müssen sie natürlich die ursprüngliche Vegetation und ihre ökologischen Nischen gut kennenlernen und auch die besten Methoden, um wertvolle Vegetation erfolgreich erhalten zu können.
Jacobaea vulgaris
Anfangs verlief unsere Suche etwas enttäuschend, da uns auf den ersten Metern nur problematische Pflanzen ins Auge gestochen sind, die eher typisch für einen aufgegebenen landwirtschaftlichen Acker sind, wie das hochtoxische Jakobsgreiskraut (Jacobaea vulgaris), sowie das Einjährige Berufskraut (Erigeron annuus), eine aus Kanada stammende Feinstrahlaster, die sich hier als invasiver Neophyt extrem vermehrt und einheimische Wildpflanzen verdrängt.
Etwas weiter im Inneren der großen Wiese stießen wir dann aber doch noch auf eine überraschende Vielfalt an wertvollen Wildpflanzen, teilweise typisch für die Münchner Schotterebene, oft auch in größeren Beständen, wie zum Beispiel das weiße und das echte Labkraut (Galium album, Galium verum), verschiedene Fingerkräuter (Potentilla), verschiedene Königskerzen-Varianten (Verbascum), den kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Odermenning (Agrimonia eupatoria), die Moschusmalve (Malva moschata), Dost (Origanum), Johanniskraut (Hypericum perforatum), Weiße Lichtnelke (Silene latifolia alba) und die Golddistel (Carlina vulgaris).
Stauden und Sträucher, wie zum Beispiel Wildrosen- und Ginsterarten (Genista) , die wir im offeneren Randbereich der Wiese fanden, können sehr einfach ausgestochen und – am Besten jetzt im Herbst – umgesiedelt werden, bevor sie einer Bebauung zum Opfer fallen. Der offene Boden um die Neupflanzung herum sollte mit Sand oder Kies bedeckt werden, um konkurrenzstärkere Pflanzen zu unterdrücken, bis sich die Neulinge etablieren können.
Neben den, auf vielen Schotterflächen im Viertel weit verbreiteten Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei), entdeckten wir auf unserer Wiese auch das Waldweidenröschen oder Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium). Die filigranen Samenstände werden durch den Wind weit fortgetragen und siedeln sich an, wo der Standort es zulässt. Das Sammeln und Ausbringen auf den vielen kiesigen und nahezu kahlen Ruderalflächen im Viertel würde sich für einige Arten, wie auch die hübsche Golddistel lohnen.
Samenstände des WaldweidenröschensSamen der Golddistel
Die einfachste und erfolgversprechenste Art auch größere Flächen biodiverser zu gestalten ist die Mähgutübertragung. Dr. Habersbrunner erklärt uns genau, wie das geht und was man beachten muss: Am Besten ganz früh am Morgen, wenn das Mähgut mit den vielen Samenständen noch feucht von Tau ist, auf einen mit Plastikplane ausgeschlagenen Hänger laden und auf die kiesigen, möglichst noch offenen Flächen im Viertel ausbringen. Je magerer sie sind, desto größer ist die Chance, dass sich die wertvolleren Pionierpflanzen in dieser Nische ansiedeln und nicht die auf nährstoffreichere Böden angewiesenen Allerweltspflanzen.
Noch ein Hinweis ist für einen langfristigen Erfolg sehr wichtig:
Da sich die Pflegeleistungen des städtischen Gartenbaus nicht komplizieren dürfen, ist es am Besten, nicht einzelne kleine, sondern große, zusammenhängende Flächen in Form einer Patenschaft zu gestalten und zu betreuen. Für die Stadt ist es einfacher, z.B. alle Ruderalflächen entlang einer Straße nicht mehr zu mähen, als einzelne Flurstücke. Das hilft uns und der Natur, ganze Straßen dauerhaft naturnäher zu gestalten und entlastet die Stadtverwaltung. Hier sind die Bürger*innen aufgerufen: Man braucht viele helfende Hände und dauerhaftes Engagement, um das zu realisieren.
Warum überhaupt autochthone Pflanzen bevorzugen?
Autochthone Arten sind heimische, standorttreue Arten, die sich seit langer Zeit natürlich in einem lokalen Gebiet entwickelt haben. Sie haben sich über viele Jahre an die lokalen Bedingungen angepasst und sind daher widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Wetterextreme. Jede lokale Art und Variante hat also eine an den Standort angepasste eigene Genetik und Genexpression ausgebildet, die sie von den Varianten in einer anderen Region unterscheidet. So kommt die genetische Biodiversität, die enorme Vielfalt des Lebens zustande. Autochthone Arten bieten den lokalen Tieren Nahrung und Lebensraum. Bei der Anlage von naturnahen Parks oder Gärten werden autochthone Pflanzen eingesetzt, weil sie besser für das lokale Klima und die Tierwelt geeignet sind. Sie benötigen weniger Pflege und tragen durch ihre bewußte Ansiedlung dazu bei, dass der wertvolle Genpool erhalten wird.
Bei Fragen schreib uns gerne an: Andreas: portland@grueneaussichten.de
Am Samstag, den 26. September, laden wir dich von 10:00 bis 12:30 Uhr zu unserem Workshop im Gemeinschaftsgarten ein. Gemeinsam bauen wir Insektenhotels – für Kinder, Eltern, Großeltern und alle, die Freude am Werken und an der Natur haben. Bring gerne dein altes Insektenhotel mit, dann schauen wir ob es in Schuss ist und funktional ist. Die gebauten Werke dürft ihr nach Hause nehmen.
Schau dir außerdem unseren Gemeinschaftsgarten an, lerne uns kennen und mach mit. Wir erklären euch, was hinter dem Begriff „Urban Gardening“ steckt und wie gemeinschaftliches Gärtnern ganz konkret bei uns funktioniert.
Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig – komm einfach vorbei!
Anmeldung per Mail bei Mechthild Pohler: mechthild.pohler@web.de
Lerne, wie du mit der Natur denkst, planst und regenerative Systeme gestaltest!
In diesem Workshop tauchen wir tief in die Grundlagen der Permakultur und das Acht-Schilde-Modell ein. Du erfährst, wie wir von natürlichen Ökosystemen lernen können, um enkeltaugliche Entscheidungen zu treffen und widerstandsfähige Projekte aufzubauen.
Highlights des Workshops:
Permakultur-Grundlagen: Ethik (Earth Care, People Care, Fair Share), Gestaltungsprinzipien & Kreislaufdenken.
Das Acht-Schilde-Modell: Systemisches Denken, Lernkreisläufe (Flow Learning) & lebendige Gemeinschaftsstrukturen.
Praktische Werkzeuge: Für eigene Garten-, Land-, Bildungs- oder Gemeinschaftsprojekte.
Für wen? Für alle, die regenerative Lösungen suchen und neue Denkweisen in ihren Alltag, Garten oder ihre Gemeinschaft bringen möchten.
Zur Person
Beate C. Merkel ist zertifizierte Permakultur-Designerin, Nachhaltigkeitsmanagerin und Mitbegründerin der Leocor gGmbH. Sie bringt über 25 Jahre Erfahrung im Projekt-, Verwaltungs- und Organisationsmanagement mit.
In München-Harlaching initiierte und gestaltete sie den urbanen Permakulturgarten Wild Roots, der für seine ökologische Vielfalt als „Vogelfreundlicher Garten“ (LBV) und „Naturgarten“ (Naturgarten e.V.) ausgezeichnet wurde. Neben der praktischen Gartenarbeit engagierte sie sich in der lokalen Community-Arbeit und organisierte regelmäßige Naturgartentreffs sowie Workshops zu ökologischen Kreisläufen, Ökosystemen und dem Acht-Schilde-Modell uvm.
Beate wird natürlich besonders auf Fragestellungen zum dortigen Garten eingehen, doch sind externe Gärtner*innen auch herzlich zum Workshop eingeladen. Kommt vorbei und lernt auch den wunderschönen Gemeinschaftsgarten oʼpflanzt is! und die engagierten Gärtner*innen kennen. Bitte meldet euch mit einer kurzen Mail bei Mechthild an: mechthild.pohler@web.de
Diese Veranstaltung ist ein Beitrag zu folgenden Nachhaltigkeitszielen:
Die BNE-Workshops der Urbanen Gartenakademien München sind Teil der BNE-VISION 2030, ein Projekt der Landeshauptstadt München, das Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Landeshauptstadt München strukturell verankern soll.