Workshop_Vermehrung_Wildpflanzen

Bericht vom Workshop „Vermehrung heimischer Wildpflanzen durch Aussaat“

Am 9. April ab 18 Uhr im StadtAcker am Ackermannbogen

Im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ üben sich nun schon in der 3. Saison ca. 60 Balkongärtner*innen am Ackermannbogen in der Pflege und der Vermehrung von heimischen Wildpflanzen.

Wir alle haben uns in die „schönen Wilden“ verliebt und wollen nicht mehr auf diese Freude verzichten, auf dem Balkon, im Garten oder Wohnumfeld die zarte Pracht der einheimischen Wildpflanzen und die Insektenvielfalt, die sie anziehen, zu genießen und mit der Zeit immer besser kennen zu lernen.

Wildpflanzen und Insektenbesuch am Balkon: Fotos Ruth Mahla

Wildes Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens), Foto: Hannelore Schnell

Nur – meist gibt es die Lieblingspflanzen gar nicht mehr zu kaufen oder nicht genau diese eine Varietät, die am Besten am jeweiligen Standort gedeiht. Der gegenwärtige Wildpflanzen-Boom übersteigt oft die Kapazitäten der wenigen spezialisierten Gärtnereien – vielerorts sind beliebte Arten schon ausverkauft und wegen der Energiekrise sind die Preise auch gestiegen.

Das Vermehren von Pflanzen, die sich an ganz besondere Standorte, wie z.B. einen Balkon angepasst haben, hat viele Vorteile: Wir erhalten eine gewisse Auslese, die zum Beispiel mit engen Töpfen, Trockenheit und Hitzestress gut zurecht kommt.

Deswegen sind die Verbundpartner vom BioDivHubs-Projekt – Konrad Bucher vom MUZ und Stadtackerkoordinator – Monika Egerer, Inhaberin des Lehrstuhls Produktive Urbane Ökosysteme an der TUM und ihr Mitarbeiter David Schoo – in die Samengärtnerei eingestiegen, um das benötigte Saatgut und die gewünschten Jungpflanzen selbst zu produzieren. In einem Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Mingas Permadis von David Schoo dürfen die Pflänzchen heranwachsen, bis sie auf den Projektflächen benötigt werden.

Damit möglichst viele Gärtner*innen lernen, wie man die wertvollen Wildpflanzen selbst vermehrt, fand am StadtAcker am Ackermannbogen dieser Workshop statt.

Fotos: Konrad Bucher

In die Aussaatschalen säen

Fotos: Ruth Mahla

Bevor wir die nährstoffarme Bio-Anzuchterde in die Schalen geben, werden diese gut gesäubert und desinfiziert. Die Erde wird sehr eben und gleichmäßig verteilt und dann angedrückt und in einzelne Abteilungen unterteilt.

Die Etiketten oder ein Klebeband mit den Infos zum Saatgut werden sorgfältig angebracht, damit es keine Verwechslungen gibt.

Erst dann kann – nicht zu dicht, denn das Saatgut ist wertvoll – gesät werden. Bei sehr feinen Saatkörnern ist das gar nicht so leicht: David zeigt uns, wie man eine kleine Menge Körnchen aus der Tüte in die Hand nimmt und locker zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand auf das vorbereitete Saatbett rieseln lässt.

Die Saat wird leicht angedrückt, damit sie Samenkörner Bodenkontakt bekommen und entweder mit feinen Blähton oder Lavagranulat abgestreut und angegossen. Wenn Lichtkeimer dabei sind, nicht mit Erde bedecken. Das Lavagranulat ist lichtdurchlässig, weshalb es auch für das Abdecken von Lichtkeimern verwendet werden kann. Es schützt den Boden außerdem vor Austrocknung und verhindert, dass die Samen oder Keimlinge bei Starkregen weggespült werden. Durch das Lavagranulat wird auch die Vermehrung der lästigen Trauermücken eingedämmt. Wichtig ist, das Gießen nicht zu vergessen, wenn die ersten Keimlinge sichtbar werden. In diesen Stadium dürfen die Pflänzchen keinen Trockenstress abbekommen. Am Besten gießt man von unten, indem man den Untersetzer mit Wasser befüllt, oder man befeuchtet sanft von oben mit einer Sprühflasche.

Noch ein Tipp: Sehr dickes Saatgut keimt besser, wenn man es ein wenig anschmiergelt.

Pikieren

Das Pikieren ist ein Geduldsspiel, das mit einem Pikierstab am Akkuratesten gelingt. Hat man aber Tausende Sämlinge zu pikieren, wie David in seiner Gärtnerei, kann man auch schneller vorgehen und mit den Fingern Pflanzlöcher vorformen und die Pflänzchen schnell hineindrücken. Die langen Würzelchen darf man einkürzen, damit sie in die Multitopfpaletten passen. Wichtig ist, dass die Wurzeln senkrecht in die Erde gedrückt werden und guten Bodenanschluss haben. Das Substrat sollte in diesem Entwicklungsstadium etwas nährstoffreicher sein: Gute Biogartenerde – natürlich ohne Torf – gibt es im Frühjahr in den Biomärkten zu kaufen. Zum Schluss wird noch gut gewässert. Eine Mischung aus Gartenerde, Kompost und verbrauchter Erde oder Sand geht aber auch – nur sollte die Eigenmischung zur Unkraut- und Keimreduzierung im Backofen etwa eine Stunde auf über 70 Grad Celsius erhitzt werden.

Wurzelentwicklung ist wichtiger als schnelle Blattenentwicklung

Wichtig ist, dass die Pflanzen ihre Kraft erst einmal in die Wurzelentwicklung geben. Das tun sie nur, wenn sie nicht allzu nährstoffreich aufwachsen. Man darf die wilden Jungpflanzen also keineswegs noch zusätzlich düngen. Bei einer ausgewogenen und nicht zu üppigen Nährstoffversorgung kann es sein, dass die oberirdische Pflanze noch recht unscheinbar wirkt. Wenn aber der Wurzelballen gut entwickelt ist, dann wird sie sich im Beet gut versorgen können und sich umso schneller entwickeln. Einen solchen Wurzelballen kann man vor dem Auspflanzen ins Beet leicht andrücken und anritzen, damit die verfilzten Würzelchen aufgelockert und zum Weiterwachsen angeregt werden.


Auch gut zu wissen:

Saatgut sammeln

Ein guter Zeitpunkt zum Ernten und Sammeln von Samen ist ein trockener sonniger Vormittag, nicht zu früh, so dass kein Tau mehr die Pflanzen benetzt.

Um sicherzugehen, dass man das ideale Reifestadium erwischt, kann man dieselbe Pflanze zu verschiedenen Zeitpunkten beernten. Man sollte immer nur soviel nehmen, wie man wirklich braucht und unreifen Samen die Möglichkeit zum Nachreifen lassen.

Samen mit Fruchtfleisch sollte man vorsichtig freilegen und die Reste entfernen.

Da beim Projekt viel Wert auf autochthones Saatgut gelegt wird, ist neben dem Sortennamen und dem Sammelzeitpunkt auch der genaue Standortvermerk wichtig.

Unbedingt muss man die Regeln fürs Wildsammeln beachten: In Deutschland sind grundsätzlich alle wild lebenden Pflanzen geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetz steht dazu: Wildpflanzen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund ihrem Standort entnommen werden. Weiterhin steht dort aber auch: „Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“

Durch eine Abfrage in der WISIA-Artenschutzdatenbank des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kann man die besonders und streng geschützte Arten, die nicht gesammelt werden dürfen, herausfinden.

Saatgut lagern

Saatgut soll man kühl und trocken lagern, am besten zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Beim Säubern und Öffnen von Schoten auch auf Tierchen achten und diese rauskrabbeln lassen. Die beste Verpackung sind Papiertütchen – das Milieu muss trocken sein. Plastik eignet sich nicht.

Ganz wichtig: Saatguttütchen sehr gut beschriften! Nein – man merkt sich meistens doch nicht welcher Same zu welcher Pflanze an welchen Standort gehört. Auch das Sammeljahr nicht vergessen – Saatgut verliert mit den Jahren an Keimfähigkeit.


Wildpflanzen und ihr Keimverhalten

Schnell keimende Pflanzen

  • Achillea millefolium (Gewöhnliche Schafgarbe)
  • Anchusa officinalis (Gewöhnliche Ochsenzunge)
  • Artemisia (Beifuß)
  • Buphthalmum salicifolium (Ochsenauge)
  • Campanula (Glockenblumen)
  • Centaurea (Flockenblume)
  • Cichorium intybus (Gewöhnliche Wegwarte)
  • Coronilla Securigera, harte Schote aufrauen (Kronwicke)
  • Daucus carota (Wilde Möhre)
  • Dianthus (Nelke)
  • Dipsacus (Karde)
  • Filipendula vulgaris (kleines Mädesüß)
  • Fragaria vesca (Wald-Erdbeere)
  • Galium verum (gelbe Labkräuter)
  • Geranium sanguineum (Blutroter Storchschnabel)
  • Helianthemum nummularium (Ovalblättriges, Gewöhnliches Sonnenröschen)
  • Hypericum (Johanniskraut)
  • Knautia arvensis (Acker- Witwenblume)
  • Linaria vulgaris (Leinkraut)
  • Lotus (Hornklee)
  • Myosotis (Vergissmeinnicht)
  • Origanium vulgare (Wilder Majoran)
  • Salvia pratensis (Wiesen Salbei)
  • Sanguisorba officinalis / minor (Wiesenknopf)
  • Scabiosa columbaria / ochroleuca (Tauben- / Gelbe Skabiose,)
  • Silene flos-cuculi / dioica / vulgaris (Leimkraut/Lichtnelke)
  • Stachys recta (Aufrechter Ziest)
  • Tanacetum corymbosum (Ebensträußige Wucherblume)
  • Tanacetum vulgare (Rainfarn)
  • Thymus (Thymian)

Kaltkeimer

  • Ajuga genevensis / reptans (Genfer / Kriechender Günsel)
  • Alchemilla xanthochlora (Gelbgrüner Frauenmantel)
  • Angelica sylvestris (Wald Engelwurz)
  • Anthyllis (Wundklee)
  • Astragalus glycyphyllos (Süßer Tragant)
  • Astrantia major (Große Sterndolde)
  • Digitalis purpurea (Roter Fingerhut)
  • Echium vulgare (Natternkopf)
  • Eupatorium cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost)
  • Euphorbia (Wolfsmilch)
  • Filipendula ulmaria (Mädesüß)
  • Galium odoratum (Waldmeister)
  • Geum rivale (Bach-Nelkenwurz)
  • Heracleum sphondylium (Gewöhnlicher Wiesen-Bärenklau)
  • Iris pseudacorus (Sumpf-Schwertlilie)
  • Lamium maculatum / album (Gefleckte / WeißeTaubnessel)
  • Lathyrus vernus (Frühlings-Platterbse )
  • Lythrum salicaria (Blutweiderich)
  • Meum athamanticum (Bärwurz)
  • Ononis spinosa / repens (Dornige / Kriechende Hauhechel)
  • Pastinaca sativa (Pastinak)
  • Peucedanum …(Haarstrang)
  • Pimpinella major (Bibernelle)
  • Phyteuma nigrum / spicata (Schwarze / Ährige Teufelskralle)
  • Primula elatior / veris (Hohe / Echte Schlüsselblume)
  • Pulmonaria officinalis (Lungenkraut)
  • Scrophularia nodosa / umbrosa (Braunwurz / Flügel-Braunwurz)
  • Scutellaria galericulata (Helmkraut)
  • Stellaria/Rabelera holostea (Große Sternmiere)
  • Succisa pratensis (Gewöhnliche Teufelsabbiss)
  • Teucrium chamaedrys (Edel-Gamander)
  • Thalictrum flavum / aquilegiifolium (Gelbe / Akeleiblättrige Wiesenraute)
  • Trollius europaeus (Trollblume)
  • Valeriana officinalis (Baldrian)
  • Veronica officinalis (Wald-Ehrenpreis)
  • Veronica teucrium (Großer Ehrenpreis)

Gleich nach der Ernte säen

  • Aconitum (Eisenhut)
  • Astrantia major (Große Sterndolde)
  • Caltha palustris (Sumpfdotterblume)
  • Knautien (Knautia Witwenblumen)
  • Lathyrus vernus / luteus ‚Aureus‘ (Frühlings- / Hohe Gold- Platterbse)
  • Lunaria annua Chedglow (Einjähriges Silberblatt)
  • Lunaria rediviva (Ausdauernde Silberblatt)
  • Luzula nivea (Schneeweiße Hainsimse)
  • Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle)
  • Stipa (Federgras)
  • Thalictrum (Wiesenraute)

Grün ernten – weil Samen beim Reifen schnell abfallen

  • Centranthus (Spornblume)
  • Euphorbia (Wolfsmilch)
  • Knautia (Witwenblumen)
  • Pulsatilla (Kuhschelle)
  • Succisa (Teufelsabbiss)

Liste der Pflanzen: Barbara Prosiegel;

Text: Ruth Mahla

Fotos: Hannelore Schnell, Konrad Bucher, Ruth Mahla


Rewilding Ackermannbogen: Pflanzaktion im Wildstaudenbeet

Logo BioDivHubs

Zu unserer Freude haben alle Pflanzen, die die Nachbarschaft am Ackermannbogen letztes Jahr im großen, halbschattigen Dreiecksbeet vor dem Rigoletto am Ackermannbogen gepflanzt hat, überlebt und die Frühlingsgeophyten blühten auch schon in dieser ersten Saison wunderschön. Trotzdem sieht das Beet in den Augen vieler, die buntere und üppigere Beete gewohnt sind etwas karg aus. Klar – unsere aus Projektmitteln gekauften Pflanzen im ersten Jahr sind noch sehr klein und die Schönheit der Wildpflanzen ist oft auch durch ihre Zartheit nicht so offensichtlich, wie die großen Blüten der gezüchteten Prachtgewächse. Deswegen hat Konrad Bucher vom BioDivHubs-Projekt mit seinem engagierten Team am Ackermannbogen beschlossen, einige Stauden nachzupflanzen, damit sie schneller zu dichten Polstern zusammenwachsen können.

Die Skizze zeigt die Anlage des sog. Dreiecksbeetes unter 3 Bäumen mit einer Vielzahl von Arten, die typisch sind für halbschattige heimische Waldssäume mit kleinen Sonneninseln. Hohe und üppige Leitstauden wie der Waldgeißbart und der klebrige Salbei werden eingerahmt von niedrigeren Arten, so dass sich eine abwechslungsreiche Struktur ergibt.

Gemeinsames Pflanzen und Lernen

Das BioDivHubs-Projekt hat nicht nur das Ziel, die biologische Vielfalt in vier ausgewählten Münchner Quartieren zu fördern, sondern vor allem auch die Menschen für alle Aspekte der Biodiversität in ihrem städtischen Lebensumfeld zu sensibilisieren und zu begeistern. Und so hat sich am Ackermannbogen ein Kreis von Freiwilligen gebildet, die unter der fachlichen Leitung von StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Mitarbeiter Konrad Bucher nicht nur ihre eigenen Balkone, Terassen und Gärten ökologisch aufwerten, sondern auch Pflanzungen auf öffentlichen Flächen im Viertel durchführen und dabei selbst zu Expert*innen für heimische Wildpflanzen werden.

Innerhalb einer Stunde waren die Wildpflanzen gesetzt – nun musste die Fläche noch ausreichend gewässert werden, damit Brauner Storchschnabel, Graslilien, Odermennig & Co auch gut anwachsen. Ist der Boden einmal durch den dichten Bewuchs vollständig beschattet und sind die Pflanzen älter und robuster, muss dieses Beet nur bei anhaltender Hitze und Trockenheit im Sommer gegossen werden.

Das ausgiebige Wässern des Beetes hat über eine Stunde gedauert

Für einen dauerhaften Erfolg solcher Pflanzungen ist es wichtig, dass sich die Nachbarschaft weiter darum kümmert – jätet, nachpflanzt und bei Bedarf gießt, denn wir bekommen nur die Erlaubnis öffentliche Flächen zu gestalten, wenn der Stadtverwaltung nicht zusätzliche Arbeit daraus erwächst.


Text und Fotos: Ruth Mahla


Titelbild: Langer Tag der StadtNatur

Langer Tag der StadtNatur: BioDivHubs Rewilding Tour

Termin: 10. Mai 2026, 11:00-18:00 Uhr;

Orte: 4 Stationen: EineWeltHaus | Grüner Quirin Giesing | Ökologisches Bildungszentrum (ÖBZ) |Ackermannbogen

Wie lässt sich biologische Vielfalt in urbanen Räumen fördern?

Zum Langen Tag der StadtNatur geben wir Einblicke in vier Quartiere, in denen im Rahmen des Verbundprojekts BioDivHubs neue Lebensräume für Wildpflanzen und Insekten entstanden sind und gerade entstehen. Bei unserer großen Radltour können die verschiedenen Veranstaltungen auch unabhängig voneinander besucht werden.

Die Fahrt zwischen den Stationen dauert ca. 30 Minuten.

Ihr seid herzlich eingeladen, mit den Expert*innen vom BioDivHubs-Projekt die erblühende StadtNatur zu erkunden.

Mehr Infos zum Langen Tag der StadtNatur mit dem ganzen Programm und mit der interaktiven Karte findet ihr hier

Hier unser Flyer zum Herunterladen:


Titelbild/Grafik: LBV, Foto auf Flyer: Macrowilli;


Titelbild: Langer Tag der StadtNatur

Langer Tag der StadtNatur: Lebendige Böden als Chance für die Menschheit

Termin: 10. Mai 2026, 15:00-17:00 Uhr;

Ort: Ökologisches Bildungszentrum München (ÖBZ), Treffpunkt vor dem Haupteingang;

Referentin: Ruth Mahla, Bodenkundlerin;

Das Projekt der BürgerStiftung München „Urbane Gärten München“ will mit einem Workshop aus der Reihe „Boden begreifen“ dazu beitragen, dass neben dem oberirdischen Leben, auch die Biodiversität gesunder, lebendiger Böden öffentlich wahrgenommen wird.

Denn Humus ist viel mehr als zersetzte Biomasse – Humus ist ein hochkomplexer Lebensraum, dem wir Menschen ursprünglich angehören. Weltweit gibt es sehr viel mehr Leben unter unseren Füßen als oberhalb – und dem oberirdischen Insektensterben geht oft ein unterirdisches Massensterben des Bodenlebens voraus.

In dem einfach verständlichen Workshop beschäftigen wir uns mit diesen oft nicht bekannten und geheimnisvollen Vorgängen unter unseren Füßen – und wie wir sie mit einfachen gärtnerischen oder stadtplanerischen Methoden positiv beeinflussen können. Dabei verlassen wir uns auch auf unsere Sinne: Durch Tasten, Sehen, Schmecken und Riechen erkunden wir den Boden vor Ort  – denn wir Menschen sind von Natur aus in der Lage eine lebensfördernde, gesunde Umwelt zu erspüren.

Bodenversalzung
Bodenversalzung durch künstliche Bewässerung

Der Schutz unserer Böden und der Humusaufbau auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen sind viel leichter, preiswerter und auch schneller zu bewerkstelligen als alle anderen Klimaschutz-Maßnahmen zusammen – vorausgesetzt die Flächen sind noch nicht zu sehr degradiert, wie dieser von Versalzung betroffene Boden auf der Abbildung.

Wenn wir weltweit unsere landwirtschaftlichen Böden schützen und rekarbonisieren, entziehen wir auf natürliche Weise der Atmosphäre CO2, stärken die Landwirte und vermindern Nahrungsmittelknappheiten und Elend weltweit: Eine echte Chance für die Menschheit, ihre „apokalyptischen Reiter“, nämlich die Folgen der Klimaerwärmung, Artensterben, Hunger- und Flüchtlingselend wirkungsvoll anzugehen.


Text: Ruth Mahla; Titelbild/Grafik: LBV

Convivium_logo

CONVIVIUM – Nahrungssysteme am Limit

EINLADUNG ZUR AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

wir laden Sie herzlich ein zur Eröffnung der Ausstellung „CONVIVIUM. Nahrungssysteme am Limitam Mittwoch, 22. April um 19 Uhr! 
Die Ausstellung präsentiert in zwölf Kapiteln Beispiele dafür, wie unsere Nahrungsmittel heute produziert und vertrieben werden. Die sichere Versorgung hängt an einem komplexen System, das durch Klimaerwärmung, politische und ökonomische Faktoren aktuell an seine Grenzen kommt. Der Fokus der Präsentation liegt auf Europa, doch die globalen Zusammenhänge werden stets einbezogen. Die Ausstellung vereint Architektur, Umweltjournalismus und Kunst und präsentiert wissenschaftliche Erkenntnisse neben Materialinstallationen. Ziel der Ausstellung ist es, die räumlichen und technologischen Grundlagen unserer Nahrungsproduktionsichtbar zu machen – und zu zeigen, welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Zukunft ergeben.­
­IM RAHMEN DER AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
SYMPOSIUM „CONVIVIUM. Nahrungssysteme am Limit“ am 23. April, 8:30–16:00 Uhr im Vorhoelzer Forum Technische Universität Müchen
VORTRAG VON RAJ PATEL am 23. April, 18:00–19:00 Uhr im Auditorium Ernst-von-Siemens in der Pinakothek der Moderne
ERWEITERTE FÜHRUNG durch die Ausstellung mit Autoren, Kuratoren und Designern, am 24. April, 10:00–13:00 Uhr im Architekturmuseum der TUM
Für alle Veranstaltungen bitten wir um Anmeldung unter: anmeldung@architekturmuseum.de

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! 
Der Direktor des Architekturmuseums, Andres Lepik, im Namen des Convivium-Teams“